Digitalwirtschaft

Beschäftigte laufen heiß: Erster Warnstreik bei Rolls-Royce Solutions in Berlin

03.07.2025 | Premiere in Berlin-Oberschöneweide: Erstmals hat die IG Metall Berlin die Beschäftigten von Rolls-Royce Solutions zum Warnstreik aufgerufen. Hintergrund sind die stockenden Verhandlungen um die Einführung eines Tarifvertrags. Bei 36 Grad Außentemperatur stieg nicht nur das Thermometer, sondern auch der Druck auf die Arbeitgeberseite.

Am Mittwochvormittag haben die Beschäftigten von Rolls-Royce Solutions zum ersten Mal am Standort Berlin die Arbeit niedergelegt - Fotos: IGM

Bei hochsommerlichen 36 Grad wurde es am Mittwochvormittag nicht nur am Grill heiß: Zum ersten Mal in der Geschichte des Berliner Standorts legten die Beschäftigten von Rolls-Royce Solutions die Arbeit nieder. Hintergrund sind die stockenden Verhandlungen über die Einführung eines Tarifvertrags. Vor dem Bürogebäude in Berlin-Oberschöneweide versammelten sich die Kolleginnen und Kollegen, um vor der vierten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Die Botschaft war eindeutig: Schluss mit der Hinhaltetaktik – wir wollen ernsthafte Verhandlungen!

Berliner Standort im Abseits

Rund 100 hochqualifizierte Ingenieur*innen und Entwickler*innen arbeiten bei Rolls-Royce Solutions Berlin an innovativen Systemen für erneuerbare Energie. Doch anders als an anderen Standorten, etwa in Friedrichshafen, gibt es bislang keine Tarifbindung, sondern eine 40-Stunden-Woche, weniger Geld als branchenüblich und keine tarifvertraglichen Standards wie etwa die Umwandlungsmöglichkeit von Entgelt in freie Tage. Seit 2024 organisieren sich die Berliner Beschäftigten in der IG Metall und haben ihre Tarifbewegung gestartet.

Stillstand trotz Verhandlungen

Trotz drei Verhandlungsrunden zeigt sich die Arbeitgeberseite weiterhin unbeweglich. Besonders beim betrieblichen Entgeltsystem und bei den tariflichen Freistellungstagen zeigt sie sich wenig kompromissbereit. Dabei sind die Forderungen der Belegschaft klar: Neben einem transparenten und tariflich geregelten Entgeltsystem über den IT-Rahmentarifvertrag fordern die Beschäftigten außerdem:

  • die Einführung des Tariflichen Zusatzgeldes mit der Möglichkeit, die Sonderzahlung in bis zu 8 freie Tage umzuwandeln,
  • verbesserte Bedingungen für die Beantragung von Mobiler Arbeit,
  • Möglichkeiten der Mobilen Arbeit aus dem Ausland,
  • eine Standort- und Beschäftigungsgarantie bis Dezember 2029.

Botschaft der Beschäftigten deutlich

Mit Transparenten, Slogans und klaren Worten machten die Kolleginnen und Kollegen deutlich: Wir meinen es ernst. Für viele war es der erste Streik überhaupt – und gleichzeitig ein starkes gemeinsames Signal an die Geschäftsführung.

"Die Beteiligung am ersten Warnstreik hier bei Rolls-Royce Solutions war beeindruckend", sagt Jan Brauburger, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin. "Die Hinhaltetaktik der Verhandlungskommission des Arbeitgebers macht die Kolleginnen und Kollegen zurecht wütend. Warum sollen tarifvertragliche Standards, die an den anderen Rolls-Royce-Standorten in Deutschland gelten, nicht auch in Berlin Anwendung finden? Das ist den Kolleginnen und Kollegen schlicht nicht mehr vermittelbar."

Für Abkühlung sorgten derweil Eis und Getränke, für Solidarität die Nachbarschaft: Victoria Fischer, Betriebsratsvorsitzende beim Berliner Softwareunternehmen MBition, war vor Ort und überbrachte solidarische Grüße an die Belegschaft.

"Wir brauchen eine echte Lösung, und wir brauchen sie jetzt!"

"Die Arbeitgeberseite hat in den ersten drei Verhandlungsrunden kaum Kompromissbereitschaft gezeigt. Aber das Festkleben an einem intransparenten und kaum ausdifferenzierten Entgeltsystem wird den berechtigten Forderungen der IG Metall-Mitglieder bei Rolls-Royce Solutions nicht gerecht. Mit dem Warnstreik haben die Beschäftigten einmal mehr unterstrichen: wir brauchen eine echte Lösung, und wir brauchen sie jetzt!", so Thomas Weber, IG Metall-Verhandlungsführer für Rolls-Royce Solutions Berlin.

Die IG Metall Berlin fordert die Unternehmensführung auf, in der vierten Verhandlungsrunde endlich lösungsorientiert zu verhandeln. Der Ball liegt beim Arbeitgeber – die Beschäftigten haben deutlich gemacht, dass sie sich nicht länger hinhalten lassen.

Von: Annika Schwarze

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