IG Metall-Jugend macht Druck:

Coole Knall-Aktion gegen Berliner Ausbildungsplatzkrise vorm Haus der Wirtschaft

  • 18.06.2020
  • Jörn Breiholz
  • Aktuelles, Bildergalerie, Jugend, Betriebsräte/Vertrauensleute

Die RBB-Abendschau war dabei und das Inforadio hat auch schon berichtet: Die Jugendvertreter*innen der IG Metall Berlin machen derzeit mobil gegen die Berliner Ausbildungskrise. Gestern zeigten sie vor dem Haus der Wirtschaft öffentlichkeitswirksam, was passiert, wenn die Ausbildungsplatzzahlen noch weiter sinken: Die Zukunft zerplatzt für die, die keinen Ausbildungsplatz finden.

Fotograf: Christian v. Polentz / transitfoto.de

Mittwochnachmittag vor dem Haus der Wirtschaft am Schillertheater 2: Ein Dutzend Menschen huscht kurz nach 16:00 Uhr vor das Haus, hinter dessen Türen sich die Berliner Wirtschaftsunternehmen organisieren. Sie sind es, denen die IG Metall Jugend Berlin derzeit ein wenig gutes Zeugnis in Sachen Zukunftsverantwortung ausstellen. „Unsere Aktion hier soll darauf aufmerksam machen, dass in der Corona-Krise auch Ausbildungs- und Studienplätze leiden“, sagt Fynn Conrad, Jugendausbildungsvertreter bei Biotronic. „Und dass einige Arbeitgeber die Krise nutzen, um noch weniger junge Menschen auszubilden und so Kosten zu sparen. Das ist ein leider sehr kurzfristiges Denken auf Kolsten junger Menschen.“

Dann stellen sich die Aktivist*innen blitzschnell auf, entrollen ihr Transparent und stellen die mit Luftballongas gefüllten Riesenballons auf, auf die sie ihre Wünsche für ein gutes Leben aufgeschrieben haben: Ausbildung, Verantwortung, Perspektive, Innovation und Zukunft. Fynn Conrad hat sich als Pac-Man verkleidet, als das Männchen, das in den Achtzigern als eine der ersten weltweit bekannten Figuren der Videospielszene alles fraß, was sich ihm in den Weg stellte. Pac-Man nimmt eine lange Stange und bringt mit ihr die Luftballons und damit die Wünsche junger Menschen nach Zukunft lautstark zum Platzen.

Schlusslicht Berlin: 15,7 Prozent weniger Ausbildungplätze als 2019

Berlin ist schon lange Schlusslicht in der Ausbildung von Berufsanfänger*innen. 2019 bildeten überhaupt nur 11,3 Prozent der Berliner Betriebe aus. Im Bundesdurchschnitt lag die Ausbildungsbetriebsquote mit 19,7 Prozent fast doppelt so hoch. 2020 nimmt die Ausbildungsquote noch einmal erschreckend ab: Aktuell haben Berlins Unternehmen 12.702 Ausbildungsplätze gemeldet, das sind noch einmal 15,7 Prozent weniger als 2019.

Im Bereich Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung, zu dem die meisten Betriebe der IG Metall zählen, ist der Rückgang mit 23 Prozent noch kräftiger: Die Betriebe dort bieten noch mal fast ein Viertel weniger Ausbildungsplätze an als 2019. „Berlin riskiert mit diesem schlechten Ausbildungsangebot  die Zukunftsfähigkeit seiner Industrie“, sagt Birgit Dietze, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.

Berliner Betriebe mit finanziellen Ressourcen und Fach-Know-how unterstützen

Die Transformation weiter Bereiche der Wirtschaft plus die Corona-Krise beschleunigten die Personalabbau-Programme in den Unternehmen, so Birgit Dietze weiter. Dabei müsse es jetzt weiterhin darum gehen, auf die bewährte Tandem-Lösung zu setzen: „Die älteren Kolleginnen und Kollegen geben ihr Erfahrungswissen an die jüngeren Kollegen weiter und die wiederum nehmen die Älteren in Sachen Digitalisierung und Transformation mit auf den Weg.“

Um jetzt schnell ein zügiges Handeln von Senat und Unternehmen auf den Weg zu bringen, hält die IG Metall Berlin es für dringend  erforderlich, Berliner Betriebe mit finanziellen Ressourcen und Fach-Know-how in Sachen Ausbildung zu unterstützen. „Wichtig ist jetzt, die Verbundausbildung zu stärken. Dazu gehört auch, in die Qualität der Lehrenden zu investieren, zum Beispiel an den Berliner Berufsschulen“, ergänzt Simon Sternheimer, der für Jugend und Ausbildung zuständige Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin. „Außerdem brauchen wir wieder mehr Betriebe, die Schülerpraktika anbieten, sowie ein besseres Matching zwischen Ausbildenden und Unternehmen, damit die Auszubildenden auch die passende Ausbildung finden. Wir brauchen also mehr Beratung für Unternehmen und eine höherer Qualität der Ausbildungsangebote.“

Auch Fabienne Gehrke von der Firma  Hach hat klare Forderungen an Senat und Wirtschaft: „Es ist wichtig, dass die Schulabgängerinnen und Schulabgänger die Chance haben, sich auf Ausbildungsplätze zu bewerben, die sie fürs Arbeitsleben qualifizieren und die zu ihren Berufsvorstellungen passen. Wir fordern von der Politik und von der Wirtschaft, dass sie die Ausbildungsplätze in der Krise nicht vergessen.“  

Video, Hörfunk, Fernsehen berichten

Die RBB-Abendschau hat hier berichtet, das Aktionsvideo der IG Metall Berlin seht Ihr hier, den Bericht vom RBB-Inforadio hört Ihr hier und den vom Neuen Deutschland hier.