Interview mit der BCS-Betriebsratsvorsitzenden Jana Walkov

Biotronik: Notwendige Anpassungsprozesse sozial gestalten

  • 08.08.2019
  • mn
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Anfang des Jahres hat die Biotronik-Geschäftsführung die Biotronik Corporate Services (BCS) mit rund 400 Beschäftigten ausgelagert. Im April 2019 hat sich der neue Betriebsrat mit seiner Vorsitzenden Jana Walkov und dem Stellvertreter Thomas Nestripke konstituiert. Im Interview benennt Jana die Ziele der künftigen Betriebsratsarbeit, erklärt das Setting des BR-Gremiums und wie sie sich die Zusammenarbeit künftig wünscht.

Seit April 2019 ist Jana Walkov Betriebsratsvorsitzende. Bei Biotronik arbeitet sie bereits seit 22 Jahren als Diplom-Kauffrau.

In der ausgegliederten Biotronik Corporate Services (BCS) hat die Biotronik-Geschäftsführung Anfang des Jahres die kaufmännischen Einheiten und Corporate-Bereiche zusammengeführt. Welche Funktion übernimmt BCS?
Jana Walkov: Wir fungieren als Headquarter für Biotronik und sind gleichzeitig Servicegesellschaft. Sprich, wir formulieren zum Beispiel einheitliche Standards für alle Biotronik-Standorte und übernehmen Serviceaufgaben. So sind bei uns die Services IT, Buchhaltung und Controlling, Human Resources, Einkauf, genauso die juristische Abteilung angesiedelt. Wir fühlen uns als Teil der Biotronik-Gruppe und tragen dazu bei, dass wir in Berlin modernste Medizintechnik produzieren. Darauf sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stolz.

Wo liegen die künftigen Aufgaben Eures Betriebsrates?
Unser Unternehmen befindet sich aktuell in einem ständigen Anpassungs- und Umstrukturierungsprozess. Das gilt aktuell ganz besonders für den IT-Bereich. Die neu geschaffene Struktur und die damit verbundenen Ziele sind für uns nachvollziehbar. Wir achten aber genau darauf, dass diese Umstrukturierungen nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Wir wollen, dass alle Kolleginnen und Kollegen mitgenommen, keine Karrierepfade abgeschnitten werden.

Wie wollt Ihr das erreichen?
Bereits vor der Auslagerung konnten wir den Arbeitgeber davon überzeugen, in den Arbeitgeberverband einzutreten. Damit gilt für alle Beschäftigten auch der Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie. Das war ein schöner Erfolg, den gerade auch mein Stellvertreter Thomas Nestripke vorangetrieben hat. Ihm, aber auch anderen, ist es gelungen, viele neue Mitglieder für die IG Metall zu werben. Jetzt geht es uns darum, dass wir die notwendigen Umstrukturierungen erfassen und in Betriebsvereinbarungen transparente und nachvollziehbare Rahmenbedingungen für alle schaffen.  

Kannst Du ein Beispiel machen?
Nehmen wir den für uns fundamentalen IT-Bereich mit seinen immer neuen Softwareanwendungen. Hier wollen wir Weiterbildungsmaßnahmen sicherstellen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die damit verbundenen Lernschritte auch mitgehen und die Software bedienen können. Mit Hilfe von Fortbildungsangeboten wollen wir verhindern, dass wir Kolleginnen und Kollegen verlieren, nur weil sie die Software nicht sofort bedienen können.

Eure Servicegesellschaft besteht vornehmlich aus Angestellten, Ingenieurinnen, Softwareentwicklern. Und trotzdem stellt Ihr mit der Liste IG Metall & Friends sechs der elf Betriebsratsmandate. Wie schätzt Du dieses Ergebnis ein?
Das Ergebnis war schon ein schöner Erfolg. Wichtig ist uns jetzt nach der Wahl, dass wir im Betriebsrat gut, gerne und konstruktiv zusammenarbeiten. Wir diskutieren auf der Sachebene und wollen aus der Abspaltung das Beste für alle Beschäftigten machen. Dafür streben wir eine partnerschaftliche Mitbestimmung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber an.

Zur Person:
Jana Walkov arbeitet seit 22 Jahren als Diplom-Kauffrau bei Biotronik. Seit 2014 ist sie Betriebsrätin, ein Jahr später trat sie in die IG Metall ein und wechselte zur IG Metall-Liste. Sie leitet das Gremium zusammen mit Thomas Nestripke. Er ist seit 22 Jahren für Biotronik tätig und hat als Haustechniker viele Veränderungen der Firma miterlebt. Seit 17 Jahren ist er Betriebsrat und seit zehn Jahren in der IG Metall.

 


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