Radtour - Vier Berichte

Zwei Senioren auf dem Weg von Berlin nach Wien

22.09.2015 | Am 13. September sind Hartmut Herold und Günter Triebe mit ihren Rädern nach Wien gestartet. Über Märkisch Buchholz, Schlepzig und Lübben ging es nach Lübbenau. Viel Wald, viele Seen und freundliche Menschen waren die wichtigen Erfahrungen des ersten Tages.

Günter Triebe und Hartmut Herold

Dann ging es weiter nach Senftenberg, an vielen Seen vorbei, die aber zum Teil noch nicht renaturiert waren. Die letzten 14 Kilomter im Regen haben sie auch überstanden.

"Ohne Regen fuhren wir nach Dresden über Radeburg und durch einen Wald bis fast an die Elbe. Im Wald mussten wir über 100 Höhenmeter bergab. Das war eine echte Herausforderung. Weiter ging es an der Elbe bis Wachwitz. Bis dahin hatten wir 220 Kilometer zurückgelegt.

Am vierten Tag fuhren wir durch das unrühmliche Heidenau und Pirna weiter nach Bad Schandau bis Decin in Tschechien. Hier ist man zigmal mit dem Zug durch gefahren und hat gar nicht gemerkt, dass es ein schöner Ort ist."

Zweiter Bericht:

"Gestern sind wir früh in Decin gestartet. Die Osteuropäer sind alle Frühaufsteher. Mal ging es links, mal ging es rechts der Elbe entlang. Das Elbtal wurde immer breiter, die Berge rückten in den Hintergrund. Der Radweg war zum Teil ausgezeichnet, zum Teil sehr schlecht. In Litomerice waren wir sehr erstaunt über den wunderschönen Marktplatz. Weiter ging es über Roudnice bis nach Melnik, wo die Moldau in die Elbe fließt. Bis dahin waren es 102 km.

Heute sind wir in Melnik früh gestartet und rechts und links der Moldau nach Prag geradelt. In Prag war die Radelei fast wie in Istanbul. Rücksichtslose Autofahrer, kein Platz für Radfahrer, es war richtig unangenehm. Aber nach Prag war es auch nicht viel besser. Aber man findet immer nette Gaststätten mit freundlichen Menschen.

Das Ziel war heute Rizany, das waren 89 km. Viele Höhenmeter, aber wir sind glücklich. Morgen geht es weiter Richtung Brunn."

Dritter Bericht:

"Am 7. Tag fuhren wir weiter kräftig hoch und runter Richtung Osten. Irgendwann stellten wir fest, dass wir bei diesem Gelände so nicht weiter kommen und wandten uns nach Süden. Wir wollten den "Greenway" von Prag nach Wien nehmen. Das haben wir dann auch gemacht. Da wir aber zunächst in die falsche Richtung gefahren sind, haben wir an diesem Tag nur 53 Kilometer geschafft. Endpunkt war Tynec an der Sazawe. Hier waren wir abends noch bei einem Rockkonzert im Schlossgarten.

Am 8. Tag ging es so heftig hoch und runter (mehr als 700 Höhenmeter), dass wir am Abend entschieden haben, dass es so nicht zu schaffen ist, bis zum 24. September 2015 in Wien zu sein. Da haben wir unser Hotelzimmer gebucht. Nach sehr anstrengenden 75 Kilometern sind wir in Tabor angekommen.

Am Abend haben wit entschieden, direkt zur Donau runterzufahren und zwar mit dem Zug nach Linz. Damit haben wir kaum Kilometer gespart, aber Höhenmeter.

Am 9. Tag fuhren wir mit der Bahn nach Linz und sind jetzt in Enns gelandet, der Ältestenrat Stadt Österreichs. Jetzt sind es noch circa 200 Kilometer bis Wien."

Vierter Bericht:

"

Von Enns ging es am Dienstag immer an der Donau entlang, vorbei an Mauthausen, wo das größte KZ Österreichs existierte,  nach Melk (92 km). In Melk gibt es ein riesiges Kloster (Stift), das zum Weltkulturerbe gehört. Das Wetter war uns gut gesonnen. Es war trocken und wir hatten Rückenwind.

Von Melk radelten wir weiter rechts die Donau hinunter bis wir gegenüber von Weißenkirchen die Fähre zur anderen Donauseite nahmen. Die Fähre wird nur von der Strömung angetrieben und an einem Seil hängend über den Fluss gezogen. Dann kamen wir in die Wachau, dem landschaftlich schöneren Teil der Donau in Österreich. Hier wird Wein angebaut.

Durch Ybbs und Krems ging es nach Tulln (85 km). Die letzten 2 Stunden wurden wir dann doch von einem Nieselregen begleitet.

Am 24.09.2015 begannen wir die letzte Etappe, die uns fast immer am rechten Donauufer über Klosterneuburg nach Wien brachte. Hartmuts GPS brachte uns ohne Probleme zu unserer Unterkunft mitten in der Stadt.

Die ganze Tour verlief ohne Panne. Zweimal hatten wir ein bisschen Regen. Alle beide sind wir gesund und zufrieden nach 830 km an unserem Ziel angekommen und pünktlich zu unserer nächsten Mitgliederversammlung wieder in Berlin.

Wir haben unsere Rückfahrt mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof über Prag nach Berlin gebucht. Wir waren vor zwei Stunden am Hauptbahnhof, wo viele Flüchtlinge auf die Weiterfahrt nach Deutschland warten. Der Zugverkehr nach Deutschland ist ab Salzburg unterbrochen. Unser Zug nach Prag fährt aber am Samstag. Da haben wir Glück, dass kein Flüchtling nach Tschechien will."

Von: gt