Weil Management Billiglöhne einführen will:

Automobilentwickler IAV kurz vor Warnstreik

  • 22.05.2018
  • ab
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Die Tarifverhandlungen zwischen der IG Metall und dem IAV-Management liegen auf Eis: Die Leitungsebene will Neueinsteiger schlechter stellen und mit der von ihr benannten „Tariftabelle Zukunft“ in Wahrheit eine „Tariftabelle Abstieg“ einführen.

Kundgebung in Gifhorn vergangene Woche: Billig-Lohn für Spitzen-Know-how in der Autoindustrie? Die spinnen wohl...

Rund 900 IAV-Beschäftigte hatten am Freitagmorgen vor Ort in Gifhorn eindrucksvoll die Forderungen nach 4,3 Prozent Entgelterhöhung und einer Abwehr der Spaltung der IAV- Belegschaft mit einer kräftigen Demonstration unterstützt. Beschäftigte der Volkswagen-Vertrauensleute und weiterer Unternehmen erklärten ihre Solidarität. Gleichzeitig waren an allen Standorten hunderte weitere IAV-Beschäftigte per Videostream live am Fernseher dabei. Aber das Management enttäuschte die Hoffnungen ihrer Beschäftigten und beharrte weiter auf der Einführung einer Billiglohngruppe für neue IAV-Beschäftigte. 

Zu Beginn hatte die Verhandlungskommission der IG Metall die Brücke der Verantwortung erläutert: sofortige Entgelterhöhung und Beginn der Verhandlungen über eine verantwortliche Weiterentwicklung der Entgeltsystematik ab dem 22. Mai 2018. Daraufhin zog sich die Verhandlungskommission der Arbeitgeber zur Beratung zurück. Um 13.15 Uhr gingen die Verhandlungen weiter. Die Arbeitgeber verdeutlichten, dass sie sich einen sofortigen Abschluss orientiert am Rahmen des Abschlusses der Metall- und Elektroindustrie vorstellen können. Allerdings nur, wenn gleichzeitig die Tariftabelle Abstieg, die sie selber Tariftabelle Zukunft nennen und die eine Schlechterstellung von IAV-Neueinsteigern beinhaltet, konkret verhandelt und abgeschlossen wird.

Daraufhin hat die IG Metall-Tarifkommission den Raum kommentarlos verlassen: Die verantwortliche gemeinsame Weiterentwicklung der IAV-Entgeltsystematik braucht Zeit und darf nicht übers Knie gebrochen werden. Außerdem sieht die IG Metall die IAV-Gruppe in einer wirtschaftlich komfortablen Situation und daher keinen Grund, Investitionen in die Zukunft auf Kosten der Beschäftigten zu tätigen. Aus Sicht der IG Metall ist ein Blick aufs ganze Unternehmen erforderlich, bei dem auch lähmende Prozesse unter die Lupe genommen werden.

Die IG Metall-Tarifkommission hat daher nach intensiver Beratung beschlossen, für die Zeit nach Pfingsten Warnstreiks bei IAV vorzubereiten. „Die Belegschaft hat nun lange genug gewartet und verliert Monat für Monat Geld, seit Dezember schon“, sagt Andreas Buchwald, bei der IG Metall Berlin zuständig für IAV. „Daher müssen wir jetzt mit allen Beschäftigten, gerade auch hier vor Ort in Berlin, zusammenrücken und gemeinsam kraftvoll zeigen, dass die Geschäftsführung von IAV nicht machen kann was sie will. Bei einem Teamergebnis geht es immer um Fairplay!“

Für eine Weiterentwicklung des Tarifvertrages für eine agile und innovative IAV 2025+ steht die IG Metall jederzeit bereit: Entgelterhöhung sofort, Verhandlungen über die künftigen tariflichen Rahmenbedingungen der IAV im direkten Anschluss.

 


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