Gelungener Jahresauftakt im IG Metall-Haus

„Wir haben gute Konzepte und wir können kämpfen“

  • 19.01.2017
  • ka
  • Betriebsräte/Vertrauensleute, Vertrauensleute, Video, Bildergalerie, Aktuelles

Gut 150 Metallerinnen und Metaller aus den Berliner Betriebsräten und Vertrauenskörpern läuteten am Donnerstagabend gemeinsam mit IG Metall-Vorstand und -Finanzchef Jürgen Kerner das Gewerkschaftsjahr 2017 im IG Metall-Haus ein.

Video vom Jahresauftakt

Jürgen Kerner, IG Metall-Vorstand und -Finanzchef auf der Jahresauftaktveranstaltung der IG Metall Berlin: "Wir haben gute Konzepte und wir können kämpfen."

Nach dem von Metal-Beats und Demotröten geprägtem Rückschau-Video 2016 war klar - mit dieser IG Metall Berlin, ihren Betriebsräten, Vertrauensleuten und Mitgliedern in den Berliner Betrieben, hat 2016 ziemlich viel gut funktioniert: Die Mobilisierung während der Tarifrunde war stark, bei den betrieblichen Auseinandersetzungen haben sich die Belegschaften gegenseitig unterstützt und auch die Mitgliederentwicklung hat gut funktioniert. 2.212 neue Mitglieder sind 2016 in die IG Metall eingetreten: „Das ist ein gutes Ergebnis und macht uns stark für das, was vor uns liegt“, sagte Klaus Abel, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin in seiner Rede.

Als Herausforderungen für 2017 benannte Klaus Abel die betrieblichen Auseinandersetzungen, den Bundestagswahlkampf,  die Arbeitszeitkampagne sowie die Themen Sicherheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. „Wir erwarten von der Polizei, dass sie uns vor Terror schützt“, sagte er. „Aber wir haben keinen Platz für Nazis und Rechtsradikale. Wir stehen für Weltoffenheit und Toleranz.“ Er betonte weiter, dass diese nicht vom Himmel fallen, sondern erstritten werden müssen. „Es reicht nicht, auf die Politiker da oben zu schauen“, so Klaus Abel weiter. „Wir müssen selber gestalten. Das ist unser Politikmodell, dass wir den Rechtsradikalen von Afd und Co entgegen stellen.“

Klaus Abel sprach auch das Thema soziale Gerechtigkeit an: „Diese Selbstgerechtigkeit in Davos, der Wahnsinn, dass acht reiche Männer genauso viel Vermögen haben wie 3,7 Milliarden Menschen, und das ist die Hälfte der Menschheit, oder der Skandal um die Entlohnung von Winterkorn bei VW: Wir müssen die Gerechtigkeitsdiskussion führen. Und ich verspreche Euch, das werden wir auch tun.“

„Wir sind die einzige Großorganisation in Deutschland, die ihrer Stärke halten konnte“, sagte IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner zu Beginn seiner Rede. Der Finanzchef der IG Metall stellte die Arbeitszeitkampagne in den Mittelpunkt seiner Rede vor den 150 Berliner Metallerinnen und Metaller: „Wir fragen jetzt die Beschäftigten in 13.800 Unternehmen, weil wir wissen wollen, was erwarten die Beschäftigten, wenn es um ihre Arbeitszeit  geht.“

Kerner sagte, dass die IG Metall in den vergangenen Jahren die Handlungshoheit über das Thema Arbeitszeit an die Arbeitgeber abgegeben habe: „In vielen Betreiben haben wir fünfzehn bis achtzehn Schichten, viele müssen am Wochenende arbeiten oder arbeitet mit Arbeit auf Abruf. Nur noch ein Viertel der Beschäftigten hat die 35 Stunden-Woche.“ Das gehe so nicht weiter: „Es ist unsere Zeit und darüber wollen wir wieder selber bestimmen.

Jürgen Kerner betonte, dass im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Überstunden in Deutschland nicht bezahlt worden seien. „Auch hier haben wir eine klare Botschaft: Schluss mit unbezahlten Überstunden!“ Weiter kündigte er an, dass sich die IG Metall in die Bundestagswahl einmischen werde: „Nicht die rechten Rattenfänger sind das Sprachroher der Beschäftigten, sondern wir: die Betriebsräte, die Vertrauensleute, die Gewerkschaften, die IG Metall. Wir haben gute Konzepte und wir können kämpfen. Wenn wir das als Motto nehmen für 2017, muss uns nicht bange sein.“

Zum Schluss berichteten einige Kolleginnen und Kollegen aus ihren Betrieben. Stefanie Siegmund von GE stellte das Konzept des Betriebsrats zur Digitalisierung im Konzern vor. Günther August, Betriebsratsvorsitzender beim Siemens Gasturbinenwerk, berichtete von der Schwierigkeit, dass die Auszubildenden bei Siemens nicht mehr automatisch in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Und Bojan Westphal, Leiter des Vertrauenskörpers im Mercedes Benz-Werk Berlin, berichtete von einem neuen Seminar für Neu-Mitglieder in der Metall, mit der die Vertrauensleute die neuen Kolleginnen und Kollegen willkommen heißen. 200 Kolleginnen und Kollegen sind 2016 bei Mercedes neu in die IG Metall eingetreten - so viele wie in keinem anderen Berliner Unternehmen.


Drucken Drucken