Knorr-Bremse

Ausbeuten, verlagern, rauswerfen

  • 11.02.2017
  • ab
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Steinzeit-Kapitalismus vom Feinsten: Während sich der Gewinn in nur fünf Jahren von 329 auf 645 Millionen Euro fast verdoppelt hat, drangsaliert der Knorr-Bremse Konzern seine Mitarbeiter, wo er nur kann: mit Tarifflucht, Standortflucht und anderen Vorschlägen aus der Steinzeit der Industrie. Nur ein Beispiel: 300 Berliner Mitarbeiter sollen statt 35 nun 42 Stunden und damit sieben Stunden pro Woche länger arbeiten – bei vollem Lohnverzicht.

Der Knorr-Bremse-Konzern baut seine Schienenfahrzeugsparte aus. Statt mit der Belegschaft gemeinsam die Zukunft zu planen, setzen die verantwortlichen Manager auf Aufkündigung der Sozialpartnerschaft und eine radikale Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. 

Dies werden sich die Belegschaften an den zahlreichen Standorten in Deutschland nicht gefallen lassen – überall regt sich Widerstand, auch bei den neu erworbenen Tochterunternehmen. „Das gibt richtig Ärger“, sagt Klaus Abel, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin. „Belegschaft  und IG Metall werden nicht hinnehmen, dass sich Manager und Inhaber die Taschen vollstopfen, während die Mannschaft zu Bedingungen wie in der Steinzeit der Industrie schuften soll.“

Zunächst will das Management die Konzerntochter Hasse & Wrede am Berliner Standort Marzahn schließen und anschließend in Tschechien neu aufbauen. Alle aktuell dort arbeitenden 180 Marzahner Beschäftigten sollen ihren Arbeitsplatz verlieren und in eine ungewisse Zukunft geschickt werden. Auf den frei werdenden Standort sollen 2018 die 300 Mitarbeiter von Power-Tech, einem Tochterunternehmen von Knorr-Bremse aus Berlin Tegel ziehen.

Der IG Metall-Unternehmensbeauftragte für Knorr-Bremse, Sebastian Roloff (München), ist von den Plänen nicht überrascht. „Die Knorr Bremse zeichnet sich selten durch einen sozialen Umgang mit ihren Beschäftigten aus, im Zweifel geht etwas mehr Profit immer vor.“

Brisant ist nicht nur die skandalöse Schließung des Berliner Traditionsunternehmens Hasse & Wrede. Flankiert wird die Standort-Rochade mit der Aufkündigung der Sozialpartnerschaft durch Austritt aus dem Arbeitgeberverband. Die Beschäftigten dort sollen – bar jeder rechtlichen Grundlage – noch im April 2017 statt der grundsätzlich vereinbarten 35 Stunden 42 arbeiten, ohne einen Cent Gehaltserhöhung. Das entspricht einer Lohnkürzung von 20 Prozent. Obwohl das Unternehmen noch bis Ende 2017 tarifgebunden ist, übt das Unternehmen schon jetzt erheblichen Druck auf die Beschäftigten aus. Neue Arbeitsverträge sollen schnell in sogenannten Einzelgesprächen unterschrieben werden.

Dieser Affront gegen geltendes Tarifrecht und die Ausweitung auf eine 42-Stunden-Woche wird systematisch betrieben. Auch Knorr-Bremse PowerTech in Holzkirchen/Bayern soll der Ausweitung der Arbeitszeit unterworfen werden. Vermutlich müssen auch die anderen durch Knorr-Bremse kürzlich erworbenen und tariflich gebundenen Unternehmen wie tedrive Steering Systems GmbH und Vossloh Kiepe GmbH (beide NRW) in naher Zukunft mit der „Integration in die Konzernstrukturen und (..) die Angleichung der Arbeitsverhältnisse innerhalb des Konzerns“ (Pressemitteilung Knorr-Bremse, 1.2.2017) rechnen.

Fazit: Bundesweit müssen die Belegschaften in den Unternehmen des Knorr-Bremse-Konzerns mit systematischer Tarifflucht und der radikalen Verschlechterung ihrer Arbeitsverhältnisse rechnen. Gut ausgebildete Fachkräfte können mit Tarif-Dumpings weder gehalten noch gewonnen werden. Dies gefährdet unmittelbar das eigene Geschäft und die Arbeit vieler Beschäftigter in der wachsenden Schienensparte des Konzerns.

Die IG Metall empfiehlt deshalb den betroffenen Betriebsräten und Belegschaften ihre guten Möglichkeiten der Mitbestimmung und Gegenwehr zu nutzen. Nur gemeinsam lassen sich die einschlägigen Bestrebungen des Konzerns stoppen. Wir werden sie dabei mit allen Kräften unterstützen.


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