IG Metall und Südwestmetall einigen sich:

„Es ist ein sehr gutes Ergebnis, weil wir in allen Punkten etwas erreicht haben“

  • 06.02.2018
  • jb
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Mehr Geld und mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit: Der Pilotabschluss aus Baden-Württemberg schafft viele Verbesserungen für die Beschäftigten der deutschen Metall-und Elektroindustrie. Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, erläutert den erfolgreichen Tarifabschluss im Interview.

Kurz erklärt: Tarifabschluss #TrME18

Heute Nacht hat es Click gemacht und wir haben einen neuen Pilotabschluss in Baden-Württemberg. Wie bewertest Du die Ergebnisse?
Es ist ein sehr gutes Ergebnis, weil wir in allen Punkten, die wir gefordert haben, etwas erreicht haben: Wir haben mehr Entgelt, wir machen mit der 28 Stunden-Woche den Einstieg in die selbstbestimmte verkürzte Arbeitszeit und wir bekommen auch einen Zuschuss für diejenigen, die wegen Kindern, Pflege oder Schichtarbeit ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Auch in Sachen gleiche Arbeitszeit in Ost und West, also 35 Stunden-Woche auch im Osten, sind wir einen Schritt weiter: IG Metall und Gesamtmetall empfehlen den Tarifpartnern in den ostdeutschen Bundesländern, unmittelbar nach dem Tarifabschluss Gespräche über den Prozess der Angleichung der Arbeitsbedingungen zu führen.

Was hörst Du von den Kolleginnen und Kollegen in den Berliner Betrieben?
Die Rückmeldungen aus Betrieben sind ausgesprochen positiv, vor allem auch aus den Streikbetrieben, die 24 Stunden oder auch kürzer gestreikt haben. Wir haben alle gemeinsam etwas Gutes für uns erreicht, das ist das, was mir die Kolleginnen und Kollegen gesagt haben.  

Wenn Du Dir die Ergebnisse anschaust: Was ist für Dich das Beste an dem Abschluss?

Ganz klar, dass es uns beim Thema Arbeitszeit gelungen ist, die zunächst doch sehr verhärtete Front bei den Arbeitgebern aufzubrechen und mit der Option der 28 Stunden etwas Gutes zu erreichen.  Wir machen damit den Einstieg in eine neue Form der Arbeitszeit. Bisher hatten wir ja meistens die Debatte, dass die Arbeitgeber mehr Flexibilität und mehr Überstunden verlangt haben. Jetzt drehen wir den Spieß und sagen, wir wollen selber entscheiden, ob wir weniger arbeiten.   

Ist es auch in dem Sinn zukunftsweisend, als dass wir mit der fortschreitenden Digitalisierung in den Betrieben weniger arbeiten werden, aber trotzdem genug verdienen können?

Ganz sicher ist es ein Beitrag auch zu dieser Debatte, die wir führen müssen. Es ist ein Einstieg in die Diskussion, wie wir als Gesellschaft in Zukunft arbeiten werden. Der IG Metall gelingt es mit diesem Abschluss, etwas ganz Neues in der deutschen Arbeitswelt durchzusetzen. Die Arbeitgeber haben verstanden, dass dies die Richtung ist, in die wir gehen müssen. Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten, hat Willy Brandt einmal gesagt. Das passt hier sehr gut.

Wie funktioniert es denn nun mit der Option, 28 Stunden pro Woche zu arbeiten?

Grundsätzlich hat jetzt jeder einen Anspruch, seine Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden pro Woche zu reduzieren, ohne wie bisher den Anspruch auf die volle Arbeitszeit zu verlieren. Außerdem bekommt jeder ab 2019 ein zusätzliches tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent des Monatsentgelts. Wer aufgrund von Kinderbetreuung, Pflege oder Schichtarbeit auf 28 Stunden reduzieren will, hat unter bestimmten Voraussetzungen die Wahloption, statt des zusätzlichen Tarifgeldes acht weitere Tage pro Jahr frei zu nehmen. Zwei von diesen acht Tagen legen die Arbeitgeber zusätzlich drauf.

Was konnten die Arbeitgeber durchsetzen?

Sie können im Gegenzug temporär die Arbeitszeit für Beschäftigte erhöhen, wenn sie dafür die Zustimmung der Beschäftigten erhalten. Die Möglichkeit hatten sie allerdings schon immer, da wird die Ausnahmeklausel nur fortgeschrieben. Ich finde das auch in Ordnung. Das Arbeitsleben ist nun mal kein Tempomat, manchmal kann man die Kohle gut gebrauchen und manchmal kann man auch weniger arbeiten, um sich oder anderen etwas Gutes zu tun. Und klar: Wir wollten sechs Prozent im ersten Jahr und bekommen nun 4,3 Prozent über die gesamte Laufzeit plus die Einmalzahlung von 100 Euro dieses Jahr, 400 Euro Festbetrag im kommenden Jahr sowie das zusätzliches tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent des Monatsentgelts.
 
Was hat letztendlich bewirkt, dass wir diesen guten Abschluss durchsetzen konnten?

Da sind auf der einen Seite die sehr guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die es uns erlauben, mehr zu fordern. Und klar: die 24 Stunden-Warnstreiks waren sehr kräftig. Die Arbeitgeber haben verstanden, dass wir unsere Forderungen erkämpfen wollen. Fast eine Million Metallerinnen und Metaller haben sich dieses Jahr an den Warnstreiks beteiligt. Das war schon sehr kräftig.

Wie geht es für uns in Berlin weiter?

Gesamtmetall hat seinen Verbänden bereits empfohlen, dem Pilotabschluss zu folgen. Daher gehen wir davon aus, dass die Arbeitgeber in Berlin, Brandenburg und Sachsen alle Punkte übernehmen werden. Auch in der Frage der 35 Stunden-Woche in Ostdeutschland haben die Arbeitgeber ihre Verweigerungshaltung aufgegeben. Hier werden wir nun drüber sprechen und ich glaube, wir werden ein gutes Stück weiterkommen. Morgen geht es hier vor Ort weiter, dann haben wir die nächste Sitzung unserer Tarifkommission.




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