Der 42-Stunden-Konzern

Deutliche Kritik an Knorr-Bremse zum 1. Mai

  • 03.05.2017
  • ab
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute, KB PowerTech, Bildergalerie

Auf der 1. Mai-Kundgebung in Berlin hat sich der Regierende Bürgermeister mit den Beschäftigten von KB PowerTech solidarisiert. Auch Jörg Hofmann, der Erste Vorsitzende der IG Metall redete in Stuttgart zu Knorr-Bremse Klartext. Das ist dringend geboten, denn der Konzern legt Hand an Grundwerte der Demokratie.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller reiht sich bei Beschäftigten von KB PowerTech in den Demonstrationszug ein.

In seiner Rede sagt Michael Müller den Beschäftigten Unterstützung im Kampf um ihre Arbeitsplätze zu.

Jörg Hofmann auf der 1. Mai-Demo in Stuttgart. Auf dem Podium kritisiert der Erste Vorsitzende der IG Metall das Geschäftsgebaren von Knorr-Bremse.

Matthias Jena, Vorstand im DGB Bayern, spricht in Passau über Knorr-Bremse.

"Wir unterstützen die Beschäftigten von Knorr-Bremse nach Erhalt der Arbeitsplätze und der Tarifbindung", sagte Michael Müller, der Regierende Bürgermeister auf der 1. Mai-Kundgebung und erntete damit viel Beifall. Michael Müller war nicht der einzige, der sich für die Beschäftigten bei KB PowerTech und Hasse & Wrede einsetzte und. Auch Gewerkschaftsvertreter kritisierten das Geschäftsgebahren des Knorr-Bremse-Konzerns. 

Diese Praktiken kennt Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, genau. Und kritisiert den Eigentümer, Multimilliardär Heinz-Hermann Thiele: "Die Kolleginnen und Kollegen bei Knorr-Bremse müssen 42 Stunden arbeiten, statt 35 wie mit Tarif - also einen Tag umsonst. Bei 5.000 Beschäftigten spart er damit einfach mal die Löhne für hochgerechnet 35.000 Stunden ein! Das ist Steinzeitkapitalismus. Das werden wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht hinnehmen!"

Das sieht auch Matthias Jena, Vorstand im DGB Bayern, so: "Jedem Einzelnen klaut das Unternehmen sieben Stunden Lebenszeit jede Woche ohne zu bezahlen.Die Wertschöpfung steckt sich Thiele in die eigene Tasche", kritisierte er auf einer Kundgebung in Passau.

Möglich ist dies, weil der Knorr-Bremse-Konzern aus der Tarifbindung ausgestiegen ist. Knorr-Bremse argumentiert, die Mehrarbeit sei notwendig, um international bestehen zu können. Wo aber ist die Grenze?, fragte schon Harald Freiberger in seinem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung und zeigte auf, wie absurd diese Argumentation ist. "Treibt man dieses Argument auf die Spitze, müsste man das weltweite Rattenrennen um die Arbeitsbedingungen immer weiter mitmachen und die Arbeitszeit letztlich auf das Niveau von chinesischen Leiharbeitsfirmen treiben, die ihre Mitarbeiter ausbeuten", schreibt der SZ-Redakteur.

Tatsache ist, der Knorr-Bremse-Konzern setzt seine Beschäftigten unter Druck und schürt Ängste. Er könnte aber auch auf die Beschäftigten zugehen und gemeinsame Wege ausloten. Das wäre gerade heute notwendig. Gute Arbeit und Gerechtigkeit sind der Kitt unserer Gesellschaft. Tarifverträge und Tarifbindung spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie sind Brandschutzmauern gegen Verelendung und Armut. Wer dieses Modell aufkündigt, legt Lunte an die Grundwerte unserer Demokratie.



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