9.11.17 Veranstaltung IG Metallhaus - Wir gedenken

Siemens-Zwangsarbeiterinnen – den Opfern eine Stimme geben

  • 31.10.2017
  • mn
  • Aktuelles, Siemens, Betriebsräte/Vertrauensleute

Am 9. November 1938 organisierten die Nazis die Reichspogromnacht. Heute ist der 9. November - zugleich Tag des Mauerfalls 1989 - ein Tag des Gedenkens an die Opfer der NS-Diktatur. In diesem Zeichen steht die Veranstaltung Wir gedenken und erinnern an Zwangsarbeit für Siemens im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Der ehemalige Siemens-Betriebsrat Wolfgang Walter spricht im Interview über die Bedeutung von Erinnern und was das mit der Gegenwart zu tun hat.

In der Reichspogromnacht verfolgten und töteten die Nazis jüdische Menschen und zerstörten jüdische Geschäfte. Es war ein Zeichen, das Krieg, Verfolgung und Holocaust ankündigte. Du hast Dich sehr mit der Geschichte von Zwangsarbeit für Siemens in Ravensbrück beschäftigt. Warum?

Die ersten Besuche in Ravensbrück gingen unter die Haut, und als Siemens-Betriebsrat war es naheliegend, das Thema Zwangsarbeit aufzugreifen. Das große Unrecht, die Frauen ihrer Rechte, ihrer Freiheit und Würde zu berauben, sie sprachlos und namenlos zu machen und die Mitverantwortung von Siemens hierbei mussten aufgearbeitet und öffentlich gemacht werden. Indem wir dieses tun, geben wir den Opfern eine Stimme, verschaffen ihnen Gehör.

Wer ist wir?
Veranstalter sind die Gedenkstätte Ravensbrück, der Internationale Freundeskreis e.V. für die Gedenkstätte (IFK) sowie die IG Metall Berlin.

Wie werdet Ihr am 9.11. gedenken?
Im Frühjahr ist das Buch „Zwangsarbeit für Siemens im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“ erschienen. Herausgeber ist der IFK. Dieses Buch stellen wir umfassend vor; einerseits seine wissenschaftlichen Ergebnisse zur Zwangsarbeit, andererseits die kommentierten Berichte von Zeitzeuginnen. Durch Lesungen aus den Berichten kommen Zwangsarbeiterinnen zu Wort. Darüber hinaus präsentieren Siemens-Auszubildende ein Interview, für das sie die Ravensbrück-Überlebende Selma van de Perre besucht haben.

Dazu muss man wissen, dass die Berliner Siemens-Betriebsrats¬vorsitzenden zusammen mit der Siemens-Werkberufsschule das Projekt "siemens@ravensbrück" auf den Weg gebracht haben, und zwar inzwischen ausdrücklich anerkannt und unterstützt durch die Siemens-Leitung. Eure Idee: Junge Auszubildende von Siemens gestalten in der Gedenkstätte Ravensbrück eine Projektwoche. Ein wichtiger Teil sind Begegnungen mit Zeitzeugen und dazu gehört auch das Treffen mit Selma van de Perre.

Richtig. Diese Begegnungen hinterlassen immer wieder eine immense Wirkung. Gerade Selma van de Perre ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit. Auf der Veranstaltung präsentieren die Siemens-Auszubildenden ihr Video erstmals.

Der Siemenskonzern steht mittlerweile zu seiner Verantwortung?
Ja und das ist ein positives Zeichen, was Erinnerungsarbeit bewirken kann. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern nur über kontinuierliches Einfordern. Über einzelne kleine Projekte ist Stück für Stück Vertrauen entstanden mit dem Ergebnis, dass heute Auszubildende in Ravensbrück die Geschichte erfahren können und Siemens seine Unternehmensgeschichte nicht mehr versteckt. Das freut mich sehr.

Was erhoffst Du Dir von diesem Erinnern?
Wir sollten den Anfängen wehren, die NS-Verbrechen zu verharmlosen oder diese gar zu revidieren. Das konkret erlittene Unrecht muss hörbar bleiben. Dafür wollen wir junge Menschen sensibilisieren. Außerdem gibt es weltweit nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 25 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die gnadenlos ausgebeutet werden. Das ist die aktuelle Seite der Medaille.


Veranstaltung am 9. November 2017, 17 Uhr Alwin-Brandes-Saal im Haus der IG Metall, Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin

Veranstaltet von der Mahn-und Gedenkstätte Ravensbrück, dem Internationalen Freundeskreis e.V. für die Mahn-und Gedenkstätte Ravensbrück sowie der IG Metall Berlin