Abwehrkampf bei Hasse & Wrede nimmt weiter Fahrt auf

"Wir sind der Dämpfer für Knorr-Bremse"

09.07.2025 | Trotz guter wirtschaftlicher Lage will der Knorr-Bremse-Konzern seine Berliner Tochter Hasse & Wrede nach Tschechien verlagern. Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall wehren sich geschlossen gegen die Verlagerungspläne.

Die Beschäftigten von Hasse & Wrede kämpfen geschlossen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze - Fotos: IGM

Die Verlagerung des wirtschaftlich gut laufenden Unternehmens Hasse & Wrede (Tochtergesellschaft von Knorr-Bremse) in Marzahn ist nicht vom Tisch. Ganz im Gegenteil. Der Konzern hält an den Verlagerungsplänen für 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Berliner Traditionsunternehmens nach Tschechien fest. Ziel ist es, die ohnehin bereits hohen Erträge der Firma durch niedrigere Lohnkosten im tschechischen Liberec weiter zu steigern.

Druck von der Arbeitgeberseite

Die Arbeitgeberseite macht Druck und möchte schnellstmöglich mit der Werksverlagerung beginnen. Um dies umsetzen zu können, benötigt das Unternehmen einen Interessenausgleich, der mit dem Betriebsrat verhandelt werden muss. Dabei wird die Maßnahme an sich besprochen und das Für und Wider abgewogen. Bislang sind sich die Beschäftigten, der Betriebsrat und die IG Metall einig, dass die gut eingespielte und profitable Produktion von Schwingungsdämpfern für den LKW-Markt in Berlin verbleiben soll. Zu stark wären die Nachteile für die Beschäftigten und ihre Familien. Die überaus loyale Belegschaft kann nach wie vor nicht nachvollziehen, wie technokratische Entscheidungen die guten Argumente der Beschäftigten ignorieren. Denn eine qualitativ so hochwertige Produktion wie in Berlin ist nicht so ohne Weiteres in Tschechien aufzubauen. Ingenieurinnen und Ingenieure des Unternehmens bezweifeln, dass dies im Nachbarland ohne Qualitätsverluste für die Kunden im Markt für Nutzfahrzeuge gelingt.

Beschäftigte kämpfen für ihren Standort

Mittlerweile ist die Belegschaft auf Betriebstemperatur. Jede Verhandlung wird von den Kolleginnen und Kollegen vor der Tür lautstark begleitet. Dies ist wichtig, damit die Unternehmensverantwortlichen direkt spüren, dass es hier um Menschen geht, die eine andere Sichtweise vertreten. Am Donnerstag, dem 10. Juli 2025, ist eine ausführliche Betriebsversammlung mit Gästen aus der Münchner Konzernzentrale und der Politik geplant.Sie soll der Belegschaft Raum für Mitsprache und Informationsaustausch geben. Es wird darum gehen, die Interessen der Belegschaft deutlich zu machen. Einen Tag später treffen sich Arbeitgeberseite, Betriebsrat und IG Metall zur nächsten Verhandlungsrunde. Die Zeit drängt und alle wollen vor den Sommerferien eine Lösung dieser angespannten Situation. Wird sie zustande kommen?

Rückblick auf 2017: Ein erfolgreicher Widerstand

2017 hatte es die Belegschaft schon einmal erwischt, konnte aber die Verlagerung verhindern. Damals kam es zusätzlich zu einem Konflikt im Tegeler Werk der Knorr-Bremse-Powertech. Beide Belegschaften zusammen entfalteten so viel Gegenwind, dass die Zentrale in München die Verlagerung von Hasse & Wrede abblies. Aus diesen Erfahrungen haben die Belegschaften gelernt und wissen: Gute Lösungen sind möglich, wenn ALLE zusammenhalten. Daran zweifelt aktuell niemand.

Sollte der Konzern nicht zu fairen Lösungen in Marzahn bereit sein, werden bereits Stimmen in der Belegschaft laut, die auf die Möglichkeit von Warnstreiks im Rahmen von Tarifforderungen verweisen. Dies wäre eine neue Ebene des Konflikts. Sie wird immer dann betreten, wenn die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeberseite als ungenügend bewertet wird. Dann kommt gewissermaßen der große Bruder des Sozialplans: der Sozialtarifvertrag, unter direkter Verhandlungsführung der IG Metall. So kann eine Belegschaft auch zum Arbeitskampf aufgerufen werden, um ihre Interessen durchzusetzen. Das geht allerdings nur, wenn eine Belegschaft komplett in der IG Metall organisiert ist. Und dies ist bei Hasse & Wrede der Fall.

 

Berichterstattung:

IG Metall Berlin, 12. Juni 2025, Hasse & Wrede in Marzahn – Abwehrkampf gegen die Verlagerung nimmt Fahrt auf 

IG Metall Berlin, 16. Mai 2025, Werkschließung bedroht weiterhin Belegschaft von Hasse & Wrede

IG Metall Berlin, 27. März 2025, Trotz Rekordumsatz: Knorr-Bremse kündigt Schließung von Hasse & Wrede in Berlin an

Von: Andreas Buchwald

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