Einen Monat kostenlos mehr arbeiten- geht gar nicht!

35 reicht - Aktionswoche in Metallbetrieben

  • 22.10.2018
  • md
  • Aktuelles

Die Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit steht diese Woche im Mittelpunkt von Aktionstagen in vielen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie in Berlin, Brandenburg und Sachsen. 28 Jahre nach der Wiedervereinigung arbeiten die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Osten pro Jahr immer noch rund einen Monat länger als im Westen.

Aktion für die Angleichung der Arbeitszeit bei Mahle Wustermark in Brandenburg am 22. Oktober 2018. Foto: IG Metall

Am 15. Oktober haben Beschäftigte bei Siemens Mobility in Berlin-Treptow in einer 36-minütigen Sondersprechstunde für die Tarifangleichung demonstriert. Foto: IG Metall

"Angesichts einer deutlich veränderten Arbeitsmarktsituation müssen Unternehmen in Ostdeutschland attraktive Arbeitsbedingungen anbieten, um Nachwuchs- und Fachkräfte zu binden", sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Produktivität im Zeitalter der Industrie 4.0 entwickele sich nicht durch überlange Arbeitszeiten, "sondern durch intelligente Arbeitszeitmodelle, die familien- und gesundheitsgerecht sind", so Höbel.

Die IG Metall und die Arbeitgeberverbände für Berlin-Brandenburg (vme) und für Sachsen (VSME) haben in der Tarifrunde 2018 eine Gesprächsverpflichtung zur Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland vereinbart. Nach ersten Sondierungen nahmen beide Seite  ab Ende August Gespräche auf und vereinbarten einen Gesprächsfahrplan. „Bis Ende 2018 wollen wir belastbare Eckpunkte haben, auf deren Grundlage Anfang 2019 Tarifverhandlungen aufgenommen werden sollen“, sagte Olivier Höbel „Der Flächentarifvertrag ist die richtige Ebene, um durch konstruktive Verhandlungen einen wichtigen Baustein der sozialen Einheit zu setzen. Die Beschäftigten verfolgen aufmerksam, ob auf diesem Wege Ergebnisse zu erreichen sind.“
 
Thema der ersten Gespräche war die Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die IG Metall hat deutlich gemacht, dass die Angleichung der Arbeitszeit Ost auf der Tagesordnung steht. Die absehbaren Veränderungen der Arbeitswelt erfordern neue, innovative Wege. Produktivität und bessere, kürzere Arbeitszeiten sind aus Sicht der IG Metall kein Gegensatz. Mit einem differenzierten und flexiblen Einführungsmodell der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland hat die IG Metall einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Betriebe Rücksicht nimmt.
 
„In den Belegschaften hat in den vergangenen Jahren ein intensiver Diskussionsprozess über gute Arbeit und gutes Leben stattgefunden“, so Höbel. Die Perspektive einer Angleichung der Arbeitsbedingungen durch eine Arbeitszeitverkürzung im Osten habe dabei eine herausragende Rolle gespielt.


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