Beschäftigte demonstrieren für sichere Arbeitsverhältnisse

Atos AIT: Mit Steuergeldern Lohndumping fördern?

  • 26.05.2017
  • sst
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Für sichere Arbeitsverhältnisse und die Festanstellung der Leihbeschäftigten demonstrierten heute die 21 Beschäftigten des Biesdorfer Atos-Standorts. Ihre Lage ist prekär. Statt einer versprochenen Festanstellung bei der Stadt Berlin, will sie Atos AIT nun an ein Subunternehmen ausgelagern. Atos will seine Gewinne auf Kosten der Beschäftigten maximieren. Das ist eine Sauerei.

Mit Trommeln, Tröten und Trillerpfeifen zogen die Atos-Beschäftigte zum Gelände der Internationalen Gartenschau (IGA) in Marzahn, um auf ihre unsichere Situation aufmerksam zu machen. Unterstützung erhielten sie dabei von Betriebsräten und Vertrauensleuten anderer Atos-Standorte, von Bosch Service Solutions, GE, aus dem Ortsjugendausschuss und der Telekom.

Beschäftigte wie Demonstrierende sind sich einig: Nach bis zu 13 Jahren als Leihbeschäftigte im Dienst für das Land Berlin wird es endlich Zeit für eine Festanstellung! Die Beschäftigten verrichten Verwaltungsaufgaben für die Berliner Polizei. Sie scannen  Strafzettel ein, damit Bußgeldbescheide erstellt werden können Zwei Drittel der Belegschaft besteht aus Leiharbeitern. Bisher erhielten sie auf Grund einer Betriebsvereinbarung das gleiche Entgelt wie die Festbeschäftigten.

Statt einer Festanstellung und der vom Land ursprünglich geplanten Wiedereingliederung in das IT Dienstleistungszentrum des Landes (ITDZ) droht ihnen nun jedoch die Verschiebung zu einem Subunternehmer. Was genau geplant ist, haben Betriebsrat und Belegschaft bisher nicht erfahren.

Atos hat allerdings angekündigt, mit dem Vertrag eine größere Gewinnmarge erwirtschaften zu wollen. Bei gleichbleibendem Entgelt der Beschäftigten müsste entsprechend das Land einen höheren Betrag an Atos bezahlen. Oder Atos will durch die Verlagerung auf einen Subdienstleister niedrigere Entgelte für die Beschäftigten durchsetzen. Atos ist weltweit eines der größten IT-Dienstleistungsunternehmen und betreibt für andere Firmen deren ausgelagerte IT-Abteilungen. Bei Atos gilt der Rahmentarifvertrag IT-Dienstleistungen.

Allerdings hat Atos viele IT-Wartungsaufgaben schon an Subunternehmen ohne Tarifvertrag vergeben, die Entgelte nur knapp über dem Mindestlohn zahlen. Die Beschäftigten verlangen deshalb, dass die Atos-Geschäftsführung ihre Planungen endlich mit dem Betriebsrat bespricht.

Klarheit fordert die Belegschaft allerdings auch vom Berliner Senat. Sie wollen wissen, wieso die Wiedereingliederung in das ITDZ bisher nicht wie vorgesehen stattgefunden hat und wie der Senat künftig gute Arbeitsbedingungen für die Belegschaft sicherstellen will.

Viele Besucher der IGA zeigten sich erstaunt, dass die Strafzettel der Berliner Polizei von ausgelagerten Leiharbeitern bearbeitet werden. Dass diesen nun aber nach 13 Jahren im Betrieb statt einer unbefristeten Übernahme der Austausch durch andere Leiharbeiter droht, fanden Demonstrationsteilnehmer wie Besucher eine Sauerei.



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