N26-Management blamiert sich so gut es kann

  • 14.08.2020
  • Michael Netzhammer
  • Aktuelles, Betriebsräte/Vertrauensleute

Statt als junges Unternehmen die Wahl von Betriebsräten in ihren GmbHs zu fördern, hintertreibt das Management die Wahl der Wahlvorstände. Ihre bei Gericht bewirkten einstweiligen Verfügungen laufen ins Leere, weil ver.di und IG Metall den Berliner Bankerinnen und Bankern zur Seite springen. Im Netz bekommt das Management sein Fett weg.

Damit Beschäftigte von N26 Wahlvorstände wählen können, sind ver.di und IG Metall Berlin den Initiatoren zur Seite gesprungen. Von links nach rechts: Thomas Weber IG Metall Berlin, Lucas Krentel und Oliver Hauser sowie Sören Lieske, IG Metall Berlin.

Dem N26-Management ist die Wahl eines unabhängigen Betriebsrates offenbar ein Dorn im Auge. Deshalb versuchte es schon gestern, eine Versammlung per einstweiliger Verfügung zu unterbinden, auf der Beschäftigte der N26 Operations GmbH einen Wahlvorstand bestimmen wollten. Eingeladen hatten dazu drei Kolleginnen und Kollegen von N26. Die einstweilige Verfügung ging ins Leere, weil die Gewerkschaft ver.di als Veranstalter einsprang und die Beschäftigten ihren Wahlvorstand wählen konnten. Dieser ist notwendig, um einen Betriebsrat wählen zu können.

Heute wollten auch Beschäftigte der N26 GmbH mit rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihren Wahlvorstand bestimmen. Kurzerhand erwirkte das N26-Management eine weitere einstweilige Verfügung, dieses Mal gegenüber ver.di. Deshalb sprang die IG Metall Berlin ein. „Die heutige Veranstaltung dauerte rund vier Stunden, weil das Management offenbar eigene Leute in die Versammlung beordert hatte, um den demokratischen Prozess der Wahl des Wahlvorstandes zu stören“, kritisiert Thomas Weber von der IG Metall Berlin. Davon ließ sich die Mehrheit der anwesenden Kolleginnen und Kollegen aber nicht beirren. Auch die Beschäftigten von N26 haben nun einen dreiköpfigen Wahlvorstand.

Der Gründer von N26 verbreitete am Freitagmorgen unterdessen seine Sicht der Dinge per Mail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir unterstützen einen Betriebsrat und die dafür notwendigen Wahlen, aber nur unter Einhaltung existierender Gesetze, damit ihr alle gut geschützt seid“, zitiert ihn Finance Forward. Die einstweiligen Verfügungen, die er und sein Management verfügt haben, sprechen eine andere Sprache. Zeit-Online zitiert eine Mail, die das Demokratieverständnis der beiden Gründer bloßlegt:  "Wir denken zuvorderst, dass ein deutscher Betriebsrat gegen fast alle Werte steht, an die wir bei N26 glauben", schreiben sie idarin.

Tatsache ist: Mit den einstweiligen Verfügungen hat sich das N26-Management ein Eigentor geschossen. Wichtige Medien haben das Thema aufgegriffen und auf dem Twitter Account der Initiative für einen Betriebsrat erklären sich zahlreiche Menschen solidarisch. Das Management dagegen bekommt ihr Fett weg.

Mit der Wahl sind die Wahlvorstände bei N26 GmbH und N26 Operations GmbH jedenfalls im Amt. „Behindert der Arbeitgeber seine Arbeit, ist dies laut Betriebsverfassungsgesetz strafbar. Wir werden das im Auge behalten“, sagt Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.