Gewerkschaftstag 2019

Wir gestalten Zukunft

  • 15.10.2019
  • mn
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Der 24. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall ist am Samstag zu Ende gegangen. Die knapp 500 Delegierten haben den Vorstand bestätigt, knapp 800 Anträge debattiert und deutlich gemacht, dass 35 Stunden für alle auf der Tagesordnung bleibt. Klare Kante haben die Delegierten gegen rechtes Treiben gezeigt. Immer dabei, die Berliner Delegierten sowie Betriebsräte und Vertrauensleute aus Betrieben der Hauptstadt.

Highlights des 24. Ordentlichen Gewerkschaftstags der IG Metall

Die Delegierten haben über rund 800 Anträge beschlossen. Foto: Frank Rumpenhorst

Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin Fotos: alle nicht gekennzeichneten Fotos Christian von Polentz/transitfoto.de

Die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin Regina Katerndahl.

Dorothea Lay, Betriebsratsvorsitzende bei Thales: "Der Ansatz vom Betrieb her die Arbeit zu organisieren, das halte ich für wichtig und gut, es kommt darauf an, wie wir es jetzt umsetzen."

Günter Triebe, Berliner Delegierter: „Fridays for Future macht mir Mut, weil sich viele Jugendliche wieder politisieren und auch bei uns verstärkt mitmachen.“

Amadou Touré, Vertrauensmann bei Stadler: „Der politische Auftrag, die 35 Stundenwoche durchzusetzen, ist für uns sehr wichtig, denn in dieser Frage steckt ungemein großer sozialer Zündstoff.“

Soner Sinac, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei APCB im Kreis des Bundesmiigrationsausschusseses der IG Metall.

„Ich fand es sehr positiv, wie lebhaft die Delegierten diskutiert und ihre unterschiedlichen Positionen vertreten haben“, sagt Günter Triebe, Berliner Delegierter und Vertreter des aktiven Seniorenkreises der IG Metall Berlin. Sonac Siner, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei APCB, hat die programmatische Rede von Jörg Hofmann positiv wahrgenommen: „Er hat Richtung Arbeitgeber sehr deutlich gemacht, dass 35 Stunden pro Woche für alle genug sind und dass die IG Metall hier nicht locker lassen wird.“

Eines steht für beide fest: Vom Gewerkschaftstag geht ein kräftiges Signal Richtung Politik, Gesellschaft und Unternehmen aus. Beschäftigte, Betriebsräte und IG Metall wollen nicht nur die Arbeitswelt von morgen gestalten, sondern auch ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Sprich in Zeiten von Klimawandel und Transformation die Herausforderungen zu benennen und Lösungen zu suchen, anstatt davor die Augen zu verschließen.

Jörg Hofmann: „Die Politik muss den Ton angeben, nicht der Markt“

Transformation und Gewerkschaft
„Allen ist klar, dass wir künftig anders arbeiten und leben werden müssen und dass auch für uns als Metallerinnen und Metaller damit fundamentale Veränderungen einhergehen werden. Aber hieraus betriebliche Ziele mit den Beschäftigten abzuleiten, fordert uns alle heraus“, sagt die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Birgit Dietze. Einerseits müssen Produkte so entwickelt werden, dass sie weder Klima noch Umwelt belasten, was andererseits auch gegenwärtige Produkte in Frage stellt. Auch wird die Digitalisierung die Arbeitswelt von heute und morgen transformieren. „Unsere Aufgabe wird es sein, dass die damit verbundene Auflösung von Wertschöpfungsketten zwar Tätigkeiten ersetzt, aber nicht die Menschen“, sagt Regina Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall.

