05.09.2025 | Die Berliner Industrie steht vor großen Herausforderungen – und sie packt sie an. Davon überzeugten sich gestern Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, bei einer gemeinsamen Werkstour. Auf dem Programm standen das Mercedes-Benz Werk sowie das Gilette-Werk.
Bereits im Juli hatten Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, und Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, die Standorte von GE Power und CARIAD besucht. Die Besuche sind Teil einer inzwischen etablierten Tradition: Der Regierende Bürgermeister nimmt sich regelmäßig Zeit, um gemeinsam mit der IG Metall vor Ort über die Perspektiven der Berliner Industrie zu sprechen.
Mercedes-Benz: Transformation als Chance
Am Vormittag startete die Tour im traditionsreichen Mercedes-Benz Werk in Marienfelde. Hier arbeiten aktuell rund 1.850 Beschäftigte. Noch vor wenigen Jahren war der Standort von der Schließung bedroht, nachdem der Konzern im September 2020 angekündigt hatte, keine Investitionen mehr in die Motorenproduktion im Werk in Berlin zu tätigen. Durch den entschlossenen Widerstand der Belegschaft und der IG Metall konnte jedoch eine zukunftsfähige Lösung durchgesetzt werden: 2022 wurde der Digital Factory Campus eröffnet.
Heute entwickelt sich Marienfelde zu einem Leuchtturm der Transformation. Neben Komponenten für E-Drive-Systeme sollen künftig auch innovative Axialfluss-Motoren produziert werden. Am Digital Factory Campus werden neue Softwareanwendungen erprobt und Beschäftigte für die Arbeitswelt von morgen qualifiziert.
„Im Mercedes-Benz Werk ist die Transformation in vollem Gange. Der IG Metall ist es wichtig, dass bei den laufenden Prozessen der Umstellung auf ein neues Produkt und den Digital Factory Campus, auch die Arbeitsplätze transformiert werden, so dass die Beschäftigten im Werk bleiben“, so Jan Otto, Erster Bevollmächtigter IG Metall Berlin. „Schon heute werden die Beschäftigten zum Teil umgeschult und weitergebildet. Ihre Arbeitsplätze müssen zukunftsfest gemacht werden.“
Procter & Gamble: Zukunft gesichert durch Tarifvertrag
Am Nachmittag führte die Werkstour ins Gillette-Werk von Procter & Gamble in Tempelhof. Rund 550 Beschäftigte stellen hier Premium-Rasiersysteme für den Weltmarkt her. Das Werk blickt auf fast 100 Jahre Geschichte zurück und hat sich in den letzten Jahren durch einen Zukunftstarifvertrag eine stabile Perspektive gesichert.
Der Zukunftstarifvertrag, den die IG Metall mit dem Unternehmen durchgesetzt hat, wurde bis Juni 2031 verlängert. Er sichert Beschäftigung, schützt vor Kündigungen und schafft Raum für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fertigung.
„Mit dem Zukunftstarifvertrag haben wir einen stabilen Rahmen geschaffen, um die Produktion in Berlin zu halten, die Beschäftigung zu sichern und kontinuierlich die Fertigungsprozesse im Werk weiterzuentwickeln. Das Werk hat eine stabile Zukunft und entwickelt sich sehr gut“, so Jan Otto, Erster Bevollmächtigter IG Metall Berlin. „Im Werk arbeiten die Beschäftigten 36 Stunden pro Woche grundsätzlich an vier Tagen und es werden automatisierte Nachtschichten gefahren. Bei Procter & Gamble wird sichtbar, dass eine erfolgreiche Zukunftssicherung der deutschen Industrie nur mit einer starken IG Metall möglich ist.“