IAA in Berlin

Berlin hat beste Argumente

  • 26.01.2020
  • Michael Netzhammer
  • Aktuelles

Der Besucherschwund auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2019 war ein deutliches Zeichen, dass die Automesse sich wandeln muss. Nun soll sie Mobilitätsplattform werden und zahlreiche Städte wollen sie künftig ausrichten – auch Berlin. Für die Stadt sprechen für Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, beste Argumente.

Foto: Christian von Polentz / transitfoto.de

Statt 810.000 Besucherinnen und Besucher 2017 zählte die IAA 2019 nur 560.000 Interessierte. Der Verband der Automobilindustrie hat daraus Konsequenzen gezogen. Statt reiner Autoschau soll die IAA Mobilitätsplattform werden. Das macht Sinn, denn die Mobilität der Zukunft muss innovativer sein, drastisch weniger CO2 verursachen, das ständige Verkehrschaos minimieren und nicht nur Städte von Feinstaub, Staus und Enge befreien. Kluge Mobilität basiert auf einem Konzept, in dem Individual- und Güterverkehr, genauso neue Sharing-Konzepte, öffentlicher Nah- und Fernverkehr, Fußgängerinnen und Fahrradfahrer zusammen gedacht werden.

Nun hat der Verband der Automobilindustrie die IAA neu ausgeschrieben und neben dem ehemaligen Ausrichter Frankfurt haben noch sechs weitere Städte ihren Hut in den Ring geworfen – zum Beispiel Berlin. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hat sich kräftig ins Zeug gelegt und für die Stadt gepitcht. Die grüne Wirtschaftssenatorin musste ihm das Feld überlassen, weil der grüne Landesparteitag mit knapper Mehrheit beschlossen hatte, keine IAA in Berlin zu wollen.

Was für Berlin spricht
Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall, befürwortet hingegen eine IAA in neuem Gewande. „Messen sind der Ort, an denen Forscherinnen und Gründer, Unternehmen und Organisationen neue Ideen präsentieren, sich einen Wettstreit liefern, sich aber auch austauschen können“, sagt sie. Deshalb ist eine Mobilitätsmesse vital für Deutschland. Beispiel Leichtbau: SUVs sind in die Kritik geraten, gleichzeitig entscheiden sich noch nie so viele Käuferinnen und Käufer für solche Modelle. „Leichtere Modelle können hier eine Lösung sein, weil sie weniger Treibstoff oder Strom benötigen“, sagt sie.

Die Digitalisierung kann und muss helfen, alle Verkehrsträger klug zu vernetzen, aber auch Verkehre zu reduzieren. Hierfür müssen Auto- und Mobilitätskonzerne, Zulieferer, genauso Hochschulen und Politik zusammenarbeiten. In Berlin ist ihre Dichte besonders groß. Viele Leistungsträger sind in der Hauptstadt zuhause. Zum Beispiel BMW, Daimler und bald Tesla. Genauso Anbieter für öffentlichen Nahverkehr wie Bombardier, Siemens oder Stadler. Für Berlin spricht zudem die hohe Anzahl von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, genauso die Start-up- und Gründerinnen- und Gründerszene. Nicht zuletzt ist es so, dass zahlreiche Autokonzerne ihre Labs in Berlin gegründet haben.

„Die Menschen wollen auch in Zukunft mobil sein, wobei es darauf ankommt, Umwelt und Klima zu schonen“, sagt die Erste Bevollmächtigte. „Deshalb brauchen wir Investitionen in eine kluge Mobilität und wir wollen zukunftssichere Arbeitsplätze auf der Basis innovativer Ideen“. Berlin sieht sie als Schmelztiegel für ein Miteinander aller Stakeholder, die IAA als Plattform für eine neue Mobilität.