Fünf Minuten zur Berliner Industrie

Kieback + Peter: "Gebäudeautomation ist unsere Berufung"

21.04.2025 | Bei Kieback + Peter kümmern sich in Berlin-Britz rund 300 Beschäftigte mit Soft- und Hardware um die Gebäudeautomation. Heizung, Lüftung, Klima und Brandschutz stehen dabei im Fokus. Christiane Nitzsche, Betriebsratsvorsitzende, berichtet.

Foto: Kieback + Peter

Christiane, beschreibst Du uns bitte kurz, was ihr macht?

Kieback + Peter ist weltweit vertreten. Wir haben in Deutschland 29 Niederlassungen vom Bodensee bis nach Rostock, ein Werk in Mittenwalde und in Berlin arbeiten bei uns rund 300 Beschäftigte. Die Besonderheit: Wir vertreten als Betriebsrat alle ca. 1.400 Beschäftigten in Deutschland. Die Ausnahme ist das Werk in Mittenwalde, in dem es ebenfalls einen Betriebsrat gibt, mit dem wir im Gesamtbetriebsrat zusammenarbeiten. Weiterhin haben wir beispielsweise in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Österreich Tochtergesellschaften und arbeiten darüber hinaus weltweit mit Partnern zusammen.

Gebäudeautomation ist unsere Berufung. Unsere Geschäftsführung hat sich auf die Fahne geschrieben, mit Hilfe der Gebäudeautomation ein grünes Unternehmen zu werden und auch unsere Auftraggeber auf diesem Weg zu begleiten. Wir regeln alles, was sich um Heizung, Klima, Lüftung dreht. Wir stellen also nicht die Heizung an sich her, sondern wir stellen die Regelgeräte her, damit in einem Gebäude alles zusammenspielen kann. Unsere Auftraggeber sind zu einem großen Teil die öffentliche Hand, Krankenhäuser, aber auch beispielsweise Kaufland und Ikea, Fabrikhallen und mehr.

Wie ist die Lage bei Euch im Unternehmen?

Unsere Auftragslage ist sehr gut, so dass wir schon genau hinsehen müssen, welche Aufträge wir noch annehmen können, um sie in guter Qualität fertig zu stellen und gleichzeitig die Kolleginnen und Kollegen nicht zu überlasten.

Wie ist die Stimmung in Eurem Unternehmen?

Momentan befindet sich die Firma mitten in einem umfangreichen Transformationsprozess, der alle Bereiche im Unternehmen erfasst und einige Jahre andauern wird. An vielen Stellen war dies auch dringend notwendig, um die Firma für die Zukunft fit zu machen. Natürlich betrifft der Transformationsprozess noch nicht alle gleichermaßen. Beispielsweise die rund 400 Techniker bei uns kommen damit noch wenig in Berührung. Es gibt einen Kreis von Beschäftigten, der intensiv involviert ist und Vieles auf den Weg bringt sowie die Kommunikation verantwortet. Dieser Kreis wird immer größer.

Die Transformation im Unternehmen soll so durchgeführt werden, dass sie keine Angst macht und alle mitgenommen werden. Denn nur dann kann sie auch funktionieren!

2027 feiern wir den 100. Geburtstag von Kieback + Peter. Bei uns arbeiten Kolleginnen und Kollegen teilweise schon seit 20, 30, 40 Jahren. Die Stimmung im Unternehmen ist natürlich nicht überall gleich. Einmal im Jahr fahre ich mit Kollegen in all unsere Niederlassungen und rede mit den Leuten, erlebe die Stimmung und nehme Themen mit nach Berlin, die ich dann anschließend auch mit der Geschäftsführung diskutiere. Ich stelle fest, dass es nicht nur davon abhängt, wie die Prozesse definiert und umgesetzt werden, sondern ganz wichtig ist, wie die jeweilige Führungskraft agiert. Wie also mit den Menschen umgegangen wird, ob sie wahrgenommen werden und Wertschätzung erfahren.

