Aktivenkonferenz

„Wir machen unsere Zukunft selbst“ – Berliner Aktive stellen die Weichen für Industriepolitik und starke Betriebsratswahlen auf der Aktivenkonferenz

22.11.2025 | Die dreitägige Aktivenkonferenz der IG Metall Berlin ist am Freitag zu Ende gegangen – und es wurde deutlich: Die mehr als 160 teilnehmenden Metallerinnen und Metaller machen ernst mit dem Anspruch, die Zukunft der Berliner Industrie selbst zu gestalten. Drei Tage lang wurde diskutiert, geplant und vernetzt – mit dem klaren Ziel eine gemeinsame industriepolitische Haltung zu entwickeln und sich entschlossen auf die Betriebsratswahlen 2026 vorzubereiten.

Aktivenkonferenz 2025 - Alle Fotos: Igor Pastierovic

Die Ausgangslage hätte ernster kaum sein können. Die deutsche Industrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Monat für Monat gehen aktuell 10.000 Industriearbeitsplätze verloren. Vor diesem Hintergrund startete die diesjährige Aktivenkonferenz der IG Metall Berlin am Mittwoch in Köpenick mit einem intensiven, zukunftsorientierten Blick auf die industrielle Entwicklung der Hauptstadtregion.

Konferenzauftakt: Industriepolitik im Fokus

Der Auftakt machte sofort spürbar, welches Wissen, welche Energie und welche Gestaltungskraft in den Berliner Betrieben steckt. In Workshops entwickelten die Teilnehmenden zunächst Thesen zu zentralen industriepolitischen Fragen. Diese flossen am Nachmittag in eine offene und intensive Debatte mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Gewerkschaft ein. Zu Gast waren:   

  •  Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall
  • Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen
  • Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin
  • Prof. Dr. Wolfgang Schroeder, Universität Kassel

Die Themenpalette war breit: Wie sichern wir Industriearbeitsplätze langfristig? Wie muss staatliche Förderung aussehen, um treffsicher und wirksam zu sein? Welche Innovations- und Mobilitätspolitik braucht Berlin, um Industriestandort zu bleiben?

Die Kolleginnen und Kollegen sprachen Klartext. Vom Mangel an bezahlbarem Wohnraum über Herausforderungen im Bildungssystem bis zur Ladeinfrastruktur oder fehlenden Weiterbildungsangeboten forderten sie deutliche Antworten von der Politik.

Zum Abschluss des Tages setzten die Teilnehmenden ein sichtbares Zeichen: Gemeinsam machten sie auf die Bedeutung der Ausbildungsplatzumlage aufmerksam. Hintergrund ist die derzeitige Kampagne von Arbeitgebern und Kammern gegen das geplante Modell. Die IG Metall Berlin kritisiert dieses Vorgehen scharf – zumal in dieser Woche bekannt wurde, dass die Handwerkskammer aus dem Bündnis für Ausbildung ausgestiegen ist. Weitere Informationen zum Thema Ausbildungsplatzumlage finden sich hier.

Zweiter Konferenztag: Raus in die Betriebe!

Am zweiten Tag ging es raus aus dem Konferenzraum und rein in die Praxis. Die Teilnehmenden besuchten in Gruppen zahlreiche Berliner Betriebe und kamen mit den Beschäftigten intensiv ins Gespräch: über ihre Erwartungen an die Betriebsratswahlen 2026, über akute Herausforderungen vor Ort und über politische Forderungen der Belegschaften, auch mit Blick auf die Berliner Senatswahlen im kommenden Jahr.

Bei den Besuchen konnten viele gute Gespräche geführt und zahlreiche Kolleginnen und Kollegen für die IG Metall gewonnen werden. Auch erhielten die Teilnehmenden einen realistischen Blick darauf, was die Beschäftigten jetzt brauchen. Die Impulse aus den Betrieben nehmen die Aktiven nun mit zurück und wollen sie entschlossen weiterverfolgen. Der zweite Tag machte deutlich: Gute Industriepolitik beginnt im Betrieb.

Tag drei: Startschuss für die BR-Wahlkampagne 2026

Der dritte Konferenztag legte schließlich den Grundstein für die Kampagne für die kommenden Betriebsratswahlen. In praxisnahen Workshops ging es darum, wie erfolgreiche Betriebsratswahlkampagnen geplant werden, wie wirksam digital kommuniziert werden kann und wie die Erkenntnisse aus den Betriebsbesuchen in konkrete Strategien übersetzt werden.

In der abschließenden Plenumsrunde wurde deutlich, was diese drei Tage geprägt hat: Austausch, Weiterbildung, Vernetzung und der feste Wille, die Zukunft der Berliner Industrie nicht anderen zu überlassen. Philipp Singer, Erster Bevollmächtigter (komm.) der IG Metall Berlin fasst zusammen: „Mit dem diesjährigen Schwerpunkt auf Industriepolitik haben wir bei der Aktivenkonferenz bewusst ein Experiment gewagt. Dabei wurde deutlich: Wir können nicht nur Tarifpolitik, sondern auch andere inhaltliche Zukunftsthemen gemeinsam voranbringen. Die über 160 Metallerinnen und Metaller haben gezeigt: Zukunft machen wir selbst und warten nicht darauf, dass andere sie für uns vorgeben.“

Von: Annika Schwarze

Unsere Social Media Kanäle