Günter Triebe erhält das Bundesverdienstkreuz am 10.2.2020

Ein ganzes Leben für gute Arbeit und Gerechtigkeit

  • 06.02.2020
  • Michael Netzhammer
  • Aktuelles, Gruppen, Senioren

Seitdem er im Oktober 1970 in die IG Metall eingetreten ist, engagiert sich Günter Triebe für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen. Er hat sich zeitlebens als „kämpfender Anwalt“ für Menschen verstanden. Für seine Verdienste erhält er am 10. Februar das Bundesverdienstkreuz.

Günter Triebe spricht auf der Delegiertenversammlung 2014. (Foto: privat)

Günter Triebe (links) diskutiert mit Kollegen 2019 über Altersversorgung. Foto Christian von Polentz / transitfoto.de

Er hat engagiert sich 2015 für Griechenland vor dem Bundesfinanzministerium.

Zusammen mit Hartmut Herold, ebenfalls Mitglied des IG Metall-Seniorenarbeitskreises fährt er von Wien nach Istanbul.

„Er hatte nicht nur den einzelnen Menschen im Blick, sondern gerade auch die strukturellen Bedingungen, die ihnen Probleme bereiten“, sagt Arno Hager, Erster Bevollmächtigter der IG Metall von 1998 bis 2014. Diese Bedingungen wollte er ändern – in Politik und Praxis. Dafür hat sich der am 27. August 1947 geborene Berliner mit den Oberen in Form von leitenden Managern, Werksleitern und Arbeitgebern angelegt und sich sowohl im Betrieb als auch der IG Metall engagiert.

Seine vielfältigen Ämter bekunden sein lebenslanges Engagement: Jugendvertreter (1971), Betriebsrat bei Flohr Otis, später Otis (1978 - 2010), Mitglied des Gesamtbetriebsrats bei Otis und Ortsvorstand der IG Metall Berlin (1990 - 2005), Vorsitzender des Europabetriebsrats von Otis Electronics Systems (1991), Ehrenamtlicher Richter an Arbeits- und Landesarbeitsgericht (1992-2012), Mitglied der Tarifkommission der Berliner IG Metall (1994-2010)  und telefonische Rechtsberatung für IG Metall-Mitglieder (seit 2009) um nur einige zu nennen.

„Das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement von Günter Triebe zeigt, dass er mehr als ein angesehener, erfolgreicher Gewerkschafter ist. Er hat immer das gesamte Gemeinwohl im Blick und setzt sein Wissen, seine Zeit und Tatkraft zum Schutz Schwächerer ein", sagt Christian Rickerts, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Er wird Günter Triebe am 10. Februar 2020 das Bundesverdienstkreuz überreichen.

Als Betriebsrat hat er sich bald in führender Funktion für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. Und weil er schnell verstand, dass Entscheidungen selten im Berliner Werk, sondern auf Unternehmensebene fallen, engagierte er sich als Gesamtbetriebsrat. Im Oktober 2005 bestätigen ihnen die Kolleginnen und Kollegen als Vorsitzenden des Eurobetriebsrates. In geheimer Wahl stimmen sie mit 100 Prozent für Günter Triebe. Diese Wertschätzung hat er sich auch bei Managern und Geschäftsleitungen erkämpft. „Er hat sich den Respekt als harter, aber auch verlässlicher Verhandlungspartner erworben“, sagt Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.

Zu seinen größten Leistungen zählt, dass er den Widerstand gegen die Verlagerung von Produktion und Engineering nach Osteuropa, wie es das Otis-Management 2004 vorhatte, organisierte und im Zusammenspiel mit Beschäftigten und IG Metall am Ende verhinderte. 410 Arbeitsplätze blieben so am Standort Berlin erhalten. Dafür haben sich die Kolleginnen und Kollegen bereiterklärt, statt 35 Wochenstunden drei Stunden mehr pro Woche zu arbeiten.

Um Verhandlungen gut zu Ende zu führen, braucht man gute Argumente und kluge Strategien und im richtigen Moment muss man ein Ausrufezeichen setzen. Wie ein solches aussehen kann, erzielt er gerne: „Wir hatten bereits wochenlang über Abgruppierungen verhandelt und kamen nicht weiter. In der letzten Runde sagte ich dann zu unserem Personalchef, er solle sich mal den Paragrafen 133 Betriebsverfassungsgesetz ansehen. Der blätterte und sagte, es gäbe nur 132 Paragrafen“, erzählt Triebe. In diesem Augenblick ging die Tür auf und rund 100 Kolleginnen und Kollegen betraten den Raum. „Ich sagte, das sei der Paragraf 133. Nach einer halben Stunde Verhandlung im Beisein der Beschäftigten war die Kuh vom Eis“, erinnert er sich.

Günter Triebe hat nicht nur in seiner Arbeit etwas zu sagen. „Mit seinem Humor hat er immer auch dafür gesorgt, dass es bei allen betrieblichen und tarifären Auseinandersetzungen auch was zu lachen gab“, erinnert sich Arno Hager. Auf einer Klausur des Ortsvorstand haben dem Wessi Triebe kurz nach der Wiedervereinigung die Mitglieder aus dem Ostteil der Stadt den inoffiziellen Ehrentitel „Ossi ehrenhalber“ verliehen.

Sein Engagement hat auch nicht aufgehört als er 2010 aus dem Betrieb ausschied. Nach wie vor ist er Mitglied im Ortsvorstand der Berliner IG Metall. Außerdem übt der 72-Jährige seine Funktion als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Berlin nach wie vor aus.

 


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