Vierter Warnstreik bei Atos in Adlershof

„Das kann Atos regelmäßig haben!“

  • 11.07.2016
  • sst
  • Aktuelles, Tarif 2016, Bildergalerie

150 Beschäftigte des IT-Dienstleisters Atos zogen am heutigen Montag erneut mit Pauken und Sprechchören vom Firmengelände aus durch Adlershof. Mit dem vierten Warnstreik erhöhen sie den Druck auf das Unternehmen. Am Dienstag beginnt die vierte und vorerst letzte Verhandlungsrunde um die ausstehenden Entgelterhöhungen. Bundesweit haben deshalb Kolleginnen und Kollegen an allen Standorten ihre Arbeit bis Dienstag, 8.00 Uhr niedergelegt.

„Was können wir inzwischen immer besser? - Streik!“.

150 Beschäftigte des IT-Dienstleisters Atos zogen am Montag mit Pauken und Sprechchören durch Adlershof.

(c) Christian von Polentz/transitfoto.de

Atos schuldet den Beschäftigten die verschobene Tariferhöhung von 2015 um 3,4 Prozent sowie die dieses Jahr für die Metall- und Elektroindustrie vereinbarte Erhöhung um 2,8 Prozent plus die Einmalzahlung von 150 Euro. Die laut Tarifvertrag bei Atos fällige Entgelterhöhung aus der Metall- und Elektroindustrie von 2015 wurde auf Bitte des Unternehmens wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf Mai diesen Jahres verschoben. Nun hat das Unternehmen beim letzten Verhandlungstermin angeboten, nach dem anfänglichen Angebot von 0,5 Prozent immerhin 3,4 Prozent zu zahlen, dafür aber Einschnitte bei der Anbindung an die Metall- und Elektroindustrie gefordert.

Das wollen die Kollegen nicht hinnehmen. „Wenn sich Atos nicht mehr an den Tarifvertrag halten will, können wir solche Streiks künftig jedes Jahr machen. Wir kommen langsam in Übung,“ sagte Vertrauensmann Uwe Große von der Atos IT Solutions and Services GmbH“ (AIS). Es ist der vierte bundesweite Warnstreik der Beschäftigten seit Beginn dieser Auseinandersetzung, ihre dritte Demonstration durch Adlershof, und der zweite ganztägige Ausstand. Und so riefen die Demonstrierenden als Mahnung an die Unternehmensleistung: „Was können wir inzwischen immer besser? - Streik!“.

Auch die Beschäftigten der umliegenden Betriebe nahmen die Demonstration durch den Technologiepark Adlershof wahr: „Die Resonanz der Umstehenden auf unsere Flugblätter war sehr positiv“, freute sich die stellvertretende Vertrauenskörperleiterin der Atos-AIT, Simone Hartwig. „Die Leute verstehen, dass es nicht nur ein Kampf für unsere eigenen Entgelte ist, sondern dass es auch darum geht, eine gesellschaftliche Spirale nach unten abzuwehren.“

In der Tat sind vom Verhandlungsergebnis nicht nur die Beschäftigten der direkt an den Verhandlungen beteiligten Unternehmen Atos und Unify betroffen. Auch Wincor-Nixdorf ist im selben Rahmentarifvertrag IT-Dienstleistungen gebunden wie Atos. Deren Beschäftigte verfolgen die Verhandlungen bei Atos und fürchten auch bei Ihnen Einschnitte, sollte die Anbindung an die Metall- und Elektroindustrie bei Atos nicht verteidigt werden können.

„Wir wollen und können als IG Metall nicht zulassen, dass jedes Unternehmen versucht, seine Personalkosten zu drücken und deswegen Abweichungen vom Tarifvertrag verlangt“, sagte Susanne Steinborn, zuständige Gewerkschaftssekretärin für den IT-Bereich bei der IG Metall Berlin. „Denn diese niedrigeren Entgelte werden dann wieder in anderen Unternehmen als Argument gelten, warum die Beschäftigten dort nun ebenfalls Einschnitte hinnehmen sollen.“

Atos steht wirtschaftlich inzwischen wieder gut da, aber die Geschäftsführung will nicht, dass die Personalkosten steigen. „Schon mit dem Versuch der Schließung des Betriebs Frankfurt 1 kurz nach Abschluss des Zuordnungstarifvertrags wollte Atos ein Zeichen setzen. Das ist aber Dank des Widerstands von Belegschaft und IG Metall gescheitert“, betont die Betriebsratsvorsitzende der Atos AIT Berlin 1, Viola Stanienda. „Die Unternehmensführung in Frankreich glaubt, in Deutschland würde sich ohnehin keiner wehren. Und schon gar nicht die Hochqualifizierten. Aber wir zeigen hier, dass sie sich da geirrt haben!“


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