Die ALBA-Brüder Axel und Eric Schweitzer:

Vorne hui, hinten pfui

  • 28.05.2018
  • ih
  • Aktuelles

Als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages ist er eines der führenden Gesichter der deutschen Wirtschaft – national und international. Er spricht gern vom Leitbild eines Ehrbaren Kaufmanns und mahnt Politiker, was sie zu tun haben, damit es der deutschen Wirtschaft gut gehe. Aber Eric Schweitzer ist ein Mann mit zwei Gesichtern: Der Vorzeige-Lobbyist deutscher Unternehmen zahlt in einigen seiner Unternehmen noch nicht mal den IG Metall-Tarif, manchmal sogar weniger als zehn Euro. Jetzt wehren sich Berliner Beschäftigte: Schluss mit den Billig-Löhnen bei Alba Metall Nord – die ALBA-Brüder sollen gefälligst anständig zahlen.

Schmutzzulage für die Leute an den Anlagen der ALBA Metall Nord in Berlin, da, wo der Metallschrott aus deutschen Unternehmen und Haushalten landet, dreckig ist und die Luft voller Staub? Bei Neueinsteigern gestrichen. Erschwerniszulage, weil die Kollegen beim Sortieren schwerste Metallteile von A nach B schleppen müssen? Ebenfalls: Gestrichen. Weihnachts- und Urlaubsgeld? Gibt es auch nicht – und die, die noch Bestandsschutz hatten, sollten auch noch drauf verzichten. Stattdessen: 9,10 Euro brutto die Stunde, bei mieser Stimmung, härtester Arbeit und personeller Unterbesetzung.  

Willkommen in der Welt der ALBA-Brüder mitten in Berlin: Axel und Eric Schweitzer heißen sie – hier sind sie als Sponsoren der Basketballer von ALBA Berlin bestens bekannt. Schließlich tragen die sogar ihren Namen.
Auch sonst tragen die ALBA-Brüder gerne größer auf: Alba stehe für das „führende Recyclingunternehmen in Europa“, sagt Eric Schweitzer im Unternehmensvideo. Und der Sprecher des Videos betont: „Weltweit gehören wir zu einer der zehn größten Unternehmensgruppen für Umwelt- und Recycling-Dienstleistungen.“  

Fast 100 ALBA-Firmen listet die Homepage auf, davon 60 in Deutschland, der Rest vor allem in Polen, aber auch in Schweden oder China. Gesamtumsatz: 1,8 Milliarden Euro, 7.500 Mitarbeiter weltweit. Wenn die Kanzlerin nach China reist, nimmt sie einen der beiden schon mal mit. Dann sitzt Axel Schweitzer mit Angela Merkel, den Chefs von Siemens, VW oder Deutscher Bank beim Bankett – während Eric Schweitzer als Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) allen 79 Industrie- und Handelskammern vorsitzt, den laut Eigendarstellung „wichtigsten Interessenvertretern aller gewerbetreibenden Unternehmen in den Regionen“.

Und so ein Unternehmen kann keinen IG Metall-Tarif zahlen?

„Doch“, sagt Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. „Natürlich können die das. Sie wollen es nicht. Daher unterstützen wir als IG Metall die Kollegen, die sich an uns gewandt haben, natürlich dabei, ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen. Schließlich kann man von diesen niedrigen Löhnen in Berlin kaum über die Runden kommen.“

Für das Alter bleibt da auch nichts über: 40 Jahre Metall schleppen und sortieren und im Alter arm sein, vielleicht sogar beim Amt um Unterstützung betteln – das ist bitter. Aber das können die Konsequenzen sein, wenn man bei den ALBA-Brüdern arbeitet.

1996 hat ALBA die damalige Metallaufbereitung Berlin übernommen und ist anschließend aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten –  um keinen Tarif mehr zahlen zu müssen. Bis 2011, fünfzehn lange Jahre, berichten Mitarbeiter, habe es beim Präsidenten des DIHK und seinem Bruder keine Lohnerhöhungen gegeben, seitdem gerademal sechs Prozent Entgelterhöhung.

Eric Schweitzer sagte in einem Interview: „Die Unternehmer sollten sich anständig verhalten und dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns folgen. Das machen aber leider nicht alle.“ Recht hat er, der Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages.

Ob er sich selbst als anständig bezeichnet?

„Das wissen wir nicht“, sagt Klaus Abel. „Wir erwarten aber auf jeden Fall, dass er sich jetzt anständig verhält.“ Mehrere Male hat die IG Metall die Berliner Geschäftsführung erfolglos aufgefordert, in Tarifverhandlungen einzutreten. „Jetzt legen wir einen Zahn zu“, sagt Klaus Abel.  


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