Beschäftigte protestieren gegen Abbaupläne

Siemens: Know-how wird für Energiewende gebraucht

  • 19.09.2019
  • mn
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute, Siemens

Einmal mehr will Joe Kaeser Arbeitsplätze bei Siemens schleifen. Dieses Mal rund 1.400, rund 470 davon im Berliner Schaltwerk. Dagegen haben an diesem Donnerstag rund 800 Beschäftigte, sowie Spandauer und Spandauerinnen demonstriert. Sie sind wütend, weil der Siemens-Vorstand ohne Not Beschäftigte abbauen will, deren Know-how für die Siemensstadt 2.0 gebraucht wird.

Der Betriebsratsvorsitzende Rüdiger Groß ist die Salamitaktik leid. Alle Fotos: Christian von Polentz / transitfoto.de

Für Regina Katerndahl haben die Beschäftigten reichtlich Know-how, mit denen sie die Energiewende gut mitgestalten sollten.

Der Spandauer Bürgermeister Helmut Kleebank hält wenig von den Plänen des Siemens-Vorstandes.

Für Günter Augustat, Sprecher der Berliner Siemens-Betriebsratsvorsitzenden, retten gute Ideen und Konzepte Arbeitsplätze, kurzfristiges Margendenken führt hingegen häufig in die Sackgasse.

Helin Evrim Sommer, Helmut Kleebank und Regina Katerndahl.

Die IG Metall Betriebsrätekonferenz der Bahnindustrie-Branche sendete eine Solidaritätsadresse an die Siemens-Beschäftigten.

Der Siemens Verbindungskreis Südwest hat eine Solidaritätsadresse gesendet.

„Erneut handelt der Siemens-Vorstand nach der kurzsichtigen Logik, was nicht genügend Marge bringt, das soll verkleinert, zergliedert und verkloppt werden“, kritisierte Regina Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall das Fahren auf Sicht von Joe Kaeser auf der Abschlusskundgebung. Rund 800 Beschäftigte sowie Anwohnerinnen und Anwohner aus Spandau waren gegen 13.00 Uhr von der Nonnendammallee Richtung Jakob-Kaiser-Platz marschiert, wo eine Stunde später die Abschlusskundgebung stattfand.

Der Siemensvorstand will rund 1.400 Arbeitsplätze im Geschäftsbereich Gas & Power Transmission Products an den Standorten Dresden, Erlangen, Nürnberg und eben Berlin abbauen. „Wir sind diese Salamitaktik leid und lehnen sie ab“, sagte Rüdiger Gross, Betriebsratsvorsitzender im Schaltwerk. In Berlin betroffen sein werden Arbeitsplätze in Bereichen sein, die im September 2020 in das neue Energieunternehmen ausgegliedert werden sollen. „Anstatt dass wir die Chancen der Ausgliederung ergreifen, um nachhaltige neue Produkte wie Wasserstoff zu entwickeln, gibt es wieder nur die Dauerbeschallung des Arbeitsplatzabbaus“, kritisierte Rüdiger Groß.

Der Sprecher der Berliner Siemens Betriebsratsvorsitzenden Günter Augustat machte den Beschäftigten Mut: „Es kann nicht sein, dass wir gemeinsam die Siemensstadt 2.0 aufbauen wollen und jetzt die Siemens Leitung wertvolle Industriearbeitsplätze und damit essentielles Know-how der Beschäftigten abbauen will. Dieses Wissen benötigen wir, wenn wir die Energiewende erfolgreich gestalten wollen“, sagte er. „Deshalb lohnt es sich, um diese Arbeitsplätze zu kämpfen. Und wir müssen Siemensvorstand Cedric Neike daran erinnern, dass Industriearbeitsplätze zur Siemensstadt 2.0 gehören.“ Dass kurzfristigen Margendenken nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zeigt sich gerade wieder im Gasturbinenwerk mit den zurückliegenden Personalabbau-Themen. Dort zieht das deutsche und internationale Servicegeschäft an und die Zahl der zu fertigenden Neuanlagen für internationale Kunden entwickelt sich sehr positiv.

Wichtige Rolle für die Energiewende
Gerade auch für die Eindämmung des Klimawandels ist das Know-how im Gas- und Powerbereich essenziell. „Dafür muss man aber den Beschäftigten eine Perspektive eröffnen. Wer dauernd in Unsicherheit um seinen Arbeitsplatz leben muss, kann nicht optimistisch Produkte und Prozesse weiterentwickeln“, kritisierte Regina Katerndahl. Know-how und Wissen haben die Beschäftigten jedoch reichlich und sie könnten die Energiewende gut mitgestalten – wenn man sie denn lässt. Deshalb betonte die Zweite Bevollmächtigte auch die Notwendigkeit, dass das auszugliedernde Energieunternehmen mit genügend finanziellen Ressourcen ausgestattet werden und auf das Know-how der Beschäftigten zurückgreifen können müsse. Dafür benötigten diese aber auch Sicherheit und gute Arbeitsbedingungen, betonte Regina Katerndahl.

Solidarität aus der Politik
Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank machte auf der Kundgebung deutlich, dass er wenig von den Plänen des Siemens-Vorstandes hält. „Natürlich setzen wir auf das Projekt Siemensstadt, was aber nicht geht ist, dass die Beschäftigten nicht wissen, wohin die Reise geht, weil sie nicht informiert werden. Von Die LINKE war die entwicklungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Helin Evrim Sommer, nach Spandau gekommen. Sie hatte ein Zitat von Joe Kaeser mitgebracht, in dem er die Manager an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnerte. Selbst aber wolle er in Spandau und an den anderen Standorten Arbeitsplätze ohne Not abbauen. Und so fragte sie zurecht: „Wo wird den Joe Kaeser seiner eigenen Verantwortung gerecht?“

Vor diesem Hintergrund gehen die Arbeitnehmervertreter und -vertreterinnen gestärkt in die am Montag beginnenden abschließenden Verhandlungen.

 


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