Gutes Verhandlungsergebnis dank massiver Proteste

Atos: Beschäftigungsgarantie bis Ende 2022

  • 31.07.2019
  • ih
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Nach 26 Verhandlungsstunden gelang am Freitagmorgen endlich der Durchbruch. Atos gibt eine Beschäftigungsgarantie, sagt Investitionen von 140 Millionen Euro in Transformation und Qualifizierung zu. Die Beschäftigten leisten ebenfalls einen Beitrag, zahlen aber nicht für die Versäumnisse des Managements.

Mit einem Warnstreik auch in der Berliner Knöllchenbearbeitung von ATOS verschärfen Beschäftigte ihre Proteste. (c) privat

Protestaktion am 3. April 2019 (c) Christian von Polentz/transitfoto.de

Anfang April gab es für alle Arbeitsplätzchen (c) Christian von Polentz/transitfoto.de

Kräftige Aktion plus Gesprächs-Angebot: Beim Besuch der Deutschland-Chefin Ursula Morgenstern ...

.. haben ATOS-Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall-Vertrauensleute alles richtig gemacht. (c) beide Fotos privat.

Die Vögel zwitscherten längst wieder in den neuen Tag, da gelang den Verhandlungskommissionen der Atos/Unify-Geschäftsführung sowie IG Metall und Gesamtbetriebsrat nach 26 Verhandlungsstunden endlich die Einigung. Möglich wurde diese, weil die Arbeitgeber endlich einsahen, dass ihre Strategie nicht funktionieren wird. „Erst in den letzten Verhandlungen sind sie davon abgerückt, dass die Beschäftigten den Großteil der Transformation bezahlen sollen“, sagt Juan-Carlos Rio Antas, Verhandlungsführer der IG Metall.

Aus Berliner Sicht wertet Uwe Große die Verhandlungen als einen großen Erfolg. „Ohne unsere Aktionen und das entschlossene Gegenhalten der Beschäftigten hätten wir nicht so erfolgreich verhandeln können“, sagt der Stellvertretende Betriebsratsvorsitzender bei AIT Unify Berlin Leipzig und Mitglied im Gesamtbetriebsrat. „Dafür danke ich allen, die uns unterstützt haben, sehr.“

Beschäftigte bezahlen nicht für Managementfehler

Gesamtbetriebsrat und IG Metall konnten für die Beschäftigten wichtige Ergebnisse erzielen. So sagte die Atos/Unify-Geschäftsführung eine großangelegte Qualifizierungsoffensive zu, für die sie 140 Millionen Euro investieren will. Weil neben den Investitionen in Schulungen auch hohe Ausfallzeiten anfallen werden, leisten die Beschäftigten ebenfalls einen Beitrag. Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter wird sich bis Ende 2021 mit durchschnittlich 22,5 Stunden an der Transformation beteiligen. Außerdem vereinbarten beide Seiten, dass die Tariferhöhung 2020 auf 0,7 Prozent – IG Metall-Mitglieder erhalten 1,2 Prozent – gedeckelt wird. Zusätzlich werden aus dem Jahr 2020 drei sogenannte AZV-Tage (Freizeit) verschoben und nach 2021 vollständig wieder gewährt.

Beschäftigungsgarantie und Transformationsbüro

Dafür erhalten die Beschäftigten neben weiteren Zusagen und tarifvertraglichen Regelungen eine Beschäftigungsgarantie bis zum 31.12.2022. Ferner sichern die Arbeitgeber rechtsverbindlich zu, bis Ende 2022 keine Abweichung vom Rahmentarifvertrag zu beantragen und die Tariferhöhungen der Metall & Elektroindustrie weiterzugeben. Um den Umbau zu flankieren, richtet Atos ein Transformationsbüro ein und stellt dafür die entsprechenden Ressourcen bereit.

Das Büro wird die einzelnen Schritte überwachen und mitgestalten. Im Transformationsbüro erhalten die Beschäftigten über den GBR auch zusätzliche Mitbestimmungsrechte, um sicherzustellen, dass die Transformation gelingt, im Sinne der Beschäftigten umgesetzt und niemand überfordert wird. Außerdem berät das Büro die Beschäftigten in allen Fragen der Transformation und Qualifizierung.

„Aus unserer Sicht ist es jetzt wichtig, die Transformation umzusetzen und die notwendigen Qualifizierungen zu starten. Dafür müssen jetzt die richtigen Bedarfe ermittelt und Beschäftigte danach zielgerichtet geschult werden“, sagt Uwe Große. Das ist in der Vergangenheit alles andere als gut gelaufen, weshalb die Beschäftigten bei ihren Protesten mit dem Slogan „Wer hat das alles verpennt, das Management“ auf die Missstände bei der Qualifizierung hingewiesen hatten.

Auf Grundlage dieser Vereinbarungen kann Atos nun die Transformation einleiten. Die Eckpfeiler des Ergebnisses sind damit gefasst, einige kleinere Details müssen aber noch justiert und ausformuliert werden.


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