Die IG Metall vom Betrieb aus denken
Dafür müssen IG Metall und Betriebsräte aber noch stärker kooperieren, Vertrauensleute als Bindeglied zwischen Beschäftigten, Betriebsräten und IG Metall eine wichtigere Rolle spielen. „Vom Gewerkschaftstag kann eine positive Gestaltungskraft ausgehen, wenn wir unsere Mobilisierungsfähigkeit stärken“, sagt Amadou Touré, Vertrauensmann und Mitglied des Betriebsrats bei Stadler. Aus seiner Sicht kann das gelingen, wenn Ehrenamtliche dafür qualifiziert werden und Entscheidungen beteiligungsorientiert fallen, weil das Projekt IG Metall vom Betrieb aus denken dann glaubwürdig nach innen und außen strahlt. „Um mobilisieren zu können, sind Vertrauensleute enorm wichtig. Deshalb müssen sie gut kommunizieren können, schließlich wissen sie am besten, wie ihr Arbeitgeber tickt“, sagt er.

Das Projekt muss auch Antworten finden, zum Beispiel wenn sich Handlungsabläufe verschieben, erklärt Birgit Dietze. Wenn mehr und mehr Vorstände in der Zentrale entscheiden, verlieren Werksleitungen an Einfluss – aber auch die Betriebsräte vor Ort. „In diesem Fall werden Gesamtbetriebsräte und Unternehmensbeauftragte der IG Metall eine wichtigere Rolle spielen und auch die Organisation der Mitbestimmungsprozesse muss daraufhin ausgerichtet werden“, sagt sie.

35 Stunden für alle
Für Dorothea Lay, Berliner Betriebsratsvorsitzende bei Thales, ist die Angleichung der Arbeitszeit auf 35 Stunden elementar, denn diese Ungerechtigkeit schlägt tiefe Wunden in der Gesellschaft. „Gut war, dass Jörg Hofmann die Bedeutung dieser Forderung für die IG Metall sehr deutlich gemacht hat, auch gegenüber der Bundeskanzlerin“, sagt sie. Wenn es also nicht über die Fläche geht, dann wird die 35 Stundenwoche für alle ein Thema in jedem Betrieb.

Wie die Arbeitgeberseite bei diesem Thema agiert ist ein Hinweis darauf, dass die Auseinandersetzung der Sozialpartner zumindest bei der 35 Stundenwoche härter werden. Was das für die Zukunft heißt? „Nicht alle Arbeitgeber stellen die Sozialpartnerschaft in Frage, aber es gibt hier gegensätzliche Bewegungen und wir müssen sehen, wie wir künftig miteinander umgehen“, sagt Regina Katerndahl.

Zeichen gegen Hass und Hetze
Breit diskutierten die Delegierten in Nürnberg die Frage, wie umgehen mit Populisten und Rechtsradikalen. Sie legten eine Strategie fest und beschlossen: Mit rechtspopulistischen Parteien wie der AfD kann und darf es keine Zusammenarbeit geben. Gleichzeitig wollen Betriebsräte und IG Metall die Aufklärungsarbeit intensivieren und Aktiven im Betrieb zusätzliche Argumente an die Hand geben.

Der Vorstand soll laut Beschluss des Gewerkschaftstags eine Richtlinie erlassen mit dem Inhalt, dass IG Metall Mitglieder, die unsere Grundwerte für eine solidarische, offene und gerechte Gesellschaft nicht teilen, im oder außerhalb des Betriebes hetzen und rassistisches Gedankengut verbreiten, nicht gleichzeitig die IG Metall vertreten.

Gut aufgestellt in die Zukunft
Mit ihren Beschlüssen sehen sich IG Metall, Vertrauensleute und Betriebsräte gut aufgestellt für die nächsten vier Jahre. Das gilt auch für Berlin. „Für uns wird es auch darum gehen, dass wir uns als Organisation klug aufstellen und dass wir – Vertrauensleute, Betriebsrätinnen und Betriebsräte sowie IG Metall – gut miteinander kommunizieren. Dann können wir auch gemeinsam handeln“, sagt Birgit Dietze.

Mehr Informationen mit zahlreichen Videos und Berichten vom Gewerkschaftstag findet Ihr auf der Seite des IG Metall-Bezirks Berlin, Brandenburg, Sachsen und auf der Vorstandsseite der IG Metall.


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