Warnstreik

Schnellecke: „Jetzt nehmen sie unsere Forderungen hoffentlich ernster"

  • 10.07.2019
  • ih
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Dass Schnellecke einen im Juli angesetzten Verhandlungstermin über eine Tariferhöhung 2019 absagte, nehmen die Kolleginnen und Kollegen ihrem Arbeitgeber krumm. Ihre Forderung haben sie heute mit einem Warnstreik untermauert.

alle Fotos: (c) Christian von Polentz/transitfoto.de

Ingo Harms (links) im Gespräch mit Beschäftigten von Schnellecke.

Pünktlich um 12.30 Uhr stellte die Frühschicht im Berliner Schnellecke Modul- und Lieferantenzentrum die Arbeit an, besetzten die Tore und informierten die eintreffenden Beschäftigten der Spätschicht, die dann auch gleich vor dem Tor blieben. Einige Führungskräfte versuchten noch einen Rumpfbetrieb aufrecht zu erhalten. Es dauerte aber nicht lange, bis die Auswirkungen des Streiks beziehungsweise die ersten Materialengpässe im benachbarten BMW-Werk spürbar würden.  

„Dass sich so viele Beschäftigte am Warnstreik beteiligt haben, sollte die Geschäftsführung nicht wundern, wenn sie Gesprächstermine einfach absagt“, erklärte Ingo Harms von der IG Metall Berlin. Der Ärger jedenfalls unter den Beschäftigten ist groß, genauso die Bereitschaft, die Warnstreiks zu wiederholen, wenn Schnellecke nicht in die Hufe kommt.

Darum geht es
2016 hatte BMW Berlin seinen Logistikbereich outgesourct und damit das Schnellecke Modul- und Lieferantenzentrum beauftragt. IG Metall und Geschäftsführung schlossen damals einen Haustarifvertrag ab, der zwar auf den Entgelten der Metall- und Elektroindustrie fußte, aber Zusatzleistungen wie den 2018 vereinbarten T-Zug, Weihnachts- und Urlaubsgeld nicht vorsah. Der T-Zug ist ein tarifliches Zusatzgeld, das Beschäftigte wahlweise auch in freie Tage umwandeln können. „Bei Schnellecke arbeiten die Kolleginnen und Kollegen bereits zwei Stunden länger und bekommen darüber hinaus weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld“, fasst Ingo Harms die Vergünstigungen für den Arbeitgeber zusammen. Dabei haben sie dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen stabilisiert hat und Schnellecke die Übernahme wirtschaftlich stemmen konnte. „Deshalb sind die Beschäftigten zurecht sauer“, so Harms.

Als die Geschäftsführung die für den 3.7. angesetzten Gespräche absagte und auch keine neuen ansetzen wollte, brachte dies das Fass zum Überlaufen. Der heutige Warnstreik war die Folge. Als die Zentrale in Wolfsburg davon erfuhr, reisten einige aus der Geschäftsleitung nach Berlin. „Sie waren offensichtlich überrascht von der hohen Beteiligung. Jetzt nehmen sie die Forderungen der Beschäftigten hoffentlich ernster“, sagte der Berliner Gewerkschaftssekretär.  

Was die Beschäftigten wollen, ist klar: Sie wollen eine wertgleiche Regelung für den T-Zug, der in der Metall- und Elektroindustrie als Tariferhöhung für das Jahr 2019 vereinbart worden war. Das entspricht einer Einmalzahlung von 1.000 Euro. Mit ihrer entschlossenen und kämpferischen Stimmung haben die Beschäftigten ihre Forderung ohne viel Worte untermauert. Es liegt jetzt am Arbeitgeber, ob der Warnstreik einmalig bleibt – oder eben nicht.

 


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