Servicestelle gegen Zwangsarbeit

Erkennen, helfen, Täter ermitteln

  • 06.10.2017
  • mn
  • Aktuelles

25 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gibt es weltweit, viele auch in Deutschland. Dagegen hat ARBEIT UND LEBEN - DGB/VHS Berlin-Brandenburg die Servicestelle gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel eingerichtet. Zum zehnjährigen Welttags für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober stellt ARBEIT UND LEBEN ihr Projekt vor.

Zwangsarbeit ist für mehr als 25 Millionen Menschen auf der Welt Alltag. Dies betrifft auch Menschen in Deutschland. Zwangsarbeit findet in verschiedenen Branchen statt, zum Beispiel im Bausektor, in Landwirtschaft, Gastronomie und privaten Haushalten. In der Regel nutzen Personen und Unternehmen Zwangslagen und Abhängigkeiten von Menschen aus. Sie täuschen, halten den Menschen ihren Lohn vor, behalten Reisepässe ein oder drohen mit Gewalt.

Leider existieren zahlreiche Hindernisse, um den Menschen zu helfen. Zum einen ist es nicht leicht, die Betroffenen zu identifizieren, entsprechend schwierig ist es, die Täter zu verfolgen. Außerdem benötigen Betroffene bessere Unterstützung. Es besteht also Handlungsbedarf. Die wichtigen Akteure in Behörden, Organisationen und Beratungsstellen müssen nicht nur sensibilisiert, sondern auch vernetzt werden, denn wer Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel bekämpfen will, muss koordiniert und effektiv vorgehen.

Aus diesem Grund hat ARBEIT UND LEBEN - DGB/VHS Berlin-Brandenburg die Servicestelle gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel eingerichtet. „Wir wissen durch die Erfahrungen unserer Beratungsstellen, dass Arbeitsausbeutung ein großes Problem ist. Gute Arbeit muss aber für alle gelten. Dafür braucht es wirksamere Kontrollen, um Verstöße gegen Arbeitsstandards und Fälle von Zwangsarbeit aufzudecken“, sagte Doro Zinke, Vorsitzende von ARBEIT UND LEBEN - DGB/VHS Berlin-Brandenburg und DGB Bezirk Berlin-Brandenburg. Wichtig ist die dauerhafte Finanzierung von Unterstützungsstrukturen für Betroffene.  

Das sieht auch Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, so: „Der Schutz der Menschenrechte hat in Deutschland bereits ein hohes Niveau und die Arbeits- und Sozialgesetzgebung bildet den hohen Stellenwert ab, den wir diesem Ziel einräumen. Dennoch besteht auch bei uns noch Handlungsbedarf. Deshalb fördert das BMAS die neue Servicestelle gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel.“

Darüber hinaus ist Deutschland auch verpflichtet, internationale Übereinkommen wie beispielsweise die „EU-Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer“ auf nationaler Ebene umzusetzen. „Das BMAS und die Bund-Länder-Arbeitsgruppe haben dafür in der vergangenen Legislaturperiode den Grundstein gelegt. Nun gilt es, diese Arbeit zu verstetigen.“

Die Servicestelle will die zuständigen Stellen in den Bundesländern vernetzen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen, so dass sie Erscheinungsformen von Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel schneller erkennen können und die rechtlichen Grundlagen wissen. Zudem will die Servicestelle auf einem Informationsportal Materialien und Informationen bereitstellen.


Drucken Drucken