IG Metall-Befragung - Das wollen die Berliner Beschäftigten

Zufrieden mit Tarif - Arbeitszeiten müssen zum Leben passen

  • 17.05.2017
  • igm/mn
  • Aktuelles

Die Menschen wollen Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen. Tarifverträge und Mitbestimmung sind für sie sehr wichtig. Und sie fordern mehr Selbstbestimmung in der Arbeitswelt von morgen. Das sind einige Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung. In Berlin haben sich 15.000 Beschäftigte an der Befragung beteiligt und sie setzen an manchen Stellen eigene Akzente.

Die gute Nachricht: 73 Prozent der Berliner Beschäftigten sind mit ihrer momentanen Arbeitszeit zufrieden oder zumindest eher zufrieden. Wo Tarifverträge gelten, sind die Menschen deutlich zufriedener. 92 Prozent der Beschäftigten erwartet deshalb von der Politik auch, dass sie Tarifverträge und Tarifbindung schützen.  Das sind nur einige Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der sich in Berlin fast 15.000 Beschäftigte beteiligt haben.

Auch Arbeitszeiten, Flexibilisierung und die Veränderungen der Arbeitswelt beschäftigen die Menschen. Sie wollen die Arbeitswelt von morgen mitgestalten und fordern mehr Selbstbestimmung. „Wir brauchen arbeitszeitpolitisch neue Antworten für die Arbeitsgesellschaft von morgen. Dabei ist die 35-Stunden-Woche für die große Mehrzahl der Beschäftigten die Wunscharbeitszeit. Wir müssen das Mantra der Arbeitgeber: Vollzeit plus Überstunden plus Flexibilität plus Leistungsdruck durchbrechen. Das sind keine Arbeitszeiten die zum Leben passen. Die Beschäftigten wollen mehr Selbstbestimmung anstatt Fremdbestimmung in der Arbeitszeit“, sagte Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Berlin.

Tarifbindung erhöht Zufriedenheit der Beschäftigten

Gerade in Berlin wünschen sich über 71 Prozent (67,9% bundesweit) der Beschäftigten die 35-Stunden-Woche oder kürzere Arbeitszeiten. 63 Prozent der Berlinerinnen und Berliner fänden es zudem gut, die Arbeitszeit zeitweise absenken zu können, etwa für die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder die berufliche Weiterbildung. Neun von zehn Berliner Beschäftigten fordern planbare Arbeitszeiten. „Das Votum der Beschäftigten ist eindeutig: Sie setzen auf eine Umverteilung der Arbeitszeit entlang des Lebenslaufes. Dieser arbeitszeitpolitische Aufbruch kann weder durch den Einzelnen noch durch einzelne Betriebsräte durchgesetzt werden. Dazu sind verlässliche tarifliche und gesetzliche Regelungen nötig“, betonte Klaus Abel.

Auch wenn die Arbeitszeitrealitäten unterschiedlich sind in den Betrieben und Abteilungen, es sind die gleichen Faktoren, die über die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit bestimmen.
Von den Berliner Befragten, die mit ihrer Arbeitszeit zufrieden sind, haben 95 Prozent planbare Arbeitszeiten. Von denen, die unzufrieden sind nur 47 Prozent. Von denen, die mit ihrer Arbeitszeit unzufrieden sind, haben 39 Prozent überlange Arbeitszeiten (über 40 Stunden) und 64 Prozent geben an, dass sie sich ständig gehetzt und unter Zeitdruck fühlen.

Gefordert ist eine Arbeitszeitpolitik, die insgesamt jene Faktoren stärkt, die die Arbeitszeitzufriedenheit erhöhen und jene eingrenzt, die zur Unzufriedenheit mit der Arbeitszeit führen. Diese sind über alle Beschäftigtengruppen und Branchen im Organisationsbereich der IG Metall gleich. Wie dies konkret umgesetzt werden kann, wird in den nächsten Monaten in den Betrieben und den Tarifkommissionen intensiv debattiert werden.

Berliner Besonderheiten

In Berlin haben sich rund 15.000 Beschäftigte an der Beschäftigtenbefragung beteiligt und damit deutlich mehr als erwartet. Erfreulich ist auch, dass sich in Berlin mit 56 Prozent deutlich mehr Nicht-Mitglieder an der Befragung beteiligt haben als im Bund (38 Prozent). Und der Anteil der Akademiker und Akademikerinnen liegt mit 38 Prozent ebenfalls höher (Bund: 23 Prozent). Gerade was die Angleichung der tariflichen Arbeitszeit in Ostdeutschland angeht, sehen die Berlinerinnen und Berliner besonderen Handlungsbedarf. Diese Angleichung ist 50 Prozent der Beschäftigten in der Hauptstadt sehr wichtig, während es in Westdeutschland 18 Prozent und in Ostdeutschland 77 Prozent sind.


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