Osram in Berlin:

Per App die Jacke in verschiedenen Farbtönen leuchten lassen

  • 10.09.2018
  • rk
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Thomas Wetzel ist Betriebsratsvorsitzender bei Osram in Berlin, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und Mitglied im Aufsichtsrat von Osram Deutschland. Osram – 26.000 Beschäftigte weltweit, davon 8.000 in Deutschland – war bis 2013 Teil des Siemens-Konzerns und durchlebt derzeit schwierige Zeiten. Im Interview sprechen er und Regina Katerndahl, die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, über neue Produkte und ihre Ideen, mit denen sie die Berliner Industriearbeitsplätze sichern wollen.

USB, APP, verschiedene Farben: die selbstleuchtenden Arbeitsschutzjacken von Osram könnten neue Beschäftigung für das Berliner Werk bringen

Thomas Wetzel, Betriebsratsvorsitzender bei Osram in Berlin, freut sich über das Beschäftigungspotenzial: "Ich glaube, dass da ein sehr großes Potenzial drinsteckt"

Regina Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, will "möglichst vielen Berliner Osram-Beschäftigten eine berufliche Perspektive ermöglichen"

Thomas, das Lichtgeschäft in Deutschland wird schwieriger. Wie ist die Situation bei Euch hier in Berlin derzeit?
Das Geschäft mit unseren klassischen Produkten ist rückläufig, manche Produkte wie beispielsweise Halogenlampen verschwinden sogar ganz vom Markt. Gleichzeitig haben neue Produkte wie LED-Lampen für Autos eine viel geringere Wertschöpfung als unser jetziges Kerngeschäft, die Produktion von Speziallampen. Da ist weniger Know-how nötig und das bedroht unsere Arbeitsplätze.

Wie viele seid Ihr derzeit am Berliner Standort?
Wir sind 800 Beschäftigte, davon mehr als die Hälfte direkt in der Produktion. Es wird schwieriger werden, das jetzige Beschäftigungsniveau zu halten, vor allem in der Produktion, zudem der Arbeitgeber angekündigt hat, 223 Stellen bis 2020 abbauen zu wollen.

Was macht Osram in Berlin gegen die rückläufige Entwicklung?
Wir haben erste gute Produkte im Bereich der SSL- und LED-Technik, von denen wir ausgehen, dass sie beschäftigungswirksam werden und wir in diesen Bereichen zusätzliches Personal benötigen. Gleichzeitig haben wir hier in Berlin in einer Entwicklungseinheit ein neues Produkt entwickelt: Arbeits- und Sicherheitskleidung, die selbst leuchtet.

Wofür braucht hat man die?
Die Autos werden in der Zukunft dauerhaft mit Fernlicht fahren. Dieses Licht funktioniert so, dass es entgegenkommende Autos oder Personen nicht blendet. Das bedeutet aber auch, dass die reflektierende Schutzkleidung, wie sie Straßenarbeiter oder Polizisten heute tragen, nicht mehr ausreichen wird. Die werden selbstleuchtende Kleidung tragen müssen. Diese sogenannten Textililluminationen haben wir hier als Prototypen in Berlin entwickelt. Das sind Textilien, die per USB geladen und per APP gesteuert werden. Man kann verschiedene Farben und Lichtintensitäten einstellen und die Kleidung ist in der Maschine waschbar.  

Das hört sich nach einem spannenden Zukunftsmarkt an, oder?
Ja, und wir freuen uns natürlich sehr, dass wir dieses innovative Thema hier bei uns am Standort Berlin entwickeln. Ich glaube, dass da ein sehr großes Potenzial drinsteckt. Da geht es um mehr als eine Handvoll Arbeitsplätze, es könnten einige neue Arbeitsplätze entstehen. Denn alles, was heute auf der Basis von Selbstreflektion  leuchtet, wird in Zukunft ausgetauscht werden müssen.

Wie habt Ihr Euch als IG Metall-Betriebsrat da eingebracht?
Wir haben den  Prozess aktiv begleitet. Wir haben mit den verantwortlichen Managern und mit den Entwicklern gesprochen und dort, wo es möglich war, unsere Kontakte eingesetzt. Und wir haben gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort das ganze Thema an den entsprechenden Stellen vorangebracht, indem wir es immer wieder auf die Agenda gesetzt und auch für uns als Standort geworben haben. In Zukunft werden wir den Prozess der hoffentlich dann entstehenden Arbeitsplätze intensiv begleiten. Bei Investitionen gestalten wir als Betriebsrat den ganzen Prozess kräftig mit.

Da geht es dann auch um Qualifikation, oder?
Genau, auch da haben wir für Berlin punkten können. Als Gesamtbetriebsrat  haben wir den Fit for the Future-Qualifizierungsfonds für Osram in Höhe von 500.000 Euro durchsetzen können. Damit wollen wir unsere Kollegen jetzt fit machen für die neuen Anforderungen, damit sie intern wechseln können. Das werden wir jetzt nutzen und schauen, was unsere Leute da brauchen.  Damit sichern wir die Arbeitsplätze der Kollegen hier im Werk.

Regina, wie kommt das neue Produkt bei Dir an?
Ich war erstmal begeistert, als mich der Betriebsrat Rène Weichert im Werk zu den Textililluminationen führte. Als Fahrradfahrerin bin ich sehr interessiert an leuchtenden Westen. Hier ist von einem großen Kundenpotential auszugehen. Als IG Metall arbeiten wir hier mit dem Betriebsrat beim Thema Qualifizierung zusammen.

Was macht die IG Metall Berlin da?
Um möglichst viele Kolleginnen und Kollegen mit in die Produktionsweise von morgen mitnehmen zu können, gilt es herauszufinden: Was können die Beschäftigten bereits? Wo liegen ihre Stärken? Welches Wissen wird in Zukunft benötigt? Und welche Form des Lernens passt am besten? Dies kann sowohl das Lernen im Betrieb als auch das Lernen bei einem professionellen Anbieter sein. Da unterstützen wir. Im Herbst werden wir diese Diskussionen mit externen Einrichtungen fortsetzen, die den Prozess dann fachlich weiter voranbringen können.

Hat der Tarifvertrag noch weitere Handlungsoptionen?
Dass Osram 500.000 € für Qualifizierung bereit stellt, ist eine gute Basis. 2015 haben wir einen Tarifvertrag Qualifizierung abgeschlossen. Ich kann mir vorstellen, dass wir die Mittel aus dem Qualifizierungsfonds mit den Optionen aus dem Tarifvertrag verbinden könnten, um möglichst vielen Berliner Osram-Beschäftigten eine berufliche Perspektive zu ermöglichen.


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