Zusammengefasst würde ich sagen: Die Stimmung ist verhalten optimistisch an vielen Stellen. Es gibt immer jemanden, der sagt, früher war alles besser. Das erlebe ich oft bei Kollegen, die schon sehr lange im Unternehmen arbeiten und wenig Vergleich zu anderen Firmen haben. Diejenigen, die zu uns aus anderen Firmen wechseln, sind meist deutlich positiver gestimmt. Dabei spielt auch unsere Tarifbindung eine große Rolle.

Was für einen Tarifvertrag habt ihr?

Wir haben seit einigen Jahren einen Ergänzungstarifvertrag. Abweichend vom Manteltarifvertrag haben wir eine Wochenarbeitszeit von 37 Stunden ohne Lohnausgleich. Wir haben dieses Jahr den Ergänzungstarifvertrag neu verhandelt und erfolgreich zum Abschluss gebracht. Wir konnten einige positive Punkte verhandeln, so dass wir als Tarifkommission diesen Ergänzungstarifvertrag gut vertreten können.

Wie lange bist Du schon im Unternehmen und Betriebsrätin?

Ich bin schon seit 23 Jahren bei Kieback + Peter und davon seit 15 Jahren im Betriebsrat tätig. Seit 11 Jahren bin ich Betriebsrats- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende.

Was erwartet Ihr in den nächsten Monaten und Jahren?

Unsere Auftragslage ist außerordentlich gut und der Transformationsprozess ist in vollem Gange. Und den Weg hin zum grünen Unternehmen leben wir auch. Beispielsweise stellen wir seit einigen Jahren unsere Flotte von ca. 800 Dienstwagen auf Elektro um. Oder wir haben Tools entwickelt, mit denen wir eine Fernwartung machen können, so dass wir Zeit und Fahrten sparen. Wir unterstützen unsere Auftraggeber dabei, mit unserer Technik CO2 ärmer zu werden.

Im Laufe der Jahre haben wir im Unternehmen schon einige Veränderungen erlebt, auch in der Geschäftsführung. Unsere heutige Geschäftsführung ist offen und ehrlich genug, auch mal zu zugeben, wenn eine falsche Entscheidung getroffen wurde. Und wir haben eine gute Kommunikation mit unserer Geschäftsführung und -leitung. Das ist ein hoher Wert, den wir zu schätzen wissen, denn wir haben mit der vorherigen Geschäftsleitung auch schon andere Zeiten erlebt.

Wobei unterstützt Euch die IG Metall Berlin?

Ganz aktuell haben wir den neuen Ergänzungstarifvertrag gemeinsam mit der IG Metall verhandelt. Mit Sophie Bartholdy an unserer Seite, die das souverän gemeistert hat, haben wir wieder einen guten Ergänzungstarifvertrag auf die Beine gestellt.

Habt Ihr Forderungen an die Politik in Berlin und im Bund?

Wir brauchen endlich bezahlbaren Wohnraum! Wir erleben es ständig bei uns: bei der Suche nach Fachkräften oder nach Auszubildenden. Die Menschen finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr in Berlin. Hier sehe ich dringenden Handelsbedarf!

Gibt es noch etwas, wonach ich nicht gefragt habe?

Ich arbeite nach wie vor gerne bei Kieback + Peter, weil ich sehe, welches Potenzial wir haben und dass wir auf einem guten Weg sind. Es wird versucht Probleme zu lösen, auch wenn das nicht immer zur vollsten Zufriedenheit gelingt, und daher bleibt die Fluktuation überschaubar. In den letzten Jahren hat sich vieles geändert – gerade auch in der Führungsriege unserer Niederlassungen. Dabei bleibt gute Führung natürlich immer ein Thema und es gibt an einigen Stellen durchaus noch Luft nach oben.

Kieback + Peter  wurde 1927 in Berlin gegründet. Das Familienunternehmen zählt mit weltweit rund 1.500 Beschäftigten und 50 Standorten zu den führenden Anbietern für Gebäudeautomation. Mithilfe von Soft- und Hardware vernetzen die Experten gebäudetechnische Anlagen wie Heizung, Lüftung, Klima und Brandschutz zu einem optimalen Gesamtsystem. Der Mittelständler sorgt für mehr Komfort, Effizienz und Sicherheit im Gebäude – durch einfache, smarte Lösungen.

Von: Andrea Weingart

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