Autokorso zu seinem Immobilien-Firmensitz in Potsdam:

Berliner Francotyp-Beschäftigte warnstreiken bei Rolf Elgeti in Potsdam

  • 05.05.2021
  • Jörn Breiholz
  • Aktuelles, Bildergalerie, Betriebsräte/Vertrauensleute

Heute setzten sich die Berliner Beschäftigten in 35 Autos, um vor dem Firmensitz von Rolf Elgetis Obotritia Capital KGAA und der Deutsche Industrie REIT AG in Potsdam klarzumachen, dass ihre Arbeitsplätze kein weiterer Spielball des Immobilienspekulanten sind.

Auf nach Potsdam und für die eigenen Industriearbeitsplätze bei Francotyp kämpfen

Im edlen Potsdam ist man rote Fahnen nicht so gewohnt. Heute gab es ein paar davon, mit IG Metall-Logo: 35 Autos mit 80 KollegInnen von Francotyp Postalia und FP Inovolabs hatten sich von Berlin aus aufgemacht, um vor dem Sitz mehrerer Firmen von Rolf Elgeti einzufordern, was hier in Potsdam auch nicht immer angesagt ist: Rücksicht zu nehmen.

„Gerade in Zeiten der Pandemie werden wir immer wieder aufgefordert, uns solidarisch zu verhalten, Rücksicht zu nehmen und die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die eigenen zu stellen. Genau dazu fordern wir Sie auch auf, Herr Elgeti“, sagte Annett Schwedt, Betriebsratsvorsitzende bei FP Inovolabs. „Nehmen sie uns und FP nicht die Zukunft durch kurzfristige nur für sie gewinnbringende Entscheidungen. Ändern sie ihren Weg und lassen sie uns gemeinsam mit dem Ertrag des traditionellen Geschäftes die neuen Geschäftsfelder aufbauen, damit sie am Ende nicht nur verbrannte Erde hinterlassen.“

Rolf Elgeti, schillernder und derzeit ins Schlingern geratener Immobilienspekulant, agiert mit den Beschäftigten von Francotyp-Postalia und FP Inovolabs ähnlich sprunghaft wie mit seinen Immobilien: Kaufen, zerschlagen, abstoßen, entlassen. Industriearbeitsplätze sind aber kein Immobiliengrund in B-Lage. Dahinter stehen Menschen und Familien, die gesetzlich geschützte Rechte haben und auf ihr Einkommen angewiesen sind – im Gegensatz zu den hochbezahlten Fußballern bei Hansa Rostock, für die Rolf Elgeti schon häufiger ein paar Millionen Euro übrig hatte.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass der Ast, nein, der ganze Baum abgesägt wird, auf dem wir alle sitzen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende von Francotyp-Postalia, Claus-Peter Schuster. „Dies wäre auch für die Investoren schlecht, die an einer langfristig guten Entwicklung von FP interessiert sind. Und damit sind wir bei der entscheidenden Frage: Ist der Hauptinvestor, Herr Elgeti, überhaupt an einer langfristig guten Entwicklung von FP interessiert?“

Nach dem Einstieg des Immobilienspekulanten Rolf Elgeti bei Francotyp-Postalia und FP Inovolabs und diverser Fehlentscheidungen des Managements soll nun die Belegschaft bluten: Die Firmenspitze fordert, dass die Beschäftigten ihre arbeitsrechtlich geschützten Arbeitsplätze aufgeben und sich auf Stellen in anderen FP-Firmen bewerben (!) sollen. Die übrigen Mitarbeiter*innen will das Management vor die Tür setzen – abstoßen eben.

„Wir adressieren sehr klar unsere Forderung an den Großaktionär Rolf Elgeti: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr“, sagte Thomas Weber, der zuständige Gewerkschaftssekretär IG Metall Berlin. „Dass Eigentum verpflichtet, ist keine Phrase, sondern in diesen herausfordernden Zeiten essentiell für das Vertrauen untereinander. Spekulationen zulasten der Beschäftigten und am Ende sogar Existenzen aufs Spiel setzen, gehört sich nicht. Wir wollen Francotyp-Postalia zukunftsfähig machen – zum Wohle von Unternehmen und Beschäftigten.“