500 Fußballzuschauer für 500 Arbeitsplätze bei MAN

Kiezhelden at it's best: Schlosserjungs halten zusammen!

  • 24.11.2016
  • cb, ab, Matthias Wolf
  • Aktuelles, Bildergalerie, Betriebsräte/Vertrauensleute, Jugend

Super Soli-Aktion des SC Borsigwalde: Beim Pokalspiel der 1. B-Jugend gegen den Bundeligisten vom 1. FC Union Berlin zeigten Fußballer und Belegschaft gemeinsam klare Kante gegen die Kahlschlagpläne der MAN-Spitze.

Foto: Christian v. Polentz / transitfoto.de

So voll ist es nicht oft beim SC Borsigwalde. Etwa 500 Zuschauer waren am Mittwochabend gekommen – auch, aber nicht nur wegen des Fußballspiels der 1.B-Jugend gegen den Bundesligisten vom 1.FC Union Berlin. Der Pokalschlager stand eher im Hintergrund. Denn für viele ging es um die Solidaritätsaktion des SC Borsigwalde für das MAN-Werk in Tegel. Dort sollen 300 der 520 Arbeitsplätze wegfallen – auf dem ehemaligen Borsig-Gelände, wo auch der SC Borsigwalde als Arbeiterverein seine Wurzeln hat. „Klar, dass wir als Kiezclub Fahne zeigen, wenn so viele Kollegen bei  MAN von Arbeitslosigkeit bedroht sind“, sagt  Matthias Wolf, der Jugendleiter des SC Borsigwalde.

Zahlreiche Beschäftigte von MAN, aber auch aus anderen Berliner Metall-Unternehmen waren gekommen, um dabei zu sein, wenn ihr Kiezklub ein Zeichen setzt. Und der hatte richtig aufgefahren: Die Spieler der 1. B-Jugend trugen alle ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ohne Mannschaft schafft MAN nichts“. Und alle Spieler – auch die vom  Bundesligisten 1. FC Union Borsigwalde – hatten Einlaufspieler aus den jüngsten Spielklassen an der Hand, auch die im blauen MAN-Dress mit dem gleichen Aktionsspruch: Ohne Mannschaft, ist klar, schafft auf dem  Platz keiner was – und ohne eine gute Werksmannschaft schafft auch MAN nichts. 

Über allem thronte das Plakat, das die MAN-Belegschaft mitgebracht hatte: „Schlosserjungs halten zusammen!“, stand da geschrieben, dekoriert mit den Logos von Union, Borsigwalde, MAN und IG Metall. „Aus unserer Sicht war mit all diesen Aktionen schon vor dem Spiel klargestellt: Die Partie hatte aus sportlicher Sicht nicht die höchste Priorität, es ging darum ein Zeichen zu setzen. Das ist uns gelungen“, sagt Matthias Wolf.

Viele Kolleginnen und Kollegen von MAN und auch die zahlreichen Vertreter der IG Metall Berlin waren begeistert und gerührt vom Engagement der Kiezkicker – allen voran Carsten Trzeciok aus dem MAN-Betriebsrat, der in der Ü50-Auswahl des SC Borsigwalde kickt und Ausbildungsbeauftragter des Betriebsrates bei MAN in Tegel ist: „Diese Aktion passt wirklich perfekt: Ein Arbeiterverein setzt sich für Arbeiter ein – junge Spieler für junge Auszubildende, die um ihre Zukunft bangen. Ich bin echt stolz, wie mein Verein sich hier präsentiert.“

Carsten Trzeciok hatte bei Jugendleiter Matthias Wolf, der fortan in zahlreichen vorbereitenden Gesprächen den engen Kontakt zu IG Metall und MAN hielt, mit seiner Idee einer Zusammenarbeit von Kiezclub und MAN-Belegschaft sofort offene Türen eingerannt. „Der SC Borsigwalde hat schon oft soziales Engagement gezeigt, es war für uns eine Selbstverständlichkeit, hier ein Zeichen zu setzen“, sagte SCB-Vizepräsident Frank Radunz. Er und Geschäftsführer Bernd Naß sorgten mit einer perfekten Organisation dafür, dass auch das Drumherum stimmte – tolle Bewirtung, toller Teamgeist hinter der Theke, draußen die E-Junioren und andere Jugendteams mit Trommeln und Tröten. Insgesamt ein ganz starker Auftritt!

Damit auch alle Besucher verstanden, um was es ging, agierte auch Stadionsprecher Hans-Peter Ott gekonnt wie immer am Mikrofon. Irgendwann spielte er den Song: „Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen…“ Constantin Borchelt von der IG Metall Berlin brachte es so auf den Punkt: „Fußball und Arbeitskampf, das ist ganz nah beieinander. Man weiß, wie viel Kraft die Fans im Fußball haben, wie viel Druck sie auf Verantwortliche aufbauen. Mit solchen Aktionen können wir vielleicht auch die Konzernleitung überzeugen, dass der Stellenabbau falsch ist“.

Ein ganz großer Abend für die Großen, denen ihre Arbeitsplätze genommen werden sollen  – und für die Kleinsten, die gegen den Bundesligisten einlaufen und für MAN ein Zeichen setzen konnten.