02.05.2025 | Die Führung in zwei Gruppen durch das Schloss Schönhausen zeigte die Nutzung während der Monarchie und zu Zeiten der Republik. Ein Schnelldurchlauf durch 270 Jahre deutscher Geschichte.
Das Schloss Schönhausen war der Sommersitz der Königin Elisabeth Christine. Ihr Gatte, Friedrich II. (Friedrich der Große, später der „Alte Fritz“), mochte in Sanssouci keine Frauen um sich haben.
Wir besichtigten die königlichen Gemächer. An einer Wand befand sich noch eine prachtvolle Rosen-Tapete. Auf zwei nahezu lebensgroßen Gemälden konnte man die Königin betrachten, einmal als junge Frau und einmal in unserem Alter, eine sehr stattliche Person. Außerdem zeugen mehrere Bilder und Büsten Friedrichs II., dass die Königin ihrerseits dem König wohl gewogen war.
Als Königin von Preussen nahm sie auch viele königliche Pflichten zur Repräsentation wahr.
Auch die anderen königlichen Räumlichkeiten in Schönhausen, die in den 60er Jahren sehr sorgfältig renoviert worden waren, sahen wir uns an. Elisabeth Christine überlebte ihren Mann mehr als 10 Jahre, auch als Witwe nutzte sie Schönhausen aber weiterhin als Sommerschloss.
Nach der Novemberrevolution wurde es von der Revolutionsregierung beschlagnahmt und wurde später preussischer Staatsbesitz. In den 30er Jahren wurde es restauriert und diente teilweise als Ausstellungsgebäude.
Nach dem Krieg zunächst von der sowjetischen Militärverwaltung beschlagnahmt, wurde das Schloss mit Gründung der DDR von der Sowjetunion an die DDR übergeben und diente als Amtssitz des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, der dort auch Staatsmänner und -frauen aus befreundeten Ländern empfing.
Wir besichtigten auch das eher nüchtern und schlicht eingerichtete Arbeitszimmer Piecks. Nach dessen Tod tagte der Staatsrat der DDR im Festsaal des Schlosses Schönhausen, der sich 1960 dort auch konstituiert hatte. Ab 1964 wurde das Schloss Gästehaus der DDR-Regierung, die es offiziell als Schloss Niederschönhausen bezeichnete. Gäste aus Ost und West wurden hier beherbergt, zuletzt noch Michail Gorbatschow und seine Frau Raissa. 1991 nutzte auch die Bundesrepublik das Gebäude einmal als Gästehaus, während des Staatsbesuchs der Königin Beatix der Niederlande, auf deren ausdrücklichen Wunsch. 2005 übergab das Land Berlin das Schloss Schönhausen an die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die es erneut durchgreifend renovierte, sodass es nunmehr als Museum und Veranstaltungsort genutzt werden kann.
Das war ein sehr interessanter Vormittag mit einem Schnelldurchmarsch durch die preussische und die neuere deutsche Geschichte.