15.10.2025 | Nach nur zwei Verhandlungsrunden zwischen IG Metall und Stadler Rail Service liegt nun ein Verhandlungsergebnis vor. Die IG Metall-Mitglieder stimmten mit überragender Mehrheit der erzielten Einigung zu. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Rückkehr in den Flächentarifvertrag geschafft.
Nach intensiven Gesprächen und nur zwei Verhandlungsrunden konnten IG Metall und Stadler Rail Service (SRS) ein Verhandlungsergebnis erzielen. In der vergangenen Woche stimmten die IG Metall-Mitglieder in zwei Mitgliederversammlungen mit überragender Mehrheit der erzielten Einigung zu. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Rückkehr in den Flächentarifvertrag geschafft.
Wichtige Ergebnisse im Überblick
Das erzielte Ergebnis umfasst vier zentrale Punkte:
1. Rückführung in die Fläche bis spätestens 31. März 2032
Mit der neuen Vereinbarung wird die bisherige Zusatzvereinbarung mit der sogenannten Ewigkeitsklausel aufgehoben. Diese sah eine dauerhafte Abweichung vom Flächentarif vor, darunter 5 % weniger Entgelt und eine 38-Stunden-Woche.
Stattdessen ist nun festgelegt, dass die Rückführung in den Flächentarifvertrag bis spätestens 31. März 2032 abgeschlossen sein muss. Damit ist die bisherige Dauerregelung endlich beendet und ein verbindlicher Fahrplan zur Angleichung geschaffen.
2. Status-quo-Absicherung bis März 2028
Für die Beschäftigten bleibt bis dahin alles beim Alten: Es gibt keine zusätzlichen Arbeitnehmerbeiträge, und die bestehenden Regelungen bleiben bis März 2028 unangetastet.
3. Verhandlungsverpflichtung ab März 2028 – keine Schlechterstellung zu STAP
Ab März 2028 beginnen verbindliche Verhandlungen über Entgelt und Arbeitszeit. Ursprünglich wollte der Arbeitgeber erst später über diese Themen sprechen – dass nun neun Monate früher verhandelt wird, ist ein klarer Erfolg der IG Metall.
Zudem wurde eine Absichtserklärung aufgenommen, wonach keine Schlechterstellung gegenüber dem Tarifvertrag beim Schwesterunternehmen STAP erfolgen darf. Dort ist eine Entgeltangleichung ab April 2029 vorgesehen. Das bedeutet: Unter diesem Niveau darf es für SRS-Beschäftigte nicht liegen, eine Besserstellung bleibt möglich.
4. Sonderkündigungsrecht ab 30. September 2028
Sollte der Arbeitgeber seiner Verhandlungspflicht nicht nachkommen, kann die Vereinbarung bereits zum 30. September 2028 vorzeitig gekündigt werden. Damit wäre eine sofortige Rückkehr in den Flächentarif möglich. Dieses Sonderkündigungsrecht konnte die IG Metall neun Monate früher durchsetzen, als vom Arbeitgeber vorgesehen.
„Eine echte Zukunft zur Angleichung an den Flächentarifvertrag“
Jenny Zerbe, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir haben es geschafft, für SRS DE eine echte Zukunft zur Angleichung an den Flächentarifvertrag zu verhandeln. Das war möglich durch die Vorbereitung in der Tarif- und Verhandlungskommission mit IG Metall Gewerkschaftssekretärin Eileen Müller und der offenen und konstruktiven Gespräche mit der Arbeitgeberseite.“
Konrad Ruske, Mitglied der Verhandlungskommission ergänzt: „Nach intensiven, aber sehr effizienten Verhandlungen auf Augenhöhe haben wir hier ein Ergebnis aushandeln können, dass die meisten zentralen Forderungen der Belegschaft aus den Mitgliederversammlungen erfüllt und keine Regelungen mehr enthält, aus denen sich unmittelbare Nachteile für uns ergeben. Im Gegenteil haben wir die Unendlichkeitsklausel des bisherigen Tarifvertrages abgeschüttelt, eine Schlechterstellung zu STAP bei der Rückkehr zur Fläche verhindert und Chancen geschaffen, noch deutlich früher als STAP endlich zum Flächentarifvertrag zurückzukehren – nach 25 Jahren mehr als überfällig.“
Jedoch räumt Ruske ein: „Der final verhandelte, große zeitliche Rahmen widerspricht meinen ursprünglichen Erwartungen komplett , ließ sich angesichts der aktuellen Firmenlage aber leider nicht verhindern. Nichts destotrotz stehen die gewonnenen Chancen und die garantierte Rückkehr zur Fläche für sich. Nun gilt es, hier in den kommenden Jahren eine schnellstmögliche Umsetzung dieser Chancen zu fordern, auszuhandeln – und zu erkämpfen.“
Das Verhandlungsergebnis wird nun schriftlich fixiert und von beiden Vertragspartnern unterzeichnet. Der Abschluss des Verfahrens ist bis Ende Oktober vorgesehen.
Hintergrund:
Die Stadler Rail Service Deutschland GmbH mit Sitz in Berlin ist Teil der Stadler-Gruppe. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeitende an sechs Standorten in Deutschland. SRS ist auf den Service und die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen spezialisiert.