Nachtschichtzuschläge - Tarifgebiet I und II

Mehr Geld für Nachtschichtarbeit in Berlin und Brandenburg

  • 21.07.2020
  • aw
  • Aktuelles

Die Tarifkommission für die Tarifgebiete I und II (Berlin und Brandenburg) hat am 16. Juli dem Verhandlungsergebnis zu den Nachtschichtzuschlägen für Berlin und Brandenburg mit großer Mehrheit zugestimmt. Damit ist der Weg frei für höhere Zuschläge für Beschäftigte, die regelmäßig in Nachtschicht arbeiten. Tausende von Beschäftigten werden von den neuen Regelungen profitieren und erhalten mehr Geld.

Bezirksleiter Stefan Schaumburg und Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte IG Metall Berlin, auf der Tagung der Tarifkommissionen I und II am 16.7.2020. Foto: Christian von Polentz / transitfoto.de

Anstoß für die jetzt gefundene neue Regelung war ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes. Das hat festgelegt, dass Nachtschichtzuschläge einheitlich sein müssen. Daraufhin haben viele Kolleginnen und Kollegen die bisher entstandenen Differenzen beim Arbeitgeber geltend gemacht und damit den Stein ins Rollen gebracht.

Die Zuschläge für die Nachtschichtarbeit sollen ab 1. Oktober 2020 von 15 auf 20 Prozent angehoben werden, ab 1. Oktober 2022 auf 22,5 Prozent und ab 1. Oktober 2024 auf 25 Prozent. Im Jahr 2025 muss verhandelt werden, ob die Zuschläge für die Zeit von 00.00 bis 04.00 Uhr noch einmal weiter erhöht werden können und ob eine Möglichkeit der Wahl zwischen Geld und Zeit vereinbart werden kann. Der Spätschichtzuschlag bleibt bei 12 Prozent. Es sei denn, es wird noch in der Spätschicht nach 23.00 Uhr gearbeitet, dann ist der Nachtarbeitszuschlag fällig.

Die jetzt vereinbarte lange Erklärungsfrist (31. August 2020) dient dazu, eine Lösung für die ausstehenden Forderungen zu finden. Dazu braucht es ein gutes außergerichtliches Ergebnis für die Vergangenheit, ansonsten steht der Klageweg weiterhin offen. Daran arbeitet die IG Metall in den kommenden Wochen, denn im Bezirk Berlin-Brandenburg gibt es besonders viele Beschäftigte, die in Nachtschicht arbeiten. Für den Fall, dass Arbeitgeber durch die Anhebung der Zuschläge erhebliche Mehrkosten haben, müssen sie an die IG Metall als Tarifvertragspartei herantreten. Das schützt Betriebsrätinnen und Betriebsräte vor Erpressungsversuchen der Arbeitgeber.

"Wir haben diese notwendige Angleichung unter erschwerten Bedingungen geschafft. Ohne den starken Druck der Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben hätten wir dieses gute Ergebnis nicht erreicht. Dafür herzlichen Dank! Die IG Metall ist nur mit gut organisierten und engagierten Belegschaften so stark, dass neue, gute Tarifverträge geschlossen werden können", kommentierten Bezirksleiter Stefan Schaumburg und Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte IG Metall Berlin.

An der Tarifkommission nahmen einige Kolleginnen und Kollegen vor Ort im Alwin-Brandes-Saal in Berlin teil. Einige Kolleginnen und Kollegen waren per Zoom-Konferenz zugeschaltet. "Die derzeitige wirtschaftliche Situation ist sehr schwierig. Uns stehen gerade hohe Einsparungen ins Haus. Die Rahmenbedingungen für die Verhandlungen waren daher denkbar schlecht. Trotzdem haben wir ein gutes Ergebnis erreicht. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das hinkriegen. Alle, die ihre Forderung geltend gemacht haben, müssen jetzt auch etwas dafür sehen", sagte Michael Rahmel, Betriebsratsvorsitzender im Mercedes-Benz Werk Berlin-Marienfelde.

Rainer Schnitker, Betriebsrat im BMW Werk Berlin, meldete sich in der Tako zu Wort: "In Bayern und Sachsen gelten schon 25 Prozent Nachtschichtzuschläge laut Tarif. Ich bin ein Freund von einheitlichen tariflichen Regelungen. Bei uns wäre der Arbeitgeber mit Kompensationsforderungen auf uns zu gekommen. Daher ist dies ein gutes Ergebnis, das Kompensationen ausschließt."

"Gemeinsam haben wir in schwierigen Zeiten ein gutes Ergebnis erreicht. Ich möchte mich bei den vielen Kollegen bedanken, die durch ihre Geltendmachung der Nachtschichtzuschläge erst den Stein ins Rollen gebracht haben", sagte Thomas Rackwitz, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde.