Interview mit Birgit Dietze

FairWandel: Die Zukunft sitzt am Küchentisch

  • 08.07.2019
  • mn
  • Aktuelles, #FairWandel

50.000 Metaller und Metallerinnen haben am 29. Juni für eine faire und ökologische Transformation demonstriert. Im Interview zieht die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin Bilanz, spricht über Klimaschutz, faire Arbeit und über Kinder, die am Freitag nicht zur Schule gehen.

(c) alle nicht gekennzeichneten Fotos: IG Metall / Thomas Range

Birgit Dietze spricht auf der Kundgebung. (c) IG Metall Christian von Polentz/transitfoto.de

(c) IG Metall / Stephan Petrat

Eine Woche ist seit der Großkundgebung vergangen. Was bleibt?
Birgit Dietze: Die Metaller und Metallerinnen haben ein wichtiges Zeichen Richtung Politik, Arbeitgeber und in die Gesellschaft gesendet, dass wir die Transformation sowohl einfordern als auch gestalten wollen.

Die Hauptstadt war Gastgeber, wie haben sich die Berliner und Berlinerinnen engagiert?
Die Jugend hat im Vorfeld, zum Beispiel an der Weltzeituhr und der Siegessäule, unsere Kundgebung sehr öffentlichkeitswirksam symbolisch eingeläutet und angekündigt. Viele Berliner Beschäftigte sind mit ihren Familien zum Brandenburger Tor gekommen und außerdem haben sich viele freiwillig engagiert, waren als Ordner tätig, haben Stände organisiert und so mit dazu beigetragen, dass wir alle ein einzigartiges Fest gefeiert haben. Dafür danke ich allen sehr.

"Wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel tun kann." Barack Obama

Wie hast Du die Kundgebung erlebt?
Die Kundgebung war nicht nur ein politisches Zeichen von über 50.000 Menschen. Was wir nicht erst seit gestern merken, ist der Klimawandel: extreme Hitze, Trockenheit und dann geht die Temperatur schlagartig in den Keller. Wir sind nicht die letzte Generation, die den Klimawandel erleben wird, aber wie hat es Barack Obama gesagt, "wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel tun kann." Unsere Zukunft sitzt morgens am Küchentisch und geht ab und an freitags nicht zur Schule. Gemeint sind die Kinder. Sie bekommen den Klimawandel ab und wir müssen daher heute die Transformation in ihrem Sinne gestalten. Auf der Kundgebung hatte ich das Gefühl, dass immer mehr Menschen verstehen, dass wir Wirtschaften und Ökologie zusammendenken müssen.

Warum fordert die IG Metall eine Transformation ein, die zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen kann?
Das ist genau genommen ein Zielwiderspruch. Es geht um die Frage: Wandel von Produktion und Arbeit für eine CO2-Minimierung und damit den Klimaschutz oder kein Wandel in dem Vertrauen, die Sicherheit von heute auch morgen zu haben. Für ein ‚weiter so‘ sagen Wissenschaftlerinnen und Forscher aber voraus, dass uns das Klima dann wohl um die Ohren fliegen wird, was die Zukunft der Arbeit ebenso bedroht. Die IG Metall steht daher für einen kontrollierten ökologischen und fairen Wandel. Wir wollen Arbeit und Gesellschaft zukunftsfähig machen. Was da momentan fehlt ist die Politik als gestalterische Kraft, die auch die Chancen der Transformation für einen ökologischen und sozialen Umbau ergreift.

Was ist aus Deiner Sicht notwendig?
Damit in Deutschland Klima- und Umweltschutz und gute Arbeit zusammengehen, muss die Politik positive Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen von privaten Geldgebern befeuert und/oder Steuergelder generiert, mit denen der Staat grünen Verkehr, eine Ladeinfrastruktur und grüne Energieversorgung fördert. Das Beharren auf einer schwarzen Null ist dabei nicht zielführend. Wenn wir Arbeitsplätze in Deutschland erhalten wollen, müssen unsere Unternehmen Schlüsseltechnologien entwickeln und Zukunftsmärkte besetzen. Wir müssen aber auch weiterdenken. Wenn wir uns auf 1,5 Tonnen CO2 pro Person und Jahr reduzieren müssen, dann müssen wir auch den Wandel von Produkten und Dienstleistungen diskutieren. Wir brauchen also gute Rahmenbedingungen und eine Gesellschaft, die diese wichtigen Fragen diskutiert und klärt. Die IG Metall, das hat die Großkundgebung gezeigt, ist dafür bereit.

 


Drucken Drucken