14.04.2025 | Am 11. April fand die dritte Tech Workers Conference in Berlin statt. IG Metall, ver.di und die Tech Workers Coalition Berlin trafen sich im Alwin-Brandes-Saal mit Betriebsrät*innen der Berliner Digitalwirtschaft, um die gewerkschaftliche Organisierung des Sektors voranzutreiben.
Am vergangenen Freitag verwandelte sich der Alwin-Brandes-Saal im IG Metall Gebäude in einen lebendigen Treffpunkt für rund 150 Techworker*innen, die zur dritten Berliner Tech Workers Conference zusammenkamen. Eingeladen hatte erneut die IG Metall Berlin, gemeinsam mit der Berliner Tech Workers Coalition (TWC) und ver.di, um Betriebsräte aus Tech-Betrieben in Berlin miteinander ins Gespräch zu bringen.
Die Veranstaltung knüpfte an die Erfolge der ersten beiden Konferenzen an – und setzte ein starkes Zeichen für Vernetzung, Solidarität und bessere Arbeitsbedingungen in der Digitalwirtschaft. Sabrina Lamers, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Berlin, eröffnete die Konferenz mit dem Aufruf, den Rückenwind der Veranstaltung zu nutzen und in die Betriebe zu tragen. Sie betonte, dass wir an einem historischen Punkt stehen und jetzt die Chance haben, die Arbeitsbedingungen der digitalen Arbeitswelt aktiv mitzugestalten. Es gelte, den nötigen Raum dafür selbstbewusst einzufordern.
Ein stark wachsender Sektor mit strukturellen Herausforderungen
Berlin präsentiert sich gerne als Zentrum der Digitalwirtschaft – ein schnell wachsender und international geprägter Sektor. Doch bei den Arbeitsbedingungen ist noch viel Luft nach oben. "Wir haben in fast keinem Bereich Tarifverträge", betonte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. "Die Aufbruchsstimmung, die vor ein paar Jahren da war, ist dem Staub gewichen – und wenn der sich legt, sieht man: Die Probleme zwischen Arbeitnehmer*innen und Arbeitgebern sind die gleichen wie in der klassischen Industrie."
Um diese Herausforderungen anzugehen, geht die IG Metall neue Wege – nicht nur mit klassischen Instrumenten, sondern auch durch innovative Veranstaltungsformate wie die Tech Workers Conference. Die Veranstaltung fand komplett auf Englisch statt, um der internationalen Zusammensetzung der Beschäftigten in der Berliner Tech-Branche gerecht zu werden.
Workshops, Austausch und Empowerment
Über den ganzen Tag wurden in parallel stattfindenden Workshops zentrale Themen der Betriebsratsarbeit diskutiert. Finn Seidenthal und Sören Lieske von der IG Metall Berlin diskutierten das Betriebsverfassungsgesetz als Instrument des Arbeitgebermissbrauchs. Im Workshop ging es darum, sich gemeinsam die historische Entstehungsweise des Betriebsverfassungsgesetzes zu erarbeiten.
"Unser Ziel war es zunächst, den Kolleg*innen verständlich zu machen, dass die Einführung des Betriebsverfassungsgesetzes schon damals primär dem Zweck diente, die Solidarisierung von Kolleg*innen abzuschwächen und die Schlagkraft der Gewerkschaften zu dezimieren", so Finn Seidenthal von der IG Metall Berlin.
Nach dem historischen Abriss folgte der Sprung in die Gegenwart und die Teilnehmer*innen konnten sich dazu austauschen, wo sie Limitationen, Irritationen und Unzufriedenheit aufgrund des engen juristischen Korsetts als Betriebsrät*innen erleben und wie sie es erfolgreich schaffen, sich nicht vom Arbeitgeber abhängig zu machen.
"Der Tenor am Ende des Workshops war eindeutig: nur da, wo wir zusätzlich zu Betriebsratsgremien starke Gewerkschaftsstrukturen – zum Beispiel mit gewerkschaftlichen Vertrauensleuten oder Betriebsgruppen – verankern, können wir wirklich etwas erreichen und uns nicht nur zum Ausführungsorgan dessen machen, was der Arbeitgeber ohnehin bereit ist, herzugeben. Die Kolleg*innen haben zudem verstanden, dass eine gewerkschaftliche Basis ihnen viel größere Freiräume als Betriebsräte schafft und es ihnen ermöglicht, sich auf die wichtigen Dinge zu fokussieren", fasst Sören Lieske, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin, zusammen.
Ein Raum für Solidarität
Was die Konferenz besonders auszeichnete, war der offene, solidarische Austausch. Teilnehmer*innen teilten ihre größten Erfolge und Frustrationen aus der täglichen Arbeit in den Betriebsräten. Dabei zeigte sich: Trotz aller Unterschiede in Herkunft, Alter oder Berufsfeld einte die Anwesenden ein Ziel – bessere Arbeitsbedingungen und starke Mitbestimmung in der Tech-Branche. Es wurde klar, dass die Beschäftigten in der Berliner Digitalwirtschaft starke Interessenvertretungen wollen – und brauchen. Und die Konferenz machte deutlich: Die Bewegung wächst.
Save The Date!
Am 22. Mai veranstaltet die IG Metall Berlin ein Panel zum Thema: Back to Office: Trends, Laws, and Corporate Culture. Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Beschäftigte der Digitalwirtschaft und wird auf Englisch abgehalten. Weitere Details zur Anmeldung findest du hier.
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