Zuzahlungen, Freistellungen, Beschäftigungssicherung

Tarifverträge sorgen auch in Krisenzeiten für Gerechtigkeit

  • 21.04.2020
  • Marius Sänger
  • Aktuelles, Corona, Tarif 2020 M&E

Nirgends zeigt sich der Nutzen von Gewerkschaften stärker als beim Thema Tarifverträge. Transparente und gute Entlohnung, mehr Urlaub, Weihnachts- und Urlaubsgeld, betriebliche Altersvorsorge, Zuschläge und Beschäftigungssicherung: Wer in einem Betrieb mit Tarifvertrag arbeitet, hat wesentlich bessere Arbeitsbedingungen als tariflose Beschäftigte. Und auch in der Corona-Krise sorgen die neuen Tarifabschlüsse für Gerechtigkeit.

Die Rechnung ist denkbar einfach: Zusammen ist man stärker als alleine. Das gilt umso mehr beim Aushandeln von Arbeitsbedingungen. Um sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, organisieren sich viele Beschäftigte in der IG Metall. Gemeinsam setzen sie sich für gute und transparente Arbeitsbedingungen für alle ein, im Zweifel auch mit Warnstreiks. Das Ergebnis sind Tarifverträge, die verbindliche Mindeststandards setzen, zum Beispiel beim Entgelt, beim Urlaubsanspruch, bei Zuschlägen oder Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Und der Einsatz lohnt sich, denn für Beschäftigte springt mehr heraus. Untersuchungen zeigen, dass in tarifgebundenen Betrieben rund 20 Prozent höhere Entgelte gezahlt werden als in tariflosen Betrieben.

Tarifverträge bieten eine ganze Reihe an Vorteilen

Das ist aber nicht der einzige Vorteil, denn Tarifverträge regeln neben dem monatlichen Entgelt oder dem Urlaubsanspruch oft auch noch die betriebliche Altersvorsorge, die Übernahme von Auszubildenden, Altersteilzeit, Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung oder die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit. Während in tariflosen Bereichen die wöchentliche Arbeitszeit häufig 40 Stunden beträgt, ist sie bei Geltung eines Tarifvertrags häufig deutlich geringer. Aktuell kämpft die IG Metall gegen den starken Willen der Arbeitgeber für eine Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit in der Metall- und Elektroindustrie im Osten von 38 Stunden auf 35 Stunden. Dies ist mehr als 30 Jahre nach Mauerfall mehr als überfällig.

Die Tarifverträge der IG Metall haben auch positive Auswirkungen auf Arbeitsverhältnisse in Unternehmen, die noch nicht tarifgebunden sind. Sie dienen häufig als Maßstab und haben rechtliche Auswirkungen, zum Beispiel bei der Ausbildungsvergütung von Azubis und Dual Studierenden in Unternehmen ohne Tarifvertrag. Dort ist mittlerweile gesetzlich geregelt, dass sie mindestens 80 Prozent der in ihrer Branche geltenden tariflichen Ausbildungsvergütung erhalten müssen. Außerdem ist mit der sogenannten Eckanbindung eine direkte Koppelung der Auszubildendenvergütungen an das Facharbeiterentgelt gelungen.

Tarifabschlüsse während der Corona-Krise

Auch in der Corona-Krise haben die neuen Tarifabschlüsse zu wesentlichen Verbesserungen für die Beschäftigten geführt. Der Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie vom 24. März 2020 sorgt für Beschäftigungssicherung, erweiterte Freistellungsmöglichkeiten für Eltern sowie für eine Abfederung sozialer Härten bei Kurzarbeit durch einen Solidarfond. Die Beschäftigten bei Textilen Dienstleistern erhalten eine Aufstockung ihres Kurzarbeitergelds auf 80 Prozent ihres pauschalierten Nettos – statt der gesetzlich vorgeschriebenen 60 Prozent bzw. 67 Prozent. Dies gilt ähnlich für das Berliner KFZ-Handwerk.

Darüber hinaus konnte die IG Metall bei den Textilen Diensten eine stufenweise Reduzierung der Arbeitszeit erzielen: ab 2023 werden im Osten wie im Westen 37 Wochenstunden gearbeitet. Diese und viele weitere Beispiele zeigen, mit Tarifvertrag ist man besser dran!

Übrigens: Einen verbindlichen tarifrechtlichen Anspruch auf Leistungen aus dem Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall. Richtig ist zwar, dass manchmal über Arbeitsverträge auch ohne Mitgliedschaft Tarifleistungen gewährt werden. Erstritten haben diese positiven Leistungen die Beitrag zahlenden, gewerkschaftlich organisierten Kollegen*innen. Ihnen gegenüber ist es nur fair, auch selbst Gewerkschaftsmitglied zu sein oder es zu werden. Der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt. Innerbetriebliche Fairness war schon immer ein wichtiger Wert.

Tarifverträge müssen erkämpft werden

Tarifverträge fallen nicht vom Himmel, sondern müssen in den meisten Fällen gegen den Willen der Arbeitgeber durchgesetzt und anschließend verteidigt werden. Die einfache Faustregel lautet: Je mehr Beschäftigte in der IG Metall organisiert sind, desto bessere Tarifverträge können anschließend verhandelt werden. Nur dort, wo wir unseren Forderungen mit betrieblichen Aktionen Nachdruck verleihen können, sind wir in der Lage, gute Tarifstandards durchzusetzen. Denn kommt am Verhandlungstisch kein Ergebnis zustande, müssen aktive Metaller und Metallerinnen etwas nachhelfen und Druck aufbauen. Aktionen oder Warnstreiks sind oft notwendig, um die Arbeitgeber zu einem (besseren) Angebot zu bewegen.

Eine starke IG Metall ist gut für alle – in der Krise und darüber hinaus

Die IG Metall ist nur so stark und durchsetzungsfähig wie ihre Mitglieder sie machen! Erst recht in Krisenzeiten ist es daher notwendig, die Kollegen und Kolleginnen umfassend zu informieren und für die IG Metall zu begeistern. Gemeinsam werden wir die Corona-Krise durchstehen und alles dafür tun, aus ihr gestärkt hervorzugehen.

Eine starke gewerkschaftliche Basis im Betrieb ist dafür Voraussetzung und sie ist euer Schutzschild, im Betrieb, jederzeit. Werdet deshalb jetzt Mitglied der IG Metall und überzeugt auch eure Arbeitskolleg*innen davon: schnell und einfach online www.igmetall.de/beitreten oder das Beitrittsformular herunterladen und per Post an die IG Metall Berlin schicken. Alle Leistungen der IG Metall im Überblick.

 

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