07.11.2024 | Am Donnerstag, 7. November 2024, hat die IG Metall Berlin Belegschaften aus zwölf Betrieben in Berlin zum Warnstreik aufgerufen. Morgens ging es los bei GE Energy Power Conversion und Hitachi Rail GTS. Es folgen vier Otis-Betriebe, MAN und GEA. Parallel waren die Beschäftigten von Bosch Digital und ETAS im Warnstreik. Ab 13.30 Uhr waren die Beschäftigten bei Carl Zeiss Meditec im Warnstreik und ab 14.00 Uhr die Kolleginnen und Kollegen von Procter & Gamble.
Die IG Metall hat seit 29. Oktober 54 Belegschaften zum Warnstreik in der Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2024 aufgerufen.
„Wir sind bereit für eine vernünftige Lösung, wenn die Arbeitgeber endlich ein vernünftiges Angebot auf den Tisch legen. Ansonsten können wir uns weiterbewegen und unser Recht auf Warnstreiks mit Leben erfüllen“, so Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. „Es macht keinen Sinn, die Krise größer zu reden als sie ist. Die IG Metall achtet sehr genau darauf, Unternehmen nicht unmäßig zu belasten. Und der massive Kostendruck liegt bei den hohen Preisen doch wohl eher bei den Beschäftigten, die nicht abfedern können oder von der Politik mit unseren Steuergeldern gestützt werden.“
Vor dem Werkstor bei GE Energy Power Conversion in Marienfelde sagte der Betriebsratsvorsitzende Nico Augner: „Dieser Warnstreik ist unser Mittel, den Arbeitgebern zu zeigen, dass wir mehr erwarten als dieses unzureichende Angebot. Es liegt jetzt an uns, unsere Zukunft zu gestalten und wir sind entschlossen und werden nicht aufgeben, bis ein fairer Tarifabschluss erreicht ist! Am Verhandlungstisch muss sich auf Arbeitgeberseite etwas bewegen!“
Patrick Nowara, GE Energy Power Conversion, betonte: „ Wir können nicht alles ändern. Aber wir können an Warnstreiks teilnehmen. Das ist ein Grundrecht. Wir wurden von der IG Metall aufgerufen und wir nehmen dieses Grundrecht wahr. Unsere Forderungen sind klar: 7 Prozent mehr, denn die Inflation spüren auch wir. Wir wollen eine Gewinnumverteilung haben auch in die Gesellschaft. Und für die Auszubildenden fordern wir 170 Euro!“
Petra Taubner, Betriebsratsvorsitzende bei Hitachi Rail, erklärt in ihrer Rede: “Das Angebot der Arbeitgeber ist unterirdisch. Es ist kein Angebot, es ist eine Frechheit. Mit perfiden Einschüchterungsversuchen, wie der Aufforderung zum Ausstempeln, versucht uns der Arbeitgeber vom Warnstreik abzuhalten. Zum Glück sind Warnstreiks unser gutes Recht und das wissen wir! Wir lassen uns nicht aufhalten und werden weiter Druck machen!”
In der Otisstraße treffen sich die Metallerinnen und Metaller von MAN, GEA und den vier Otis-Betrieben ab 10.30 Uhr. Dirk Wüstenberg, Betriebsratsvorsitzender Otis ES, sagte am Rande der Kundgebung: „Die Forderungen sind berechtigt, ein Ergebnis langer Diskussionen in den Tarifkommissionen. Den Betrieben geht es gut. Da wo es Probleme gibt, haben wir die IGM und die Betriebsräte vor Ort auch Antworten. Zu den 170 Euro: Wer die besten Azubis will, muss auch die besten Azubigehälter bezahlen. Aktuell ist die Metall-Elektroindustrie hier im Mittelfeld.“
Claudia König, Betriebsratsvorsitzende bei Otis HV, sagte auf der Kundgebung: „Wenn mich Leute fragen, warum wir im Warnstreik draußen stehen, antworte ich: Glaubt einer von Euch, dass die Arbeitgeber freiwillig mehr Geld für alle Beschäftigten zahlen wird? Wir haben 7 Prozent gefordert. Diese Zahl lässt sich gut begründen. Wir brauchen diese 7 Prozent, wegen hoher Mieten und gestiegener Preise.“
Auf der Kundgebung in der Otisstraße redete auch René Marx, Betriebsratsvorsitzender bei MAN: „Wir legen gerade wieder ein Superjahr bei MAN hin. Wir sind auf einem guten Weg. Wir fahren von Jahr zu Jahr bessere Ergebnisse ein. Der Vorstand hat noch mehr vor: ein Umsatz von 10 Milliarden ist angepeilt. Wir hätten also auch 10 Prozent mehr fordern können. Für die Auszubildenen 170 Euro finden wir wichtig. Fast zehn Prozent der Belegschaft sind bei uns Auszubildende. Die haben hohe Belastungen und brauchen daher mehr Geld.“
Uwe Große, Betriebsratsvorsitzender bei GEA, berichtete auf der Kundgebung in der Otisstraße, dass es am Standort gut läuft, beispielsweise mit der Wärmepumpentechnologie. Daher stehen die Kolleginnen und Kollegen auch zur Forderung.
Fabian Schürer, Betriebsrat bei Bosch Digital: "Wir sind heute im Warnstreik um unserer berechtigten Forderung nach 7% und 170 Euro für die Auszubildenden Nachdruck zu verleihen. Die Arbeitgeber müssen sich endlich bewegen und ein Angebot vorlegen, das auch ernsthaft diskutiert werden kann."
Die IG Metall fordert für die rund 100.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg sieben Prozent mehr Entgelt und eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 170 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will sie eine soziale Komponente für untere Einkommensgruppen erreichen und die Wahlmöglichkeiten Zeit statt Geld (T-ZUG-Tage) weiterentwickeln.
Berichterstattung:
Tagesspiegel, 7. November 2024