Standort und Arbeitsplätze in Gefahr

MAN: Wenn Manager zu viele Fehler machen

  • 24.07.2020
  • Michael Netzhammer
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Den Berliner Standort komplett verlieren oder stattdessen auf Kernbereiche und Geld verzichten – MAN-Finanzvorstand Jürgen Klöpffer hatte für die Berliner Belegschaft von MAN Energy Solutions auf den gestrigen Belegschaftsversammlungen nur Zumutungen im Gepäck. Dabei ist Berlin technologisch gut für die Zukunft aufgestellt.

Der Abbau von zu vielen Arbeitsplätzen 2016/2017 kommt MAN ES bzw. seine Beschäftigten womöglich teuer zu stehen. Foto zeigt den Protest der Beschäftigten 2016. (c) Christian von Polentz / tranitfoto.de

Stille, Entsetzen, Totengräberstimmung. Was MAN-Vorstand Jürgen Klöpffer der MANschaft in Berlin verkündete, war ein Totalangriff auf den Standort Berlin und die Beschäftigten. Im Aktenköfferchen hatte er zwei Konzepte, das eine Pest, das andere Cholera.

Zur Wahl stehen: Das Werk mit seinen 429 Arbeitsplätzen wird komplett geschlossen. Im Alternativkonzept will der Vorstand unter anderem Vertrieb, Projektmanagement, Anlagentechnik und Montage verlagern. Nur die Berechnung und Konstruktion von RG-Kompressoren sollen demnach in Berlin bleiben, der Standort soll weiterhin Radsätze und Laufräder fertigen sowie das Servicegeschäft PrimServe weiterführen. Bei dieser Alternative will der Vorstand 186 Arbeitsplätze streichen, zudem den bleibenden Beschäftigten tarifäre Leistungen kappen, wie zum Beispiel Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Irrsinn: Vorstand will die gleichen Fehler wiederholen
„Das hatten wir alles schon einmal 2016“, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende René Marx. Die Fehler für die Misere liegen für ihn beim Vorstand. „2016 hat der Vorstand zu schnell und zu viel Personal abgebaut. Dann ist die Nachfrage wieder angezogen, wir hatten aber nicht die Arbeitskräfte, diese zu bedienen und gleichzeitig die Umstrukturierung anzugehen“, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende. Die verantwortlichen Vorstände haben nun andere Jobs oder sind im Ruhestand. Ihre Fehler soll nun die Belegschaft ausbaden.

Mit den fast gleichen Maßnahmen weitermachen, die in den vergangenen Jahre zu der jetzigen Krise geführt haben? Klar ist, dass betriebswirtschaftlich die Zahlen nicht stimmen. Tatsache ist jedoch auch: „Wir haben bei MAN ES wichtige Zukunftstechnologien entwickelt, allen voran in Berlin“, fügt Marx hinzu. Denn bislang entwickelt und produziert MAN ES in Berlin Kompressoren, die unter anderem für die CO2-Speicherung eine zentrale Rolle spielen und als Zwischenlösung einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten können. Aber auch im Zukunftsbereich der Energiespeicherung, über das sogenannte Liquid Air Energy Storage (LAES), ist Berlin aktiv.

Berliner Standort arbeitet für den Klimaschutz
„Mit der Fridays for Future-Bewegung stand der Klimawandel im Vordergrund, durch Corona verlieren wir nun drei bis fünf Jahre“, sagt René Marx. Doch gebraucht werden diese Technologien auf jeden Fall. Auch an den anderen Standorten entwickelt und produziert MAN ES saubere Lösungen für die Schifffahrt, zum Beispiel Gasmotoren, die die dreckigen Schiffsdiesel ersetzen und zukünftig mit synthetisch gewonnenen, sauberen Kraftstoffen betrieben werden.

Gesamtbetriebsrat und IG Metall kritisieren das vorgestellte Restrukturierungprogramm deshalb auch als vollkommen überzogen. „Aus unserer Sicht gefährdet das vorgestellte radikale Restrukturierungsprogramm die Funktionsfähigkeit des Unternehmens und ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, kritisieren der Gesamtbetriebsvorsitzende Werner Wiedemann und der Unternehmensbeauftragte Michael Leppek von der IG Metall. Für den Berliner Standort forderte Andreas Buchwald von der IG Metall Berlin auf der Beschäftigtenversammlung: „Das vorgestellte Restrukturierungsprogramm muss nachgebessert werden, der Standort in Berlin und das Know-how der Beschäftigten muss im Wesentlichen erhalten bleiben – sonst ist in wenigen Jahren Feierabend.“

Gesamtbetriebsrat und IG Metall verhandeln derzeit intensiv mit dem Vorstand von MAN ES. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen müssen vom Tisch, die Kompetenzen an den Standorten erhalten bleiben. Der überzogene Personalabbau kann nach all den negativen Auswirkungen nicht die Lösung sein und MAN ES muss VW-Tochter bleiben.