Betriebsräte/Vertrauensleute

Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie - mit Berichterstattung und Bildergalerie

Starker Start in die erste Warnstreikwelle in Berlin

31.10.2022 | Mitternacht in Berlin-Marienfelde. Das Werk ist angeleuchtet mit der Forderung nach 8 Prozent, vor dem Werktor versammelten sich für eine Stunde rund 200 Metallerinnen und Metaller. Die Bänder standen eine Stunde still. Nach dem unverschämten Angebot der Arbeitgeber am Freitag von 3.000 Euro für 30 Monate war klar: Jetzt gibt es Warnstreiks! Die Kolleginnen und Kollegen sind sichtlich empört über das Angebot der Arbeitgeber.

Starker Warnstreikauftakt um Mitternacht - Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter IG Metall Berlin redet vor rund 200 Metallerinnen und Metallern

Bezirksleiterin Irene Schulz vor dem Mercedes-Benz Werk - Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Vertrauenskörperleiter Patric Succo vor dem Mercedes-Benz Werk um Mitternacht - Foto: Christian von Polentz, transitfoto.de

Die Forderung nach 8 Prozent leuchtete rot in der Nacht am Werk

In der Nacht leuchtete der Fernsehturm mit dem IG Metall Logo

Unsere Forderung am Haus der Wirtschaft - Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Betriebsratsvorsitzender Fevzi Sikar vor dem Mercedes-Benz Werk - Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Start in die Warnstreiks in Berlin - Mitternacht vor dem Mercedes-Benz Werk - Foto: IG Metall

„Bei zweistelligen Umsatzrenditen für die Mercedes Benz AG ist unsere Forderung nach 8 Prozent mehr als gerechtfertigt. Dafür gehen wir in den Konflikt!“, sagte Fevzi Sikar, Betriebsratsvorsitzender im Mercedes-Benz Werk in Marienfelde.

Der Start in die Warnstreiks vor dem Mercedes-Benz Werk mit Feuertonne um Mitternacht hat Tradition. Beschäftigte von Mercedes-Benz aus der Nacht- und Spätschicht, aber auch Kolleginnen und Kollegen aus dem BMW-Werk in Spandau, von ASML, Procter & Gamble, Mercedes-Benz in Ludwigsfelde, GE und Siemens waren zum Auftakt nach Marienfelde gekommen.

„Die Arbeitgeber haben auf Zeit gespielt, aber nichts gewonnen - viel schlimmer: wertvolles Vertrauen wurde massiv auf die Probe gestellt. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten zurecht, dass sich auch die Arbeitgeber an den massiv gestiegenen Kosten beteiligen und mit uns eine kräftige Lohnerhöhung aushandeln“, sagte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter in seiner Rede um Mitternacht. „Da dies im Rahmen der Friedenspflicht nicht gelungen ist, greifen wir nun zu unserem ureigensten Mittel: den Warnstreiks. Kraftvoll war der Auftakt - und kraftvoll geht es weiter. Aufhalten kann uns nur ein Angebot, dass diesen Namen auch verdient hat.“

Um Mitternacht dabei war auch Irene Schulz, Verhandlungsführerin und IG Metall Bezirksleiterin Berlin-Brandenburg-Sachsen: „Das war ein ganz starker Start in die heiße Phase der Tarifauseinandersetzung. Für die nächsten 30 Monate bieten die Arbeitgeber konkret nur eines an: eine Einmalzahlung von 3.000 Euro. Die soll reichen bis 2025. Die Metallerinnen und Metaller brauchen aber eine dauerhafte Erhöhung ihrer Monatslöhne. Die stellen die Arbeitgeber ganz vage in Aussicht, nennen aber nicht einmal eine Prozentzahl. Dieses Angebot verkennt die Realität der Beschäftigten: Es geht hier nicht um Champagner und Kaviar. Es geht um Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent für Nudeln, Tomatensauce, Butter und Milch. Es geht um die monatliche Gasrechnung für eine warme Wohnung, um die Tankfüllung für den Weg zur Arbeit. Und diese Kosten fallen nicht einmalig, sondern monatlich an. Deshalb braucht es eine nachhaltige Entgelterhöhung.“

„Wir spüren es jeden Tag an der Kasse im Supermarkt, an den Zapfsäulen und an den hohen Energiekosten. Am Freitag wurde gerade mal wieder gemeldet, dass die Preise im Oktober extrem angestiegen sind und wir längst eine Inflation oberhalb von 10 Prozent in Deutschland haben. Eine Besserung ist nicht in Sicht“, sagte Patric Succo, Vertrauenskörperleiter im Mercedes-Benz Werk in seiner Rede. „Und das dicke Ende der Betriebskostenabrechnungen kommt erst noch. Wir Kolleginnen und Kollegen müssen das alleine stemmen. Die meisten Arbeitgeber können ihre höheren Kosten einfach auf den Endverbraucher abwälzen, in dem sie ihre Produkte teurer auf dem Markt anbieten und die Gewinne schießen weiterhin in die Höhe.“

Bojan Westphal, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Mercedes-Benz in Berlin-Marienfelde ergänzte: „Wir fordern 8 Prozent mehr Geld, um die Kaufkraft zu stärken. Wir brauchen eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte, damit der private Konsum steigt. Denn der private Konsum ist der Motor der Wirtschaft.“

In der Nacht erstrahlte auch der Fernsehturm mit dem IG Metall Logo und auf dem Haus der Wirtschaft der Arbeitgeber leuchtete am späten Sonntagabend die Forderung nach 8 Prozent.

Berichterstattung:

rbb 24 - ausführlicher online Bericht, 31. Oktober

Berliner Abendblatt online, 31. Oktober

Radio Paradiso, 31. Oktober

Zeit online, 31. Oktober

Wall Street online, 31. Oktober

Berliner Zeitung online, 31. Oktober

Junge Welt online, 31. Oktober

Von: Andrea Weingart