Personaldienstleister im IT-Sektor

Bald Haustarifvertrag bei tecops?

  • 20.12.2016
  • sst
  • Aktuelles, Leiharbeit, Betriebsräte/Vertrauensleute

Ab April 2017 sollen nach dem Willen der Regierungsparteien neue Regeln zur Abgrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen gelten. Für die per Werkvertrag beim Personaldienstleister tecops beschäftigten IT-Kräfte hat das zunächst einmal negative Folgen. Gleichzeitig aber schauen Betriebsrat und Geschäftsführung nach vorne. Sie könnten zu Vorreitern der Branche werden.

Die Kollegen freuen sich auf die Verhandlungen über einen fairen Haustarifvertrag.

Bisher wendet die tecops personal GmbH - ein Unternehmen der Allgeier Experts SE - flächendeckend den Tarifvertrag für Leiharbeit (BAP) auf alle Beschäftigten an. Um künftig wie vom künftigen Gesetz gefordert eine klare Abgrenzung zu erreichen, will das Unternehmen den Flächentarifvertrag Leiharbeit für die Werkvertragsbeschäftigten nicht mehr anwenden und den Kollegen neue Arbeitsverträge ausstellen.

Die fürchteten Verschlechterungen und den Verlust der regelmäßigen Entgelterhöhungen. Deshalb wandte sich der Betriebsrat an die IG Metall mit der Bitte, hinsichtlich eines Haustarifvertrags ihn zu unterstützen. Denn die befürchteten Nachteile ließen sich nur schwierig oder gar nicht mit Betriebsvereinbarungen kompensieren.

Die Geschäftsführung der tecops signalisierte Verhandlungsbereitschaft. Mit diesem Schritt hebt sich das Unternehmen positiv von vielen Mitbewerbern im Personaldienstleistungssektor ab. Die Verhandlungen für den Haustarifvertrag sollen in Kürze beginnen. Ziel ist es, dass den Beschäftigten keine Nachteile entstehen, wenn der alte Flächentarifvertrag durch einen Haustarifvertrag ersetzt wird. So sollen jährliche Entgelterhöhungen auch im neuen Haustarifvertrag festgeschrieben werden, wie auch die Dynamisierung der Urlaubsansprüche (von 24 auf bis zu 30 Tage bei steigender Vertragsdauer) und einen Anspruch auf Sonderurlaub bei Hochzeit oder Tod von nahen Angehörigen.

Mit dem Vorstoß, einen eigenen Tarifvertrag verhandeln zu wollen, leistet die Belegschaft aus Berlin gewissermaßen Pionierarbeit in ihrer Branche. Während viele anderen Dienstleister noch vehement gegen Betriebsräte oder Wahlvorstände vorgehen, weil sie Mitbestimmung verhindern wollen, fokussieren sie bei tecops auf das Wesentliche. Belegschaft und Geschäftsführung sind sich einig: Eine ausgewogene Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und den Belangen der Arbeitnehmer erhalten Arbeitsplätze und sichern die Attraktivität des Unternehmens.

Aktuell werben die Kollegen möglichst viele Gewerkschaftsmitglieder, um die Verhandlungen mit einer starken Basis im Rücken führen zu können. Als nächsten Schritt werden die Mitglieder im Januar eine Tarifkommission wählen, die dann einen Vertragsentwurf als Grundlage für die Verhandlungen erarbeiten wird.


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