Autokorso – RBB und Berliner Morgenpost berichten

Infinera: Zwillinge kämpfen für ihren Arbeitsplatz

  • 12.02.2019
  • mn
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute, Infinera

Mit knapp 170 Autos haben die Beschäftigten gestern in Berlin und vor der US-Botschaft für Ihr Werk und Ihre Arbeitsplätze demonstriert. Mit dabei auch Reporter von RBB und Berliner Morgenpost. Sie erzählen eine besondere Geschichte, die der Zwillinge Andreas und Christian Bergel, die beide bei Infinera arbeiten und aktiv für Ihre Arbeitsplätze streiten.

„Die Mitarbeiter fühlen sich wie der Rest eines Rosinenkuchens. Aus dem die Rosinen herausgepickt worden sind, das sind halt die 1.600 Patente, die uns Infinera abgenommen hat. Der Rest halt, der Kuchen und Teig brauchen die nicht, der wird halt entsorgt“, sagte Christian Bergel dem RBB. Zumindest will das der neue Eigentümer durchsetzen. Dagegen wehren sich die Zwillinge Andreas und Christian Bergel, die beide seit mehr als zwei Jahrzehnten in dem Werk am Siemensdamm 62 arbeiten, das in ihrer Zeit bereits viele Eigentümerwechsel erdulden musste.

Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen engagieren sie sich für Ihre Arbeitsplätze. Sie hoffen auch auf die Politik: „Es gibt ja auch ein Sicherheitsfaktor. Und der sagt aus, wenn die Produktion nach Asien, nach Thailand verlagert wird, fehlt die Kontrollfunktion. Kunden sind ja auch Bundesregierung und Verteidigungsministerium. Die wollen ja auch, dass die Anlagen sicher sind. Und das können wir nicht mehr gewährleisten“, sagt Bruder Andreas dem RBB.

Genau dies thematisiert auch die IG Metall in Gesprächen mit Politikern und Politikerinnen und sie stellt das menschenverachtende Geschäftsgebaren des US-Unternehmens in den Vordergrund: „Euer Wissen und die Sicherheit der Produktion spielen bei der geplanten Schließung für die Eigentümer überhaupt keine Rolle. America First zeigt uns damit ein weiteres Mal seine hässliche Fratze“, sagte Regina Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, beim Zwischenstopp des Autokorsos vor der US-Botschaft. Was Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall wollen ist klar: „Das Werk und die Arbeitsplätze, und damit das Fertigungswissen für 5G und für die Datenautobahnen der Zukunft müssen in Berlin bleiben“, erklärte Regina Katerndahl.

Die Betriebsversammlung und der Autokorso zeigen, die Belegschaft zieht mit Betriebsrat und IG Metall an einem Strang. Die gemeinsame Aktion vor der US-Botschaft geben allen Beteiligten die Kraft und Ausdauer, ihren Kampf fortzusetzen. Christian Bergel hat das gegenüber der Reporterin Jessica Hannack von der Berliner Morgenpost so formuliert: „Erst wenn wir alles versucht haben, können wir guten Gewissens vom Schlachtfeld ziehen“, sagt Christian Bergel energisch. Um dann wieder gute Produkte am Siemensdamm 62 herzustellen. Das ist das Ziel, ihre Mission.

 


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