BMW-Niederlassung Berlin:

Warnstreik bei BMW: 200 bei strömendem Regen vor dem Haus der Wirtschaft - dritte Verhandlung ohne Ergebnis

  • 13.09.2017
  • aw
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Ihre gute Laune haben sich die mehr als 200 Beschäftigten der BMW-Niederlassung Berlin nicht verderben lassen. "Wir sind viele - wir sind krass - hört mal Chefs, da geht noch was" - trotz strömendem Regen waren die Rufe am 13. September weit zu hören.

Die Beschäftigten haben mit ihrem Warnstreik vor dem Haus der Wirtschaft in Berlin-Charlottenburg die dritte Tarifverhandlung zum Haustarifvertrag begleitet. Ab 10 Uhr hatte die IG Metall für die Beschäftigten mit den Arbeitgebern verhandelt.

Die IG Metall fordert für die rund 450 Beschäftigten in den BMW-Niederlassung in Berlin ein Ende des Missbrauchs von Leiharbeit und von unnötigen Befristungen von Arbeitsverträgen. Derzeit haben 55 Kolleginnen und Kollegen Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, weil die Befristungen auslaufen.

Oliver Massling, Betriebsratsvorsitzender der BMW-Niederlassung Berlin, betonte: "Uns geht es hier um Gerechtigkeit. Es kann nicht sein, dass Menschen wegen ihrer Befristungen zu Menschen zweiter Klasse werden. Wer keinen Arbeitsvertrag hat, der Sicherheit gibt, kann auch keine Familie planen, keine Wohnung dauerhaft mieten. Das ist ungerecht."

"Als Berliner IG Metall sind wir stolz auf Euch", sagte Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. "Ihr legt heute zum ersten Mal die Arbeit nieder und wehrt Euch. Das ist mutig und wird BMW beeindrucken. Ihr steht hier für Gerechtigkeit, denn ihr wollt keine Belegschaft zweiter Klasse sein. Wenn sich die Arbeitgeber heute nicht bewegen, dann legen wir noch eine Schippe drauf."

In den letzten Jahren werden in den BMW-Niederlassungen immer mehr Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen eingestellt. Teilweise sind Leiharbeitskräfte bis zu zehn (!) Jahren auf den gleichen Arbeitsplätzen eingesetzt. Auch Auszubildende werden nur befristet nach der Ausbildung übernommen.

Die Geschäftsführung hat mitgeteilt, dass wegen der neuen gesetzlichen Regelungen Leiharbeitskräfte nur noch neun Monate beschäftigt und dann ausgetauscht würden. Betriebsräte der BMW-Niederlassungen in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt lehnen daher weiterer Leiharbeit und Befristungen ab. Es wird vor Gericht zu Ersetzungsklagen kommen.

"Es geht den Beschäftigten in den BMW-Niederlassungen um feste und sichere Arbeitsplätze für alle", so Oliver Massling. Die Geschäftsführung hat am 13. September in der Tarifverhandlung mitgeteilt, dass sie nur den gesetzlichen Rahmen ausnutzen wolle und sich nicht falsch verhalten würde. Das Unternehmen benötige die nötige Flexibilität. Den Niederlassungen gehe es wirtschaftlich nicht gut. Dies treffe insbesondere für Berlin zu.

Bisher hat die Geschäftsführung sich keinen Millimeter in den Tarifverhandlungen bewegt. Auch die dritte Verhandlungsrunde blieb ohne Ergebnis. Am 13. September hat die Geschäftsführung die 1. Stufe der Entgelterhöhung des KFZ-Handwerks angeboten. Über die restlichen Forderungen soll im Oktober weiterverhandelt werden.

Die IG Metall hat den Arbeitgebern klar gemacht, dass Beschäftigte und IG Metall weiter für die Forderungen der Beschäftigten kämpfen werden und der Warnstreik nur der Anfang war. Die Verhandlungsdelegation hat ein klares Signal für den Vorstand der BMW AG mit auf den Weg gegeben: Ein Tarifkompromiss ist möglich, es liegt an BMW, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.

Die Tarifverhandlungen werden am 18. Oktober 2017 fortgesetzt.

Bericht in rbb Aktuell am 13. September um 16 Uhr - Minute 09:20 bis 10:10 sowie in Jungen Welt.

 


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