Mehr Urlaub, weniger Arbeitszeit:

VGRB GmbH – in elf Monaten zum Tarifabschluss

  • 26.11.2021
  • Burkhard Bildt, Thomas Weber, Jörn Breiholz
  • Aktuelles, Handwerk, Betriebsräte/Vertrauensleute

Im Autohaus Möbus waren weder ein Betriebsrat noch die IG Metall gern gesehen. Also kam beides nicht vor. Löhne und Gehälter sowie die Jahresendprämie legte das Management nach Nase fest. Mit dem Verkauf Anfang 2021 an die Volkswagen Group Retail Deutschland (VGRD) änderte sich alles – denn die Mitarbeiter*innen hatten bereits im Herbst 2020 begonnen, miteinander über Betriebsräte und Tarifverträge zu reden. Jetzt haben 320 Beschäftigte bessere Arbeitsbedingungen – mit Tarifvertrag.

Cooles Team für 320 Beschäftigte: Einige der aktiven IG Metaller*innen der Volkswagen Group Retail Deutschland im IG Metall-Bildungszentrum Berlin

Weniger Arbeitszeit, mehr Urlaub: Die Arbeitsbedingungen bei der VGRD sind mit IG Metall-Tarifvertrag deutlich besser

Engagierte Metaller*innen: die Betriebsrätin Kerstin Constabel...

... und der Betriebsratsvorsitzende Matthias Butter

Die ersten Kolleg*innen nahmen Kontakt zur IG Metall auf, organisierten sich und bereiteten die Betriebsratswahl für das Frühjahr 2021 vor. Das große Interesse an der ersten Wahl der Arbeitnehmervertretung im Betrieb drückte sich in der Vielzahl der Kandidatinnen und Kandidaten sowie der guten Wahlbeteiligung aus.

Mit dem Tarifvertrag ging es naturgemäß nicht ganz so schnell. Drüber reden ist etwas anderes als IG Metaller zu werden, Forderungen aufzustellen und sie beim Management durchzusetzen. Ende August war die dafür erforderliche Mehrheit der Beschäftigten in der IG Metall organisiert. Neben der Aufstellung von Forderungen für die bevorstehenden Tarifverhandlungen wählten die Beschäftigten eine 14-köpfige Tarifkommission und forderten die Geschäftsleitung zu Verhandlungen auf.

Nun kam eine weitere Erfahrung hinzu. In Tarifverhandlungen bekommt man auch in einem VW-Betrieb nichts geschenkt. Also ging es weiter mit dem Reden, mit Mitgliederversammlungen, einem Tarifworkshop und immer wieder Verhandlungen. Die Verhandlungen spitzten sich zu, die wenigen übrig gebliebenen Knackpunkte lösten sich dann jedoch am Tage der ersten Präsenz-Betriebsversammlung in Luft auf – und die Beschäftigten hatten sich endlich einen Tarifvertrag erkämpft.

„Ich habe die Tarifbewegung von Anfang an unterstützt, habe mit meinen Kolleginnen und Kollegen gesprochen und sie für die IG Metall gewonnen“, sagt die engagierte Metallerin und Betriebsrätin Kerstin Constabel. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in so kurzer Zeit den Tarifvertrag erreicht haben. WIR haben es uns verdient!“ Und ihr Kollege Matthias Butter,  Betriebsratsvorsitzender, engagierter Metaller und Mitglied der Tarifkommission, ergänzt: „Wir haben uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Endlich haben auch wir unseren Tarifvertrag.“

Ende gut, alles gut? Auf dem Papier ist erst einmal alles gut. Mit dem Novembergehalt fließen die ersten tariflichen Leistungen. Der Urlaub steigt um zwei Tage von bisher 28 Tagen auf 30 Arbeitstage ab 2022. In den folgenden Jahren wird dann auch die Arbeitszeit von heute 40 Stunden schrittweise auf 36 Stunden die Woche verkürzt.

Mitte 2022 steht die Einführung von Lohn- und Gehaltstabellen auf dem Programm. Viel Arbeit auch für den Betriebsrat, im Vorfeld den Eingruppierungsprozess zu gestalten. Neben der Umsetzung der Tarifverträge stehen für den Betriebsrat vor allem Verhandlungen zu diversen Betriebsvereinbarungen an wie Arbeitszeit oder Urlaubsgrundsätze – Interessenvertretung hört eben nie auf.

Es ist sicher so, dass die Interessenvertretung durch Betriebsrat und IG Metall in einem Volkswagen-Betrieb leichter möglich ist als in einem inhabergeführten Autohaus Möbus. Die Mitarbeiter*innen meinen aber heute, das hätten sie schon vorher angehen sollen. Als starke betriebliche IG Metall wäre das sicher auch vorher möglich gewesen.