Betriebsrätefachtagung in Berlin - mit Berichterstattung und Bildergalerie

Für Gute Arbeit in der digitalisierten Welt!

  • 07.09.2015
  • aw/ab
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Mehr als 400 Betriebsrätinnen und Betriebsräte trafen sich am 7. September in Berlin, um über gute Arbeit in der digitalisierten Welt und mehr zu diskutieren. Zu Beginn redeten Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Michael Müller, Regierender Bürgermeister in Berlin.

Fotos: Christian von Polentz/transitfoto.de

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Die IG Metall hat maßgeblich dazu beigetragen, die Industrie 4.0-Debatte aus der cyber-physikalischen Ecke herauszuholen und das Thema Arbeit der Zukunft in den Blickpunkt zu rücken“, sagte Klaus Abel. „Das war ein erster wichtiger Schritt. Nun gilt es im Betrieb gemeinsam mit den Beschäftigten das Instrumentarium der Arbeits- und Technikgestaltung zu schärfen. Dafür brauchen wir Forschungsressourcen und zugleich Ingenieure und Informatiker, die motiviert und kompetent sind, Technologien menschengerecht im engen Austausch mit den Beschäftigten zu entwickeln. Kurzum: Industrie 4.0 braucht Arbeit 4.0, mit der die Beschäftigten in das Zentrum aller Veränderungs-Prozesse rücken. Das auszusprechen fällt vielen leicht, das umzusetzen, ist die Herausforderung. Diese Herausforderung wollen wir gemeinsam auf der Tagung bearbeiten. Berlin bietet mit seiner industriellen Struktur und der bedeutenden Hochschul- und Wissenschaftslandschaft hierzu gute Voraussetzungen.“

Klaus Abel präsentierte ein Positionspapier der IG Metall Berlin. Der Text steht unten als Download zur Verfügung.

Am Vormittag fanden von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr 14 parallele Fachforen für die rund 400 Betriebsräte, Vertrauensleute und Schwerbehindertenvertreter statt. Das Themenspektrum reicht von „Guter Arbeit in der digitalisierten Arbeitswelt“, über aktuelle Rechtsprechungen des Bundesarbeitsgerichts, den neuen Tarifvertrag zur Bildungsteilzeit und zur Altersteilzeit, Azubivergütung, Gesundheitsschutz, Überstunden und Mehrarbeit bis zum ITK-Arbeitsplatz der Zukunft.

Am Nachmittag folgte von 14.00 bis 15.30 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Gute Arbeit in der digitalisierten Arbeitswelt – Was können wir hierfür tun“ mit Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter IG Metall Berlin, Professor Dr.-Ing. Reiner Anderl, Technische Universität Darmstadt, Robert Drewnicki, Senatskanzlei, Dr. Peter Ittermann, Technische Universität Dortmund, Inger Korflür, Sustain Consult Dortmund, und Benjamin Mikfeld, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Alfons Frese, Der Tagesspiegel.  

Professor Dr.-Ing. Reiner Anderl stellte die Frage, wie die Beschäftigten bei der neuen Technik mitgenommen werden könne. Die Industrie 4.0 öffne die Tür für viele neue Geschäftsmodelle. „Hier dürfen wir uns vom Silicon Valley nicht abhängen lassen und müssen definieren, was wir in der Zukunft produzieren wollen.“

Dr. Peter Ittermann betonte, dass auf die Industriearbeiter Chancen und Risiken zukommen würden. „Die Risiken wie Entwertung der Arbeit oder Wegfall von Tätigkeiten können nur durch gute Weiterbildung und gute Ausbildung eingedämt werden.“

Inger Korflür von Sustain Consult in Dortmund sagte: „Wir haben jetzt ein Zeitfenster, in dem Betriebsräte und IG Metall die Chance haben, Industrie 4.0 mitzubestimmen. Voraussetzung ist, dass die Betriebsräte mit allen Beschäftigten und Abteilungen ins Gespräch kommen. Die Ideen kommen aus den Köpfen und nicht aus den Maschinen.“ Korflür weiter: „Die Beschäftigten werden um Industrie 4.0 nicht herum kommen. Also: Gestalten wir mit! Es wird auch Spaß machen.“

Benjamin Mikfeld, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales brachte die Idee ein, dass die Arbeitsagenturen einen Check für Arbeitnehmer anbieten, mit dem sie den Zeitwert ihrer aktuellen Qualifikation überprüfen lassen können. Seine Idee ging aber weiter: Nicht nur ein Check solle angeboten werden, sondern auch gezielte Qualifikationen für die Arbeitnehmer.  

Robert Drewnicki, Senatskanzlei, betonte, dass die Vernetzung sehr wichtig sei, um gezielt die Potenziale von Wissenschaft und Hochschulen für die Entwicklung der Industrie in Berlin zu nutzen.

Klaus Abel betonte, dass Industrie 4.0 die Vergleichbarkeit von Lohnkosten über Ländergrenzen hinweg verstärkt mit sich bringe. „Das erzeugt Druck auf unsere Entgeltsysteme und stellt uns vor große Herausforderungen.“ Die IG Metall arbeite daher gerade intensiv an der internationalen Vernetzung der Industrie-Gewerkschaften.

Artikel im Tagesspiegel,  8. September 2015


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