Pressemitteilung vom 20. Juli 2016

DIW-Untersuchung bestätigt IG Metall Berlin: Berliner Industrie mit großem Entwicklungspotenzial

  • 20.07.2016
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Erfreulicherweise hat sich der Trend eines überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums in Berlin weiter fortgesetzt: Berlin liegt bei der Entwicklung des BIP seit einigen Jahren weit über dem deutschen Durchschnitt und mit an der Spitze der großen Städte. Davon profitiert auch die Beschäf-tigung: Die Erwerbstätigkeit ist in Berlin in den letzten Jahren überdurch-schnittlich gewachsen, die Zahl der Arbeitslosen gesunken.

Auf seiner Veranstaltung „Berlin: Von der Start-up-Hauptstadt zur Wachstumsmetropole?“ hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) heute neue Untersuchungsergebnisse zur wirtschaftlichen Lage in der Hauptstadt vorgestellt. Die IG Metall Berlin sieht sich darin in ihrer Einschätzung bestätigt: „Die Berliner Industriebetriebe haben großes Entwicklungspotential. Wenn Unternehmensleitungen, Betriebsräte, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Senat gemeinsam dieses Ziel angehen, sichern wir gemeinsam Beschäftigung und schaffen neue Arbeitsplätze“, sagte Klaus Abel, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, aus Anlass der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse.

Der differenzierte Blick der Forscher identifiziert neben dem Tourismus, der Kulturwirtschaft und der Internetökonomie die forschungsintensive Industrie als wichtigsten Wachstumstreiber der Stadt. Gleichzeitig wird die hohe Gründungsdynamik herausgestellt.

Das DIW Berlin weist auch auf die Schwächen hin, die in Berlin bei der Weiterentwicklung von erfolgreichen Unternehmensgründungen zu schnell wachsenden Unternehmen bestehen. Zudem weist die Berliner Wirtschaft gegenüber dem deutschen Durchschnitt weiterhin einen starken Rückstand bei der Produktivität auf, auch wenn diese zuletzt sogar gewachsen ist. Berlin ist die einzige Hautstadt Europas, in der die Produktivität unter dem Landesdurchschnitt liegt. Direkte Folge dieses Umstandes sind die hohen Lohnunterschiede.

Dieser Befund ist für die IG Metall einmal mehr Anlass, auf die hohe Bedeutung der etablierten Industrieunternehmen hinzuweisen. Auch wenn die Unternehmenszentralen und damit die Entscheider vielfach andernorts sitzen und die Größe der Berliner Industrieunternehmen unter dem allgemeinen Durchschnitt liegt, bietet der Bestand an Industriebetrieben viel Entwicklungspotenzial – und Chancen, um zukunftsträchtige Arbeitsplätzen in produktiven Sektoren zu schaffen.

Hierzu seien zwei Beispiele genannt:

Das DIW Berlin unterstreicht die herausragenden wissenschaftlichen Kapazitäten an den Berliner Hochschulen. Allerdings ist die Verbindung zur Berliner Industrie bisher zu schwach ausgeprägt. Wenn es gelingt, die technologischen Potenziale der Hochschulen für die Entwicklung neuer Produktionsmethoden und Geschäftsmodelle auf der Basis von Vernetzung und Automatisierung zu nutzen und diese mit der rasch wachsenden Internet-Ökonomie Berlins zusammenzubringen, könnte die Berliner Industrie Vorreiter bei der gegenwärtig so viel diskutierten Industrie 4.0 werden.

Ein zukunftsträchtiges Thema ist auch die umweltgerechte Bereitstellung von Energie. Berlin gehört seit jeher zu den wichtigsten Standorten der Energietechnik-Industrie in Deutschland, die Hochschulen haben zudem auch in diesem Feld ein ausgeprägtes Profil. So stellt sich die Frage, ob Berlin ein führender Standort für die Entwicklung und Vermarktung von integrierten Energiekonzepten für die urbanen Zentren von morgen werden kann. Öffentliche Städtebau- und Infrastrukturprojekte können hier wichtige Impulse für innovative Entwicklungen setzen.

Solche Beispiele machen deutlich, dass es attraktive Möglichkeiten für eine Industrieförderung in Berlin gibt, sofern der Bestand der hiesigen Betriebe mit ins Auge gefasst wird. Damit dies gelingt, ist das Engagement vieler Beteiligter gefragt. Dazu gehören zuvorderst die Unternehmen, die das Know-how ihrer Beschäftigten nutzen müssen, sowie die Forschungseinrichtungen und die Politik. Bei Entscheidungen über öffentliche Investitionen könnte zum Beispiel auch deren Wirkung auf die Industrieentwicklung in der Stadt berücksichtigt werden.

„Die IG Metall Berlin sieht die Industrieförderung als wichtiges Handlungsfeld für die kommenden Jahre“, sagt Klaus Abel „Daher haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsband und der Hans-Böckler-Stiftung das Projekt „Industrie in der Stadt: Wachstumsmotor mit Zukunft“ initiiert, um neue Ansätze und Maßnahmen zur Berliner Industrieförderung zu entwickeln.“

Für Rückfragen: Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter IG Metall Berlin, Tel.: 0171 2894914


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