Dual Studierende:

„Die werfen ungeheuer viel Qualität weg“

  • 31.08.2018
  • mn
  • Aktuelles, Jugend, Betriebsräte/Vertrauensleute

Immer mehr junge Menschen studieren dual. Was fehlt, sind allgemeingültige Regeln. Das will die IG Metall ändern. Ein Interview mit dem Jugendsekretär Simon Sternheimer von der IG Metall Berlin.

Simon Sternheimer, IG Metall Berlin: Wichtig ist, dass sich mehr dual Studierende artikulieren und organisieren

2016 haben erstmals über 100.000 Studierende in über 47.000 Unternehmen dual studiert, so viel wie nie. Ist das eine gute Entwicklung?  
Simon Sternheimer: Ein duales Studium kombiniert theoretisches Wissen mit regelmäßigen Praxiserfahrungen und bietet sehr gute Perspektiven. Gerade Jugendliche aus nichtakademischen oder finanziell schlechter gestellten Familien können darüber studieren. Das sehen wir sehr positiv. Allerdings wünschen wir uns eine bessere Verankerung und Absicherung der dual Studierenden.

Was fehlt?
Bisher existieren keine verlässlichen Regeln und es fehlt eine flächendeckende Tarifvereinbarung für alle Studierende. Deshalb fordern wir, dass das duale Studium im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert und der dualen Ausbildung gleichgestellt wird. Das garantierte allen dual Studierenden das Recht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und sie würden für Prüfungen freigestellt.

Wie ist es heute?
Zuerst einmal: Es gibt ein praxisintegriertes Studium, außerdem ein ausbildungsintegriertes Studium, das Studierende mit dem Bachelor und einem IHK-Abschluss abschließen. Wer ausbildungsintegriert studiert, ist bis zum IHK-Abschluss tariflich abgesichert, bis zum Bachelor aber nicht mehr. Auch verfällt das Recht auf unbefristete Übernahme. Das sind nur zwei von vielen Benachteiligungen.

Was ist, wenn ein dual Studierender noch einen Master machen will?
Das würden gerne viele machen, müssen aber, und das legen viele Unternehmen in den Arbeits- und Fördervertragen in Form von Bindungsklauseln fest, erst die dort vereinbarte Zeit im Betrieb zu arbeiten. Sie verbauen den Studierenden damit ihre Zukunft. Sie werfen so ungeheuer viel Qualität weg.

Wie will die IG Metall diese Benachteiligungen auflösen?
Via DGB drängen wir darauf, das duale Studium im Berufsbildungsgesetz zu verankern. Zweitens versuchen wir als IG Metall, mit möglichst vielen Unternehmen haustarifvertragliche Lösungen abzuschließen. Im nächsten Schritt streben wir dann eine tarifliche Flächenlösung zusammen mit den dual Studierenden an. Das ginge für die Unternehmen mit Mehrkosten einher, andererseits würde die Ausbildung sehr gewinnen, weil wir verlässliche Qualitätsstandards vereinbaren und das Studium vergleichbar machen könnten. Für dual Studierende gebe es Sicherheiten und für die Unternehmen hochqualifizierte Fachkräfte.

Was rätst Du dual Studierenden?
Zuerst einmal sich nicht abschrecken lassen. Duale Studiengänge haben viele Vorteile. Unser Rat: Wendet Euch bei Problemen an Betriebsrat oder JAV. Unter Hochschulinformationsbüro.de informiert die IG Metall zudem dual Studierende. Wichtig ist, dass sich mehr dual Studierende artikulieren und organisieren, gerne in der IG Metall. Wie freuen uns zudem, wenn sie bei uns neue Ideen einbringen, damit wir auf noch gezielter ihre Bedürfnisse eingehen können.