IG Metall fordert Handwerksreform

Das Handwerk fit machen für die Zukunft

  • 09.08.2019
  • igm+mn
  • Aktuelles, Gruppen, Handwerk

Dringend gesuchte Handwerker, Aufträge ohne Ende: Eigentlich geht es der Handwerksbranche blendend. Doch die Beschäftigten bekommen vom Boom zu wenig ab. Das Handwerk ist vielen jungen Menschen nicht attraktiv genug. Um das zu ändern, hat die IG Metall einen Forderungskatalog erstellt. Auch der DGB hat eine klare Meinung: Niedriglöhne für Facharbeit sind respektlos.

"Die IG Metall fordert eine breite Reformdiskussion für das Handwerk. Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, mehr Mitbestimmung sowie die Herstellung eines Ordnungsrahmens mit fairen Wettbewerbsbedingungen", sagt Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Das Handwerk braucht einen neuen Ordnungsrahmen, denn es gibt eine Reihe von Problemlagen. Nur noch ein Drittel der Beschäftigten werden nach Tarif entlohnt. Die Lohndifferenz zu anderen Branchen beträgt mittlerweile 20 Prozent. Zwei Drittel der jungen Gesellen wandern in andere Branchen ab.


Zwölf Forderungen an Arbeitgeber und Politik

In unserem Diskussionspapier mit dem Titel „Ein neuer Ordnungsrahmen für das Handwerk“ (PDF) geht es deshalb um eine ganze Reihe von Punkten, um das Handwerk zu stärken. Unter anderem geht es darum, die Meisterpflicht auf Gewerke, die im Zuge der Handwerksnovelle 2004 weggefallen ist, wieder auszuweiten. Mit unserem Papier richten wir zwölf Forderungen an Arbeitgeber und Politik. Darin fordern wir unter anderem, den Branchendialog Handwerk wieder aufleben zu lassen und dafür zu sorgen, die Tarifbindung im Handwerk zu stärken und damit Fachkräfte zu binden.

Die Diskussion um die Neuordnung des Handwerks hat in diesem Jahr Fahrt aufgenommen. Im Juni fand eine Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages statt, wo wir unsere Forderungen präsentierten. „Das Handwerk hat tolle Berufe, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, sagt Ralf Kutzner. Deshalb setzen wir uns unter anderem für die Meisterpflicht in bestimmten Gewerken ein, in denen sie entfallen ist. Die Gründe für die Rückkehr zur Meisterpflicht sind vielfältig. Meisterbetriebe sind ein wesentlicher Pfeiler der beruflichen Bildung im Handwerk. Dort, wo Meister ihr Wissen an Auszubildende weitergeben, wird fundierte und gute Arbeit geleistet.

Qualifizierung ist das Gebot der Stunde

Bei der Neuordnung im Handwerk geht es jedoch um mehr. Man muss in mehreren Feldern gegensteuern, nicht nur gegen die geringe Tarifbindung und die hohe Abwanderungsrate von Fachkräften aus dem Handwerk. Auch die Arbeitsbedingungen der Handwerksbeschäftigten müssen verbessert werden. Es geht darum, die vielen prekären Solo-Selbstständigkeiten zu regeln und das duale System zu stärken.

Technologietransfer, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Ressourceneffizienz sind auch im Handwerk die Herausforderungen der Zukunft. Dafür müssen die Beschäftigten fit gemacht werden. Weiterqualifizierung ist das Gebot der Stunde. „Wir drehen da ein großes Rad, und der Stand der Diskussion zeigt uns, dass wir mit unseren Forderungen den Nerv treffen“, sagt Kutzner.


DGB: Tarifverträge sind der Schlüssel zur Fachkräftesicherung im Handwerk und Niedriglöhne für Facharbeit  respektlos

„Das Handwerk mit seinen etwa 160.000 Beschäftigten ist ein entscheidender Faktor für die Brandenburger Wirtschaft“, erklärt Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg. „Dabei ist klar: Die Zukunft des Handwerks hängt von seinen Fachkräften ab, und der Schlüssel zur Fachkräftesicherung sind Tarifverträge. Der Dreisatz heißt gute Einkommen – Tarifbindung – Tariftreue“. Tarifverträge regeln eine anständige Bezahlung, sichere Arbeitsplätze, die Vereinbarkeit von Job und Familie, altersgerechte Arbeitsbedingungen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement und hohe Standards beim Arbeitsschutz.


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