Angleichung geht in die Verlängerung

Tarifrunde 2021: IG Metall und Arbeitgeber übernehmen Pilotabschluss aus NRW

  • 19.05.2021
  • Michael Netzhammer
  • Aktuelles, Tarifrunde 2021

Die IG Metall und der Berlin-Brandenburger Arbeitgeberverband VME haben dem Pilotabschluss aus NRW für ihre 110.000 Beschäftigten, davon 60.000 in Berlin, übernommen. Dieser Vereinbarung müssen die Gremien noch zustimmen. Tun sie diese, erhalten die Beschäftigten eine Corona-Prämie und einmal jährlich sogenanntes Transformationsgeld. Bis zum 30. Juni werden IG Metall und Arbeitgeber außerdem den Rahmen für mögliche Angleichungsschritte vereinbaren.

„Mit der geplanten Übernahme der Pilotvereinbarung aus NRW haben wir einen guten Abschluss erreicht, der allen Beteiligten gerecht wird und den unterschiedlichen Lagen der Unternehmen Rechnung trägt“, sagt Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall zur Vereinbarung von IG Metall und dem Berlin-Brandenburger Arbeitgeberverband VME.

Der Tarifvertrag sieht eine Corona-Prämie für alle Beschäftigten von 500 Euro vor – Auszubildende erhalten 300 Euro. Außerdem gibt es eine Sonderzahlung, das sogenannte Transformationsgeld. Das wird erstmals im Februar 2022 ausgezahlt und beträgt 18,4 Prozent des monatlichen Bruttogehalts, im Februar 2023 dann 27,6 Prozent. „Dieses Transformationsgeld kann aber auch in Betrieben, die konjunktur- oder transformationsbedingt die Arbeitszeit absenken wollen, für einen entsprechenden Lohnausgleich verwendet werden“, sagt Jan Otto.

Dual Studierende werden unbefristet übernommen

Mit dem neuen Tarifabschluss werden dual Studierende, was ihre Übernahme betrifft, den Auszubildenden gleichgestellt. „Ausbildungsintegrierte dual Studierende müssen nun wie die Auszubildenden auch nach ihrem Studium unbefristet übernommen werden. Das gibt ihnen sehr viel Sicherheit bereits während ihrer Ausbildung“, sagt Simon Sternheimer, Jugendsekretär der IG Metall Berlin im Video. Dass das so bleibt, lädt er alle dual Studierenden ein, Mitglied in der IG Metall zu werden, weil nur eine starke IG Metall auch starke Vereinbarungen treffen kann.

Angleichung geht in die Verlängerung

In Sachen Angleichung Ost hat die IG Metall Berlin, Brandenburg, Sachsen mit dem VME und dem sächsischen Arbeitgeberverband VSME vereinbart, bis Ende Juni 2021 einen tariflichen Rahmen für betriebliche Angleichungsprozesse zu schaffen. Dieser Rahmen legt die Grenzen fest, in denen sich die Betriebsparteien bewegen dürfen. Damit entsteht die Möglichkeit, in manchen Betrieben die Angleichung voranzutreiben. So reduzieren Betriebe wie VW, ZF oder SAS die Wochenarbeitszeit 2022 auf 37 Stunden. Bei VW soll die Arbeitszeit bis 2027 auf 35 Stunden sinken.

Geschenkt werden wir nichts bekommen

In der Auseinandersetzung hat sich gezeigt, dass Beschäftigte in Betrieben mit einem hohen Organisationsgrad die Arbeitgeber zu Zugeständnissen zwingen können. „Klar ist, dass wir dafür aber einen hohen Organisationsgrad in jenen Unternehmen benötigen, die sich der 35-Stundenwoche verweigern. Geschenkt werden wir jedenfalls nichts bekommen“, sagt Jan Otto. Das gilt natürlich auch für die Auseinandersetzungen um die Transformation wie Berlin sie gerade im Daimlerwerk und bei den Energiestandorten von Siemens erlebt.

Zukunftstarifverträge

Dazu haben die Tarifparteien eine Rahmenregelung für betriebliche Zukunftstarifverträge beschlossen. „Damit haben die Arbeitgeber die Pflicht, sich mit den Betriebsräten und uns an einen Tisch zu sitzen“, erklärt Jan Otto. Das ist auch nötig: Denn viele Unternehmen reagieren auf die Herausforderungen der Transformation einzig und allein mit der Vernichtung von Arbeitsplätzen. „Arbeitsplatzabbau ist jedoch häufig die Antwort auf Perspektivlosigkeit und mangelnde Ideen für die Zukunft“, kritisiert Jan Otto dieses eindimensionale Vorgehen.

Die IG Metall Berlin will hier präventiv handeln, statt über Abfindungen verhandeln zu müssen. „Wir wollen die Zukunft der Industrie in unserer Stadt gestalten. Die Wertschöpfungsketten müssen in Berlin und im Umland bleiben, die Transformation hier gestaltet werden“, sagt er. Denn dann muss die Transformation nicht weniger Arbeitsplätze bedeuten, sondern sie kann vielmehr Arbeitsplätze schaffen.