Deller droht Beschäftigten bei KB Powertech:

Immer sind die anderen Schuld

  • 01.02.2018
  • ab
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute, KB PowerTech

Klaus Deller, Vorstandsvorsitzender von Knorr-Bremse, droht der Belegschaft unverhohlen mit „grundsätzlichen Entscheidungen“, wenn sie nicht freiwillig jede Woche mehrere Stunden pro Woche umsonst für ihn und den Eigentümer, den vielfachen Milliardär Heinz Hermann Thiele, arbeitet. Dabei ist es sein Management, das wenig bis nichts auf die Reihe kriegt - und nicht die Beschäftigten, die die Entscheidungen des Managements umsetzen. Die Welt des Herrn Deller scheint sehr einfach zu sein: Immer sind die anderen Schuld.

Warnstreik vor wenigen Tagen: Mitarbeiter des Knorr-Bremse-Unternehmens KB Powertech streiken in der aktuellen Tarifrunde für eine neue Tarifbindung des Betriebes.

Ohne Tarif - wo gibt es dann das?

Dezember vergangenen Jahres, Abgeordnetenhaus Berlin: Der Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Betriebe will von den beiden Unternehmen Knorr-Bremse und Vattenfall wissen, wie es um die wirtschaftliche Situation und um die Arbeitsplätze bei Ihnen bestellt sei. Schließlich gehe es auch um Subventionen, die das Land Berlin zahle und oft ende es so, dass die Subventionen genommen, die Arbeitsplätze aber anschließend abgebaut würden. Das Land Berlin will also wissen, ob die beiden Unternehmen verantwortlich mit den geschenkten Berliner Steuergeldern umgehen. 

Für KB Powertech ist der Vorstandsvorsitzende von Knorr-Bremse, Klaus Deller persönlich, gekommen. Als er über KB Powertech spricht, sagt er, dass das Unternehmen siebzehn Millionen Euro Verlust mache in 2017, bei „wenig Entgegenkommen durch die Belegschaft, sicherlich auch dadurch, dass es ein tarifgebundener Betrieb sei.“ Später kündigt er „grundsätzliche Entscheidungen zur Powertech“ an.

Herr Deller, das ist eine Lohnkürzung von 20 Prozent!

Jörg Strödter, SPD-Vertreter im Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, ist sichtlich irritiert: „Herr Deller, ich bin doch ein bisschen überrascht, wie Sie das hier darstellen“, sagt er und verweist darauf, dass er sich vor Ort selbst ein Bild gemacht habe: „Dort ist uns vom Betriebsrat gesagt worden, dass die 350 Beschäftigten statt der tariflich vereinbarten 35 Stunden künftig 42 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich arbeiten sollen. Das ist eine Lohnkürzung von 20 Prozent!“

Es ist die immer gleiche alte Platte, die die Manager des Knorr-Bremse-Konzern auflegen: Dass die Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie tariflich vereinbart 35 Stunden die Woche arbeiten, interessiert sie nicht – stattdessen stellen sie ihre 42 Stunden-Woche ohne Lohnausgleich als normal dar. Und wenn es Verluste in einem Unternehmen gibt, muss nicht das Management seine Hausaufgaben machen. Dann sind die Beschäftigten Schuld.

Die setzen allerdings die Entscheidungen des Managements an den Linien und Werkstätten nur um. „Jeder weiß, dass Powertech nicht in dieser prekären Situation war, als Knorr-Bremse es 2014 gekauft hat. Ein Jahr später gab es plötzlich ein Millionendefizit. Die Belegschaft fragt sich: Wie konnte es dazu kommen?“, sagt Andreas Buchwald, der KB Powertech bei der IG Metall Berlin betreut. „Anstatt immer neue Beratungsfirmen durchs Haus zu schicken, könnten Klaus Deller und sein Management überlegen, das Geschäft besser zu strukturieren und die Belegschaft mitzunehmen statt ihr immer nur zu drohen.“

Fehler, sagt Andreas Buchwald, mache nämlich vor allem das Management, das das Projektgeschäft des dazugekauften Unternehmens anscheinend noch nicht verstanden habe: „Ein Materialbestand im zweistelligen Millionenbereich, immer neue und immer unzuverlässigere Lieferanten, belastende Altaufträge und ständige komplexe Umstrukturierungen: Das alles kostet viele Millionen Euro“, sagt Andreas Buchwald. „Geld, das KB Powertech dringend bräuchte.“

Diese Fehlentscheidungen verantwortet allein das Management, kein anderer. Warum deswegen die Beschäftigten 20 Prozent mehr arbeiten sollen, ohne dass der Betrieb das bezahlt, wird wohl auf ewig das Geheimnis des Klaus Deller bleiben.

Hier das Wortprotokoll der öffentlichen Sitzung des Ausschuss für Wirtschaft, Energie,
Betriebe im Berliner Abgeordnetenhaus.
(215 KB)


Drucken Drucken