IG Metall-Mitgliedschaft:

You’ll never work alone

  • 29.05.2020
  • Sören Lieske
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Gewerkschaftsmitglied bleiben lohnt sich immer, auch beim Wechsel von Betrieb oder Branche. Gewerkschaftssekretär Sören Lieske erklärt warum – und wie Mitglieder mit Unterstützung der IG Metall Berlin in Unternehmen ohne Betriebsrat einen Tarifvertrag durchsetzen.

Sonja Staack vom DGB: "Mit einer starken Gemeinschaft im Rücken fährt man besser"

Früher galt es als normal, sein gesamtes Berufsleben bei nur einem Arbeitgeber und in einem Beruf zu verbringen. Heute kennzeichnen Neuanfänge und Umorientierungen die Erwerbsbiografien. Nicht selten schulen Berufstätige mitten im Leben für eine ganz andere Branche um. Viele fragen sich dann: Was mache ich mit meiner Gewerkschaftsmitgliedschaft, wenn ich mich beruflich neu orientiere?

Nicht erst seit Beginn der Corona-Krise ist vieles im Umbruch. Tiefgreifende Transformationsprozesse in der Produktion sowie Innovationen in Soft- und Hardware lösen die gewohnten Strukturen unseres Arbeitsalltags allmählich auf.

Oft geht das, wofür Begriffe wie Digitalisierung, Industrie 4.0 oder agiles Arbeiten stehen, Hand in Hand mit Ausgliederung, Personalabbau und Verlagerung von ganzen Teilen der Produktion. Gegen diese Angriffe auf die Berliner Arbeitsplätze setzen wir uns als IG Metall Berlin mit unseren Mitgliedern vehement zur Wehr.

Enige Betriebe verlagern die Tätigkeiten Stück für Stück zugunsten der Angestellten-Gruppen der Ingenieur*innen, der Forschung und Entwicklung sowie der Datenverarbeitung. Beflügelt durch die Debatten um Ökologie und Mobilität bauen einige Unternehmen auch Beschäftigung auf – etwa auf dem geplanten Siemens Campus.

„Mit einer starken Gemeinschaft im Rücken fährt man besser“

Viele Berufstätige verbinden ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft mit ihrer Betriebsangehörigkeit. Ist der Beschluss einmal gefasst, seine Berufslaufbahn in einer anderen Branche fortzusetzen, die die IG Metall nicht organisiert, machen einige kurzen Prozess und kündigen ihre Mitgliedschaft gleich mit.

Das ist kein schlauer Weg. Denn auch nach der Zeit in einer von der IG Metall organisierten Branche muss niemand gewerkschaftlich heimatlos bleiben. Die IG Metall ist Teil der Gewerkschaftsfamilie des Deutschen Gewerkschaftsbundes und innerhalb dieser sind die teilweise über Jahre erworbenen Mitgliederansprüche – wie kostenlose Rechtsberatung, Freizeitunfallversicherung und Sterbegeld – problemlos und unbürokratisch mit einem Gewerkschaftswechsel übertragbar.

Auch außerhalb der von der IG Metall organisierten Industrien gibt es Tarifverträge, die immer wieder neu erstritten werden müssen. Hier bemisst sich die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften natürlich ebenso an der Anzahl ihrer Mitglieder.

„Mit einer starken Gemeinschaft im Rücken fährt man besser. Das gilt für alle Branchen und bei einem beruflichen Wechsel erst recht“, sagt Sonja Staack, die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bezirk Berlin-Brandenburg. „Gewerkschaftsmitglieder können sich bereits im Bewerbungs- und Einstellungsverfahren beraten lassen und haben im neuen Job sofort Anspruch auf alle tariflichen Leistungen. Innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbunds ist der Wechsel ganz unbürokratisch.“

Wer also die Branche oder den Betrieb wechselt, kann problemlos zu einer anderen DGB-Gewerkschaft übertreten und verliert den Anspruch auf seine Mitgliedsleistungen nicht. Die Kolleg*innen beim DGB  vermitteln Euch gerne weiter. Es gilt allerdings zu beachten, dass die Mitgliedschaft nicht unterbrochen werden darf.

Man sollte also so lange Mitglied bleiben, bis die Mitgliedschaft bei einer anderen DGB-Gewerkschaft begonnen ist. Beim Beitritt zu einer anderen DGB-Gewerkschaft solltet Ihr darüber hinaus angeben, dass Ihr Mitglied der IG Metall seid. Wer in der Zwischenzeit weniger verdient oder temporär erwerbslos ist, lässt seinen Beitrag unkompliziert von unseren Kolleginnen im Mitgliederservice reduzieren.

Vom weißen Fleck zu mehr Geld

Die meisten IG Metall-Mitglieder sind ein betriebliches Umfeld gewöhnt, in denen Betriebsrat, JAV und Schwerbehindertenvertretung die Mitbestimmung und damit die Beteiligung der Beschäftigten an den betrieblichen Entscheidungsprozessen gewährleisten. Darüber hinaus profitieren viele Mitglieder vom Recht auf tarifliche Leistungen durch einen von ihnen mit der IG Metall durchgesetzten Tarifvertrag. Diese rechtlichen Sicherungen fallen weg, wenn man seine Arbeit in einem nicht-tarifierten Betrieb oder einem Betrieb ohne Mitbestimmung beginnt.

Wer diese guten Arbeitsbedingungen einmal gewohnt ist, gibt diese ungerne auf. Daher geben das Erschließungsteam und das BoB-Projekt Berlin allen interessierten Kolleg*innen Starthilfe, um Betriebsräte zu gründen und anschließend einen Tarifvertrag durchzusetzen. Und klar: Für diese Leistungen lohnt es sich, seine IG Metall-Mitgliedschaft aufrecht zu erhalten. Schließlich verdienen Beschäftigte in von der IG Metall unterstützten Betrieben mit Betriebsräten im Durchschnitt 20 Prozent (!) mehr – jeden Monat.